Solar 2026: Zwischen smarter Zukunft und zäher Realität

Smarte Energie zu Hause, Grafik Enerix

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Die Solarbranche und ihre Akteure haben herausfordernde Jahre hinter sich. Nach dem Ausnahmezustand der Boomjahre 2022 und 2023 ist Ernüchterung eingekehrt – und so mancher Unternehmer fragt sich inzwischen offen, ob Photovoltaik noch die richtige Branche ist.

Das grundsätzliche Interesse an dezentraler, nachhaltiger Energieversorgung besteht weiterhin, ist aber deutlich geringer als während Energiekrise und Pandemie. Gleichzeitig gibt es ein massives Überangebot: Zu viele Anbieter kämpfen um wenige, vorsichtige Kunden. Worauf müssen sich die Akteure in der Solarbranche 2026 einstellen?

Bidirektionales Laden: richtige Idee, zäher Start

2026 werden Elektroautos rechtlich als Speicher anerkannt, Netzentgelte beim Laden und Rückspeisen entfallen. Damit ist bidirektionales Laden endlich möglich und wirtschaftlich attraktiv. Erstmals werden Elektroautos als Teil des häuslichen Energiesystems anerkannt. Flankiert wird dies durch die neue E-Auto-Förderung, die zumindest etwas Nachfrage auch für Photovoltaik-Anlagen, Wallboxen und Speicherlösungen erzeugt.

Ohne flächendeckende Smart Meter und angepasste Netzsysteme dauert es aber Monate, bis erste Anwendungen funktionieren. Der politische Wille ist da, jetzt müssen Prozesse und Infrastruktur schnell folgen. Der Smart-Meter-Rollout gehört dringend auf die Prioritätenliste der Bundesregierung, vielleicht steht er aber schon da.

2026 wird das Jahr der Vorzieheffekte

Ab 1. Januar 2027 endet die klassische EEG-Einspeisevergütung für Neuanlagen. So die offengelegten Pläne der Bundeswirtschaftsministerin. Das EEG wird reformiert: Die Einführung eines Modells mit Contracts for Difference (CfD) steht an.

Betreiber handeln künftig Preisbänder mit Direktvermarktern aus: Unter der Untergrenze wird ausgeglichen, über der Obergrenze abgeschöpft. Volkswirtschaftlich sinnvoll und netzdienlich. Kommunikativ? Eine Katastrophe. Für viele private Kunden ist das kompliziert, abstrakt und emotional schwer vermittelbar.

Meine Vermutung: 2026 entsteht ein spürbarer Kaufimpuls nach dem Motto: „Lieber jetzt noch schnell eine Anlage mit der klassischen, einfachen Einspeisevergütung.“

Wärmepumpe als neuer Photovoltaik-Treiber

Wie 2014 der Stromspeicher den Markt belebt hat, ist es heute die Wärmepumpe. Wer ein älteres Haus besitzt und eine ältere Öl- oder Gasheizung durch eine Wärmepumpe tauscht, entscheidet sich fast immer auch für eine PV-Anlage. Die Wärmepumpenförderung bleibt wohl erhalten, allerdings ändern sich technische Anforderungen. Außerdem steht die Reform des Gebäudeenergiegesetzes bis Mai 2026 an. Hier wurde im letzten Jahr zumindest der Name geändert: Seitdem heißt es Gebäudemodernisierungsgesetz.

Energy-Sharing – neues Geschäftsmodell für Betreiber

Ab Mitte 2026 kommt Energy-Sharing nach Deutschland, dank EU-Richtlinie. Wer zu viel Strom produziert, kann ihn mit Nachbarn teilen. Zu selbst bestimmten Preisen. In Italien und Österreich funktionieren solche Energiegemeinschaften gut, in Deutschland bisher ohne finanzielle Anreize. Für innovative Betriebe entstehen Chancen: Ob in Quartierslösungen, Mehrparteienhäusern oder bei gemeinschaftlichen Speichern. Mal sehen, wie groß das Interesse wirklich ist.

Steigende Preise – ausgerechnet jetzt

Für den Export seiner Solarmodule, Zellen und Wafer streicht China ab April 2026 die Exportvergünstigungen. Bei Batteriespeichern fallen Steuervorteile bis 2027 komplett weg.

Das bedeutet, nicht nur für chinesische Hersteller, sondern auch für den europäischen Markt wird es teurer. Die Beschaffungskosten werden ansteigen und der Preisverfall, welcher sich nun seit mehreren Jahren vollzog, wird hoffentlich bald enden.

Was bedeutet das für Photovoltaik-Betriebe und Endkunden?

Es gibt viele neue Dinge, mit denen sich die Installateure beschäftigen müssen. Daher werden sich Unternehmen über ihr Wissen vom Markt abheben müssen. Für den Laien erscheinen Ausdrücke wie Contracts for Difference wie Begrifflichkeiten aus einer anderen Welt und sind zunächst abschreckend. Wer das Thema verständlich erklärt, wird Energieexperte. Reine Verkäufertypen, die das Thema nicht einfach und kundengerecht aufbereiten können, werden es schwer haben.

Wie sich schon im vergangenen Jahr zeigte, geht der Trend hin zu einem Gesamtsystem zur Maximierung des Eigenverbrauchs. Daher wird Systemdenken Pflicht: Photovoltaik, Speicher, Wallbox, Energiemanagement und Fahrzeug wachsen zusammen. Wer nur einzelne Komponenten anbietet, bleibt austauschbar. Auf lange Sicht verschwinden dann genau diese Unternehmen vom Markt, die sich nicht breit aufstellen.

Das stellt Endkunden aber zeitgleich vor die Herausforderung: Wie finde ich den richtigen Anbieter? Mein Tipp: Genau hinschauen. Ist der Anbieter auf dem neusten Stand der Technik? Kennt er sich mit der Thematik aus oder wirft er nur mit Buzzwords um sich?

Wer in zukunftsorientierte Unternehmen investiert, der investiert auch in solche, die in fünf Jahren noch existieren. Für die Zukunft der Energiewende werden Modelle wie CfDs, Energy-Sharing oder dynamische Stromtarife essenziell sein. Kunden sollten sich also Unternehmen suchen, die genau in diese Bresche einschlagen.

Mein Tipp: Keine Angst vor der Zukunft haben und lieber jetzt investieren, als später bereuen. Das gilt für Kunden, wie für Unternehmen.

Peter Knuth, Gründer und Geschäftsführer von Enerix

— Der Autor Peter Knuth ist Geschäftsführer und Mitbegründer von Enerix. Die Technik rund um die Photovoltaik hat er von der Pike auf gelernt, Photovoltaik-Anlagen auf Dächern selbst montiert und elektrisch ans Netz angeschlossen. 2007 fiel zusammen mit seinem Geschäftspartner und engem Freund Stefan Jakob der Entschluss zur Gründung von Enerix.  Die vielfach ausgezeichnete Fachbetriebskette für Photovoltaik-Anlagen, Stromspeicher und Wärmepumpen wurde in Bayern als erstes Franchisesystem in der Energiebranche gegründet. Die beiden Gründer gelten als echte Solarpioniere und sind seit über 20 Jahren in der Solarbranche tätig. https://www.enerix.de/ —

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