Mit politischen Ziel- und Zeitvorgaben ist es so eine Sache. Es gibt auf kommunaler, auf Länder- und Bundesebene viele negative Beispiele, wo es nicht geklappt hat. Bei der Photovoltaik dagegen liegt Deutschland, Stand heute, noch auf Kurs. Aktuell sind hierzulande nach neuesten Zahlen rund 117 Gigawatt an Photovoltaik-Leistung installiert – das entspricht der Leistung von mehr als 100 früheren Atommeilern. Und markiert zugleich bereits mehr als die Hälfte dessen, was im Zieljahr 2030 an Photovoltaik-Leistung erreicht werden soll.
Doch zugleich zeigt ein genauerer Blick auf das Marktstammdatenregister im Jahr 2025: Während der große Ausbau noch bevorsteht und Photovoltaik derzeit einen Anteil von 18 Prozent an der Stromerzeugung erreicht, hat das Ausbautempo zuletzt etwas nachgelassen. Weit bedenklicher: Statt der Photovoltaik nun alle Türen zu öffnen und so für mehr Tempo auf dem Weg zu den Zielen Energieautarkie und Klimaschutz zu sorgen, errichtet vor allem das Wirtschaftsministerium neue Hürden.
Die Schwächen der anderen sind die Stärken der Photovoltaik
Der Gedanke dahinter: Die Photovoltaik sei erwachsen geworden und könne jetzt auf eigenen Füßen stehen. Ein zentrales Argument der EEG-Kritiker sind die negativen Strompreise, die gegen eine garantierte Einspeisevergütung sprächen.
Negative Strompreise entstehen genau dann, wenn das Angebot an Strom deutlich größer ist als die Nachfrage. In solchen Situationen zahlen Stromproduzenten an der Börse sogar Geld dafür, dass jemand ihren Strom abnimmt. Das wirkt zunächst widersprüchlich, ist jedoch eine logische Folge des Marktdesigns und damit kein Beleg für das Scheitern der Photovoltaik, sondern vielmehr für deren Erfolg und Flexibilität – und umgekehrt für die Schwächen anderer Energieträger.
Photovoltaik-Anlagen produzieren Strom, sobald die Sonne scheint. Und das unabhängig davon, wie hoch die Nachfrage gerade ist. Besonders an sonnigen Tagen mit wenig Verbrauch, etwa an Wochenenden oder Feiertagen, steigt die Einspeisung aus Photovoltaik stark an. Gleichzeitig laufen Windkraftanlagen weiter, wenn es windig ist. Diese Kombination aus viel erneuerbarem Strom und geringer Nachfrage führt immer häufiger zu Überangeboten im Netz. 2025 gab es in Deutschland 574 Stunden mit negativen Strompreisen am Großhandelsmarkt. Damit belegt Deutschland europaweit den dritten Platz hinter Schweden und den Niederlanden.
Mehr Speicher und mehr Hilfen bei der Direktvermarktung sind aktuell notwendig
Negative Strompreise zeigen, dass das System an seine Grenzen stößt, weil es noch nicht ausreichend flexibel ist. Speicher, flexible Verbraucher, intelligente Netze und steuerbare Industrieprozesse könnten helfen, diese Überschüsse sinnvoll zu nutzen. Auch Elektroautos, Wärmepumpen oder Power-to-X-Anlagen können Strom aufnehmen, wenn er im Überfluss vorhanden ist.
Für die Photovoltaik bedeutet das: Je stärker sie ausgebaut wird, desto wichtiger wird es, die Erzeugung besser mit dem Verbrauch zu koppeln. Das kann über Speicher, variable Stromtarife oder eine stärkere Elektrifizierung von Wärme und Verkehr gelingen. Langfristig sind negative Strompreise ein Übergangsphänomen auf dem Weg zu einem erneuerbaren Energiesystem. Sie zeigen, wo Flexibilität fehlt und wo Investitionen sinnvoll wären. Je erfolgreicher Photovoltaik wird, desto stärker verändert sie den Markt.
Vor allem Betreiber kleinerer Anlagen brauchen aber weiter Unterstützung. Dabei ist mehr Unabhängigkeit für die gesamte Volkswirtschaft wichtiger als reine Einspeiseerlöse. Das zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg im Auftrag der EWS Elektrizitätswerke Schönau: Mehr als ein Drittel der Stromleistung aus Photovoltaik wird durch kleine Photovoltaik-Dachanlagen bis 30 Kilowatt bereitgestellt.
Die Warnung des Fraunhofer ISE: Die von der Bundesregierung ins Auge gefasste Abschaffung der EEG-Vergütung und Einführung der verpflichtenden Direktvermarktung für dieses Segment könnte zu einem deutlichen Rückgang der Investitionen in private Photovoltaik-Anlagen führen, solange die Prozesse in der Direktvermarktung nicht deutlich vereinfacht werden. Die Berechnungen ergeben, dass für eine Direktvermarktung des Stroms kleiner Photovoltaik-Dachanlagen bis 30 Kilowatt zurzeit noch eine um etwa 15 Prozent höhere Eigenverbrauchsquote nötig wäre, um den gleichen wirtschaftlichen Ertrag wie unter EEG-Vergütung zu erzielen. Erforderlich wäre unter anderem eine Beschleunigung des Smart Meter Rollout und die flächendeckende Umsetzung eines standardisierten, elektronischen Datenaustauschs in der Energiewirtschaft.
Fazit: Bevor die EEG-Vergütung für Photovoltaik-Dachanlagen übereilt geopfert wird, müssen die Voraussetzungen für eine effiziente Direktvermarktung vorhanden sein.
—- Der Autor Sebastian Hirt ist Co-Founder von Solarmarkt24.de und am Aufbau des Solarunternehmens Kleines Kraftwerk beteiligt. Seit 2022 befasst er sich mit skalierbaren Vertriebsmodellen für Photovoltaik im Endkundensegment, insbesondere im Bereich steckerfertiger Solarlösungen. —-
Die Blogbeiträge und Kommentare auf www.pv-magazine.de geben nicht zwangsläufig die Meinung und Haltung der Redaktion und der pv magazine group wieder. Unsere Webseite ist eine offene Plattform für den Austausch der Industrie und Politik. Wenn Sie auch in eigenen Beiträgen Kommentare einreichen wollen, schreiben Sie bitte an redaktion@pv-magazine.com.
Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.







Mit dem Absenden dieses Formulars stimmen Sie zu, dass das pv magazine Ihre Daten für die Veröffentlichung Ihres Kommentars verwendet.
Ihre persönlichen Daten werden nur zum Zwecke der Spam-Filterung an Dritte weitergegeben oder wenn dies für die technische Wartung der Website notwendig ist. Eine darüber hinausgehende Weitergabe an Dritte findet nicht statt, es sei denn, dies ist aufgrund anwendbarer Datenschutzbestimmungen gerechtfertigt oder ist die pv magazine gesetzlich dazu verpflichtet.
Sie können diese Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. In diesem Fall werden Ihre personenbezogenen Daten unverzüglich gelöscht. Andernfalls werden Ihre Daten gelöscht, wenn das pv magazine Ihre Anfrage bearbeitet oder der Zweck der Datenspeicherung erfüllt ist.
Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.