Der Schweizer Photovoltaik-Markt war 2025 rückläufig. Auch wenn die offiziellen Daten erst im Juli veröffentlicht werden, rechnet der Verband Swissolar mit einem Rückgang der neu installierten Photovoltaik-Leistung um etwa 15 Prozent. Diese Ankündigung erfolgte auf Schweizer Photovoltaik-Kongresses, der vergangene Woche in Bern stattfand und mehr als 1100 Teilnehmer anzog. Im Jahr 2025 sind nach den Swissolar-Zahlen 1526 Megawatt neu installiert worden, gegenüber 1798 Megawatt im Jahr 2024 und 1640 Megawatt im Jahr 2023.
«Nach dem Anstieg der Strompreise im Jahr 2022, der Privatpersonen stark dazu veranlasste, sich mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten. Das Absinken der Tarife hat diese Dynamik automatisch gebremst », erklärt Wieland Hintz, Leiter Markt und Politik bei Swissolar und neuer stellvertretender Geschäftsführer.
Dennoch gebe die Situation keinen Anlass zu großer Sorge. Nach einer Umfrage unter Schweizer Unternehmen der Branche rechnet eine Mehrheit von ihnen für 2026 mit einem Umsatzanstieg, und zwar in stärkerem Maße als für 2025. Die Margenaussichten folgen dem gleichen Trend, und viele Unternehmen planen zudem eine Aufstockung ihres Personalbestands – ein Zeichen für eine allmähliche Erholung.
«Die Auftragsbücher stabilisieren sich, was mich vorsichtig optimistisch stimmt. Diese Entwicklung beruht insbesondere auf der Weiterentwicklung von Batteriespeichern, die neue Wachstumschancen eröffnen», betont Matthias Egli, Geschäftsführer von Swissolar. Besonders ausgeprägt ist die Dynamik bei Heimspeichern, Elektromobilität und der technischen Gebäudeintegration. Der Sektor beschränkt sich nicht mehr auf die Installation von Solarmodulen auf Dächern oder an Fassaden: Er ist nun Teil eines umfassenderen Konzepts der Gebäudeelektrifizierung, die Speicherung, intelligente Lösungen und das Laden von Elektrofahrzeugen umfasst.
Von der Solarenergie zur Gebäudeelektrifizierung
In diesem Zusammenhang profitieren die Schweizer Akteure von einer günstigen Positionierung: Fast 99 Prozent der Photovoltaik-Anlagen befinden sich auf Gebäuden (Dächer und Fassaden). Eine Besonderheit, die den Aufschwung ganzheitlicher Lösungen zur Gebäudeelektrifizierung begünstigt.
Die Speicher in Privathaushalten sind das deutlichste Beispiel dafür. In der Schweiz erreichen die «Behind-the-Meter»-Heimspeicher mittlerweile eine Gesamtkapazität von 2461 Megawattstunden, davon 1010 Megawattstunden 2025 neu installiert, was einem Anstieg von 82 Prozent innerhalb eines Jahres entspricht. «Speicher und intelligentes Management ermöglichen eine deutliche Reduzierung der Netzlasten, sowohl bei der Entnahme als auch bei der Einspeisung. Nach Angaben des Bundesamtes für Energie (BFE) könnten dadurch die Kosten für den Netzausbau um 20 bis 60 Prozent gesenkt werden», erklärt Jürg Grossen, Nationalrat und Präsident von Swissolar.

Gleichzeitig wächst der Anteil der Photovoltaik weiter. Swissolar prognostiziert, dass Solarenergie im Jahr 2026 etwa 17 Prozent des Netto-Stromverbrauchs in der Schweiz ausmachen wird, was bereits fast der Hälfte der Produktion der nationalen Kernkraftwerke entspricht. Dieser Anstieg erfordert jedoch eine verstärkte Abstimmung mit den Speicherkapazitäten und den Verbrauchsprofilen.
Denn der Markt wird volatiler. Die Anzahl der Stunden mit negativen Preisen auf dem Day-ahead-Markt ist von weniger als 100 im Jahr 2023 auf etwa 300 im Jahr 2025 gestiegen. «Die Photovoltaik muss sich nun an die Marktsignale anpassen», betont Leo-Philipp Heiniger, Spezialist für erneuerbare Energien beim BFE.
