Hycube-Gründer Rainer Appold

Hycube-Gründer Rainer Appold.
Foto: Hycube

Neuer Hersteller für Batteriespeicher aus Mannheim

06. März 2015 | Speicher und Netze, Topnews

Gründerszene: Hycube ist ein junges Unternehmen, das jetzt einen Solar-Batteriespeicher auf den Markt bringt. pv magazine hat den Gründer Rainer Appold befragt, was seine Firma und sein Produkt ausmacht.

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Das junges Unternehmen Hycube Technologies aus Mannheim bringt einen neuen Batteriespeicher auf den Markt. Nach Auffassung der Entwickler zeichnet es sich vor allem durch eine einfache Installation aus, eine verhältnismäßig hohe Entladeleistung, die Inselfähigkeit und die Software für das Energiemanagementsystem. (siehe Produktmeldung).

Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Lebenslauf des Gründers Rainer Appold. Er hat 1985 die Gastronomiekette Citrus gegründet und sie im Jahr 2000 an den Weltkonzern Scottish & Newcastle in Edinburgh verkauft. Seit 2008 hat er den weltweiten Vertrieb beim Modulhersteller Vikram Solar übernommen und den Aufbau der Modulproduktion in Indien mitgestaltet. Daraus entstand das Projektgeschäft, das er mit dem von ihm mitgegründeten Unternehmen e.i.n.s.energy aufgebaut hat. Jetzt setzt er auf die Batteriespeichersysteme.

pv magazine: Sie haben erst eine Gastronomiekette gegründet, dann eine Modulproduktion in Indien aufgebaut und jetzt ein Unternehmen gegründet, das Batteriespeicher herstellt. Habe ich etwas vergessen?

Rainer Appold: Ja. Ich war nicht nur selbständig in der Gastronomie und Hotellerie, sondern  war auch ein paar Jahre Deutschlandchef von Mövenpick. Danach habe ich zusammen mit spanischen Partnern einen nationalen Weinimport in den USA aufgebaut.

Sie haben sehr unterschiedliche Aktivitäten hinter sich. Gibt es dabei Gemeinsamkeiten?

Ja. Man kann es so sagen: Es ist im Prinzip alles gleich. Das heißt, die Mechanismen, wie man Erfolg haben kann, funktionieren gleich. Es geht immer darum, wie man die Aufgaben mit den einzelnen Menschen angeht. Ich komme nicht von der technischen Seite. Nicht in der Gastronomie und auch nicht im Solarbereich. Ich komme von der Businessseite: Wie vermarkte ich etwas? Wie gehe ich ran? Wie kann ich das Produkt am Markt platzieren? Ich mag es, in verschiedensten Bereichen eines Unternehmens zu arbeiten. So habe ich in meiner Systemgastronomiezeit zum Beispiel ein Interview mit einem Lifestyle-Magazin gehabt, als wir ein Restaurant in Kapstadt eröffnet haben. Da kam die Frage, warum Südafrika. Das unterscheidet sich nicht so stark von einem Interview mit Ihnen, in dem Sie mich fragen: Warum willst du eigentlich Batteriespeicher bauen?

Warum wollen Sie denn Batteriespeicher bauen?

Ich bin absolut sicher, dass Energiespeicher in der Zukunft eine entscheidende Rolle in der Energieversorgung weltweit spielen werden. Dies war für mich der Hauptgrund dieses große Projekt Hycube zu starten. Aber es gibt natürlich auch eine Vorgeschichte. Ich bin durch meine Tätigkeit bei Vikram Solar in den Projektbereich gekommen. Wir haben in den Jahren, als das ein gutes Geschäft war, weltweit sehr viele Projekte entwickelt. Als es schwieriger wurde, ungefähr vor zwei Jahren, haben wir uns gefragt: Wie geht es weiter, was ist sinnvoll?  Da war relativ schnell klar, dass wir Speicher entwickeln wollen. Wenn die Photovoltaik in die Richtung Eigenverbrauch geht, dann brauchen wir Speicher, um so viel wie möglich vom eigenen Strom selbst zu verbrauchen.



Hycube Batteriespeicher mit einer modular wählbaren Speicherkapazität bis zu 14,4 Kilowattstunden. Details siehe Produktmeldung und Produktübersicht Batteriespeicher. Foto: Hycube

Sie kommen von der kaufmännischen Seite, aber Sie müssen trotzdem technische Entscheidungen treffen. Wie gehen Sie dabei vor?

