Das schwierigere politische und regulatorische Umfeld für erneuerbare Energien macht sich zunehmend auch bei Projektentwicklern und unabhängigen Stromproduzenten bemerkbar. Die Münchner Baywa re hat ihre mittelfristige Ergebnisplanung deutlich nach unten angepasst und begründet dies vordergründig mit verschlechterten Rahmenbedingungen in Europa und den USA.
Nach einer aktualisierten Planung erwartet das Unternehmen für 2027 nun ein bereinigtes Ebitda von gut 140 Millionen Euro. Bis 2030 soll das Ergebnis auf rund 150 Millionen Euro steigen. Zwar bleibt der Ergebnispfad damit grundsätzlich positiv, liegt aber deutlich unter früheren Annahmen. Zuvor war im Rahmen eines Restrukturierungsgutachtens für 2028 noch ein nachhaltig erreichbares Ebitda von rund 230 Millionen Euro unterstellt worden.
Als Gründe nennt der Vorstand von Baywa re primär negative Veränderungen im wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld für Projektentwickler in Europa und den USA. Zusätzlich wurden operative Planungen angepasst.
Die Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den Mutterkonzern Baywa AG, der 51 Prozent an Baywa re hält. Dessen Sanierungskonzept ging bislang davon aus, bis 2028 rund 1,7 Milliarden Euro durch den Verkauf der Beteiligung an der Tochter zu erlösen. Angesichts der neuen Planung erwartet der Vorstand indessen deutlich geringere Gesamterlöse und arbeitet deshalb an einer Anpassung des Restrukturierungskonzepts.
Parallel laufen Gespräche mit Kernbanken und Großaktionären über neue Vereinbarungen. Kurzfristig soll ein Stillhalteabkommen geschlossen werden, das bis Herbst 2026 gelten und Zeit für eine Anpassung der Finanzierungsvereinbarungen schaffen soll.
Bei Baywa re selbst läuft der Umbau des Geschäftsmodells bereits seit einiger Zeit. Das Unternehmen hat Märkte verlassen, Portfolioanpassungen vorgenommen und will sich künftig stärker auf ausgewählte Kernmärkte konzentrieren.
„Die Restrukturierung ist auf Kurs, allerdings liegt noch ein weiter Weg vor uns“, sagt Hans-Joachim Ziems, Chief Revenue Officer der BayWa re AG. „Es gilt, bei unverändert positiven und nachhaltigen Ergebniserwartungen unser verkleinertes Geschäftsvolumen zu berücksichtigen. Angesichts der deutlich eingetrübten Marktbedingungen wird es kontinuierlich weitere Restrukturierungsmaßnahmen geben müssen. Dabei werden wir uns in Europa auf bestimmte Kernmärkte fokussieren. All dies ist zwingend erforderlich, um auf einer dann nochmal verbesserten Kostenstruktur ein nachhaltig positiv wirtschaftendes, verschlanktes Unternehmen zu schaffen. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit den Eigentümern die richtigen Lösungen finden.“
In Europa soll der Fokus auf Kernmärkte gelegt werden. In den USA will das Unternehmen angesichts der energiepolitischen und regulatorischen Unsicherheiten künftig einen selektiveren Ansatz verfolgen.
Als belastende Faktoren nennt das Unternehmen unter anderem die energiepolitischen Änderungen in den USA im Zusammenhang mit dem „One Big Beautiful Bill Act“ (oft auch einfach OBBB genannt) der Trump-Regierung, die in vielen Punkten die Maßnahmen aus dem IRA-Paket von Bidens Vorgängerregierung rückabwickelte. Zudem haben sich geopolitische Risiken an den Energiemärkten dramatisch erhöht, wie das Unternehmen mitteilt. Auch in Deutschland und einer Vielzahl europäischer Märkte seien die regulatorischen Hürden für alle Marktteilnehmer in den Bereichen Wind, Solar und Batteriespeicher in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen.
Hintergrund zur Baywa-Krise
Der Münchner Konzern Baywa befindet sich seit 2024 in einer schweren finanziellen Krise, nachdem ein stark kreditfinanzierter Expansionskurs und hohe Abschreibungen zu einem Milliardenverlust führten. Der Konzern leitete daraufhin eine umfassende Restrukturierung ein, die unter anderem den Verkauf von Beteiligungen, Stellenabbau und eine Neuordnung der Finanzierung vorsieht.
Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.







Mit dem Absenden dieses Formulars stimmen Sie zu, dass das pv magazine Ihre Daten für die Veröffentlichung Ihres Kommentars verwendet.
Ihre persönlichen Daten werden nur zum Zwecke der Spam-Filterung an Dritte weitergegeben oder wenn dies für die technische Wartung der Website notwendig ist. Eine darüber hinausgehende Weitergabe an Dritte findet nicht statt, es sei denn, dies ist aufgrund anwendbarer Datenschutzbestimmungen gerechtfertigt oder ist die pv magazine gesetzlich dazu verpflichtet.
Sie können diese Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. In diesem Fall werden Ihre personenbezogenen Daten unverzüglich gelöscht. Andernfalls werden Ihre Daten gelöscht, wenn das pv magazine Ihre Anfrage bearbeitet oder der Zweck der Datenspeicherung erfüllt ist.
Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.