Flexibilität als neue Säule des Systems
Vor diesem Hintergrund hat die Schweiz ihren Rechtsrahmen weiterentwickelt. Wie Leo-Philipp Heiniger erläuterte, führt das zweite Paket des Stromgesetzes, das am 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist, insbesondere eine Abnahme- und Vergütungspflicht sowie Mindesttarife für Anlagen mit einer Leistung von weniger als 150 Kilowatt ein. Für den von diesen Anlagen eingespeisten Strom wurde eine garantierte Mindestvergütung eingeführt. Diese wird vierteljährlich vom Bundesamt für Energie (BFE) berechnet und basiert auf einem gewichteten Durchschnitt der Day-ahead-Marktpreise über drei Monate, entsprechend dem Einspeiseprofil der Photovoltaik-Anlagen. Sie beträgt derzeit etwa 6 Rappen (6,2 Eurocent) pro Kilowattsunde für Kleinanlagen bis 30 Kilowatt und sinkt schrittweise auf 1,2 Rappen pro Kilowattstunde für Anlagen bis 150 Kilowatt.
Dieser Mechanismus verbessert zwar die Ertragssicherheit und schützt Investitionen, dürfte sich jedoch ab 2027 weiterentwickeln, um den täglichen Schwankungen der Strompreise besser Rechnung zu tragen. Ab dem 1. Januar 2027 könnte dieses System zu einer Vergütung auf Basis der am Vortag bekannten Marktstundentarife übergehen, um den Eigenverbrauch und Speicher zu fördern.
Die Frage der Flexibilität rückt somit in den Mittelpunkt. Die Branche betont, dass keine Befürchtungen hinsichtlich einer Drosselung der Einspeisung bestehen sollten: Die Netzbetreiber dürfen maximal drei Prozent der jährlich am Anschlusspunkt erzeugten Energie ohne Entschädigung begrenzen. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) empfiehlt zudem eine Begrenzung der Einspeiseleistung auf 70 Prozent für Anlagen in Höhenlagen bis zu 1200 Metern.
Das Projekt «PV4balancing»
Wie Cécile Jost, Leiterin des Kontrollteams bei Swissgrid, erklärte, stellt der Anstieg der Photovoltaik-Leistung auch für den Schweizer Übertragungsnetzbetreiber eine Herausforderung dar. Derzeit werden rund 1000 Megawatt an Reservekapazität mobilisiert, um die Netzfrequenz aufrechtzuerhalten. Auch wenn die Schweiz in dieser Hinsicht lange Zeit vorbildlich war – «eine echte Schweizer Uhr» –, ist die Situation mittlerweile komplexer geworden. Ein Beispiel dafür ist der 26. Januar 2025: An einem sehr sonnigen Wintertag musste der Netzbetreiber bestimmte Erzeuger dafür bezahlen, ihre Produktion zu drosseln. Die erwartete Photovoltaik-Spitzenleistung lag bei 2800 Megawatt, doch die tatsächliche Produktion erreichte 2500 Megawatt. «Mit rund 1 000 Megawatt Reserve können wir Schwankungen in der Größenordnung von 10 Prozent auffangen. Aber wie wird es im Jahr 2035 aussehen, wenn sich die installierte Leistung verdreifacht hat», fragt sich Cécile Jost.
Um diesen Herausforderungen vorzugreifen, entstehen neue Lösungen wie das Projekt „PV4balancing“. Dieses ermöglicht es Photovoltaik-Erzeugern, für ihre Flexibilität vergütet zu werden, insbesondere wenn sie bereit sind, ihre Produktion zu drosseln, um zum Netzausgleich beizutragen. Dieser Mechanismus der „negativen Produktion“ stellt eine neue Einnahmequelle und einen Hebel für die Integration der Photovoltaik dar.
„Die nominelle TRL-Kapazität erhält eine feste Vergütung von 26.000 Franken pro Megawatt“, erläutert Stravrougla Margelou, Senior Portfolio Manager für Flexibilität (Flexpooling) bei Axpo. In einer ersten Projektphase konnten 75 Photovoltaik-Anlagen präqualifiziert werden, die eine große Bandbreite an Leistung abdecken (von 63 Kilowatt bis 4,9 Megawatt, davon 70 Prozent kleiner 600 Kilowatt). Eine Leistung von 60 Megawatt wurde bereits für die Teilnahme genehmigt. «Eine zweite Kampagne läuft derzeit und steht Anlagen mit mehr als 150 Kilowatt offen, die mit externen Steuerungsschnittstellen ausgestattet sind und sich in der Schweiz befinden», teilt Stravrougla Margelou interessierten Unternehmen mit. Die Schweizer Photovoltaik tritt damit in eine neue Phase ein: weniger getragen vom reinen Wachstum der Anlagen, sondern vielmehr von der Integration in das Stromnetz.
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