Ich glaube, ich habe sehr gute Fähigkeiten, ein Netzwerk aufzubauen. Nur ein kleines Beispiel, was Batterien betrifft: Ich habe einem amerikanischen Freund bei einem Abendessen in Tampa in Florida gesagt: „Du wir wollen hier Solar-Batteriespeicher entwickeln“, und der sagte: „Mein Schwiegervater baut Batterie-Charger mit einer Firma in Bologna.“ Ich war dann 14 Tage später in Bologna und habe mich mit den Leuten zusammengesetzt und erste Schritte geplant. Ich versuche, die richtigen Leute zu finden und zusammenzubringen. Der Kopf der Firma von der technischen Seite ist allerdings Holger Koch. Der hat sich dann auch  die passenden Leute von außen dazu geholt.

Und wie haben Sie ihn gefunden?

Holger Koch kam schon zu meiner Vikram-Solar Zeit zu uns. Das war eigentlich mehr oder weniger Zufall. Mittlerweile sind wir ein perfektes Team.

Sie haben in Hycube investiert. Haben Sie weitere Investoren?

Ja. Einige ehemalige Geschäftspartner und  Freunde, die die gleiche Vision  haben. Wir sind alle von der Idee, Batteriespeichersysteme zu bauen, überzeugt.



Gründer Rainer Appold mit seinem Sohn zu seinen indischen Zeiten. Foto: Hycube

Sie entwickeln seit eineinhalb Jahren und mussten dementsprechend größere Summen investieren. Wie viel Zeit haben Sie sich gegeben, wann soll wieder Geld zurückfließen?

Von jetzt an in zwei bis drei Jahren wollen wir schwarze Zahlen schreiben.

Haben Sie auch einen Exit-Plan? Wollen Sie am Ende das Unternehmen mit möglichst großem Gewinn verkaufen oder Inhaber einer Speicherfirma bleiben?

Das ist wirklich eine schwierige Frage, die ich mir so noch gar nicht gestellt habe. Wir sind so beschäftigt mit dem Aufbau der Firma. Sei es das Marketing, oder unsere Hycube-Roadshow, die wir für Händler organisiert haben, seien es technische Entscheidungen, die wir zusammen treffen müssen, oder Besuche bei unseren Partnern in China und den USA.  Da ist sehr viel zu tun und das ist es, was mich interessiert. Wenn es so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, möchte ich das noch einige Jahre lang machen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Im Moment haben wir intern sechs Mitarbeiter. Dann haben wir noch in einem verbundenen Unternehmen im Softwarebereich fünf Mitarbeiter. Wir wollen bei der Software für Home Automation vorne mitspielen. Wir stellen übrigens auch ein.

Produzieren Sie selber oder lassen Sie produzieren?

Im Moment ist produzieren wir die Systeme gemeinsam mit einer Firma für Steuerungstechnik. Hier arbeiten schon unsere Mitarbeiter gemeinsam mit den Fachleuten, um die Produktion dann kurzfristig vollständig bei uns zu etablieren.

Auf dem Speichermarkt tummeln sich schon jetzt relativ viele Unternehmen. Warum, denken Sie, können Sie sich durchsetzen?

Wir haben ein sehr gutes Produkt. Wir haben da viel Hirnschmalz reingelegt. Ich glaube, wir sind gut. Außerdem: Es gewinnt am Markt nicht immer nur der Erste, sondern oft ist es auch der, der sich besser bewegt und bessere Ideen in hat. Unsere Software und Steuerung gemeinsam mit unserem Batteriemanagement ist einzigartig. Ich finde, der Batteriespeichermarkt ist im Moment noch sehr überschaubar und wir wollen hier eine große Rolle spielen.

Wie überzeugen Sie diejenigen, die eventuell ein Risiko darin sehen, bei einem Newcomer zu kaufen?

Wir haben lange weltweite Erfahrung in der Photovoltaik. Auch haben wir nicht nur in Deutschland Investoren überzeugt. Das ist die finanzielle Seite. Auch auf der technischen Seite sind wir weniger Newcomer als es vielleicht aussieht: Viele in unsrem Team sind absolute Cracks in Ihrer Disziplin. Außerdem haben wir ein weltweites Netzwerk von Fachleuten geschaffen.

Das Gespräch führte Michael Fuhs.

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