Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft wird derzeit weniger durch technologische Hürden als durch eine Vielzahl ineinandergreifender Risiken gebremst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Capgemini Invent im Auftrag des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Untersuchung analysiert die aktuelle Risikolage entlang der gesamten Wertschöpfungskette und ordnet Projektrisiken und ihre Ursachen ein. Grundlage sind Interviews mit Marktakteuren aus Erzeugung, Transport, Speicherung und Anwendung.
Zentrales Ergebnis ist, dass Risiken häufig aus mehreren Treibern, etwa aus Regulatorik, Marktreife, Finanzierung, Infrastruktur, Technologie oder Arbeitsmarkt, entstehen. Isolierte Einzelmaßnahmen greifen daher aus Sicht der Autoren zu kurz. Beispielhaft zeigt sich dies beim Abnahmerisiko. Dieses resultiert nicht allein aus unsicherer Nachfrage, sondern auch aus einer geringen Zahlungsbereitschaft für grüne Moleküle, fehlenden verlässlichen Leitmärkten, mangelnden Standardprodukten sowie fehlenden Absicherungsinstrumenten im Wasserstoffhandel. In der Summe erhöhen diese Faktoren Risikoaufschläge, schwächen die Bankfähigkeit von Projekten und verzögern Investitionsentscheidungen selbst dann, wenn einzelne Rahmenbedingungen punktuell verbessert werden.
Im Upstream-Segment steht die Herstellung von Wasserstoff im Mittelpunkt der Analyse. Hier identifiziert die Studie vordergründig die regulatorischen Vorgaben des EU-Delegierten Rechtsakts zu erneuerbaren Kraftstoffen nicht-biologischen Ursprungs als zentralen Kostentreiber. Die derzeitigen Anforderungen an Zusätzlichkeit und Gleichzeitigkeit beim Strombezug führten zu künstlichen Engpässen und Mehrkosten. Die Autoren sprechen sich daher für eine Verschiebung der Strombezugskriterien und für die Möglichkeit aus, die stündliche Treibhausgasbilanzierung von bezogenem Netzstrom analog zu den Regeln für kohlenstoffarme Brennstoffe zu nutzen. Investitionsschutz durch konsequenten Bestandsschutz betrachten Studienautoren als notwendig, um bereits getätigte Entscheidungen regulatorisch abzusichern. Ergänzend sei eine zügige Finalisierung der Förderrichtlinie für systemdienliche Elektrolyseure erforderlich. Die sollte nach Auffassung der Autoren am besten mit einer an Ausbauziele gekoppelten Verlängerung der Netzentgeltbefreiung über 2029 hinaus sowie einer schnellen nationalen Umsetzung der RED-III-Direktive verbunden werden, um Kosten- und Planungssicherheit zu schaffen.
Im Midstream-Bereich, also zwischen Produktion und Nutzung, sieht die Studie vorrangig in der handels- und beschaffungsseitigen Mengenbündelung einen Schlüssel für ein wirksames Risikomanagement. Standardisierte, handelbare Wasserstoffprodukte und verlässliche Vertragswerke gelten als Voraussetzung für den Aufbau eines funktionierenden Marktes. Parallel dazu müsse die Infrastruktur konsequent ausgebaut werden. Entscheidend seien die Umsetzung des Wasserstoffbeschleunigungsgesetzes sowie der zügige Aufbau des Wasserstoffkernnetzes entlang industrieller Cluster und zentraler Importkorridore einschließlich Speichern und Terminals. Staatliche Garantien oder Bürgschaften könnten in der Hochlaufphase nicht beeinflussbare Risiken absichern. Zusätzlich seien Preisdifferenzmechanismen wie Contracts for Difference erforderlich, um die Kostenlücke zwischen erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff und fossilen Alternativen zu überbrücken.
Im Downstream-Segment rückt die Studie die Nachfrageseite in den Fokus. Verbindliche Leitmärkte und Nachfrageanker, etwa im Bereich grüner Stahl, müssten durch Einsatzquoten und gezielte öffentliche Beschaffung aufgebaut werden. Um den Preisunterschied gegenüber fossilen Energieträgern zu überbrücken, werden Förderinstrumente sowie transparent geregelte Preisbandbreiten für grünen Wasserstoff vorgeschlagen, die Abnehmern Planungssicherheit geben. Zudem sollte die regionale Nutzung von Wasserstoff durch mehr Planungssicherheit auf Verteilnetzebene und durch einen Ausgleich struktureller Unterschiede zwischen Regionen und Abnehmergruppen gestärkt werden. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen verfügten häufig nicht über ausreichende Skaleneffekte oder Risikotragfähigkeit, um die derzeitigen Unsicherheiten eigenständig abzufedern, wie es in der Studie heißt.
Die vorgeschlagenen Instrumente verstehen die Autoren als temporäre, hochlaufbegleitende Maßnahmen. Sie sollen einen Markt aufbauen und sind nicht als dauerhafte Marktmechanismen konzipiert. Erst die verzahnte Umsetzung entlang aller Wertschöpfungsstufen stabilisiere Kostenpfade, ermögliche Handel und Portfolioaufbau und sichere verlässliche Nachfrage. Ohne einen systemisch abgestimmten Instrumentenmix bleiben viele Projekte an der Schwelle zur finalen Investitionsentscheidung stecken, weil die kumulierten Unsicherheiten die Risikotragfähigkeit der Unternehmen übersteigen, so das Fazit der Studie.
Die Studie lässt sich hier nachlesen.
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Es sind keine Risiken, niemand möchte die Kosten übernehmen.
Selbst wenn es mit dem Wasserstoff irgendwann mal Kunden gibt für dieses Produkt, wird die Produktion des Wasserstoffs und die Abnehmer nicht in Deutschland sein.
Dann wird dort der Wasserstoff produziert wo Grüne Energie günstig hergestellt werden kann und auch dort verarbeitet. Zum Bespiel Spanien, Marokko usw… aber nicht in Deutschland.
In Deutschland werden auch keine Bananen angebaut!
Das hat Züge von einer Sekte, was Du hier treibst.