Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie

BWE-Präsident Hermann Albers fordert eine zügige Energieverbändewende.
Foto: Bundesverband Windenergie

Albers fordert BEE 2.0

26. September 2014 | Politik und Gesellschaft, Hintergrund, Topnews

Im Zuge der Energiewende in Deutschland muss es auch eine „Energieverbändewende“ geben. Dazu hat der Präsident des Windverbands nun konkrete Vorstellungen vorgelegt. Er will die einzelnen erneuerbaren Fachverbände unter dem Dach des BEE sammeln und ihnen damit zu einer gemeinsamen starken Stimme verhelfen. Dieser Prozess ist aus Albers Sicht alternativlos, wenn die Erneuerbaren ihrer Systemverantwortung in Zukunft gerecht werden wollen.

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Hermann Albers ist der markante Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). Er hat nun eine Debatte angestoßen, die längst überfällig scheint. Der Anteil der erneuerbaren Energien in Deutschland hat mittlerweile eine systemrelevante Größe von mehr als 25 Prozent erreicht, doch in der Wahrnehmung der Politik ist dies noch längst nicht angekommen. Ein Grund dafür ist die Zersplitterung der Erneuerbaren in viele kleine Verbände und Interessensgruppen. So gibt neben dem BWE, den Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), den Fachverband Biogas oder den Fachverband Geothermie, um nur einmal einige größere zu nennen, die jeweils versuchen, ihre Interessen in der Politik und Öffentlichkeit publik zu machen. Insgesamt 29 Fachverbände hat Albers gezählt, die auf dem weiten Feld der erneuerbaren Energien (EE) aktiv sind.

Diese EE-Verbändelandschaft ist aber nicht mehr zeitgemäß. „Wir brauchen eine Energieverbändewende“, sagt Albers im Interview mit pv magazine. Dies sei auch ein Wunsch, der von der Politik immer wieder an ihn und seine Kollegen herangetragen werde. Die Erneuerbaren müssten mit einer Stimme sprechen. Kein Politiker habe Zeit und Lust, sich mit diversen Vertretern des EE-Bereichs zu treffen und könne deren Anliegen kontinuierlich weiter verfolgen und vorantreiben“, sagt Albers. Im Zuge des nun bereits erreichten Ausbaus und des weiteren avisierten Zubaus müssten die EE-Vertreter einen viel stärken ihren Fokus auf die Systemintgration legen. „Wir müssen der Politik Antworten geben, wie bei einem der steigenden Anteil der erneuerbaren Energien die Versorgungssicherheit darzustellen in das System integriert werden kann“, sagt Albers. Dabei gehe es darum, gemeinsame Konzepte und Lösungen zu entwickeln – also etwa Windkraft, Photovoltaik und Biomasse gemeinsam. In den vergangenen 24 Jahren - seit der Einführung des Stromeinspeisegesetzes - sei es primär darum gegangen, dass die EE-Verteter mit der Politik über Preise verhandelt hätten. „Doch diese Zeiten sind nun vorbei“, so der BWE-Präsident.

Doch was fordert Albers konkret? Er will den bereits existierenden, aber chronisch unterfinanzierten Bundesverband Erneuerbaren Energien (BEE) aufpeppen. „Ich will einen BEE 2.0, der alle Spartenverbände abbildet“, sagt Albers. Dazu hat er auch bereits ein Organigramm entworfen, dass unter dem Vorstand des BEE einen Präsidenten und sieben Vizepräsidenten sieht. An dieser Stelle sollen dann die bisherigen Präsidenten der Fachverbände vertreten sein. Die Aufgliederung erfolgt dabei in die sieben aus Albers Sicht wichtigsten Segmente der Erneuerbaren, also neben Wind auch Solar, Biogas, Wasserkraft und Geothermie. Neu im Präsidium will er die Bereiche erneuerbare Wärme und Mobilität etablieren, die bislang zu wenig repräsentiert seien. Unter dem Präsidium soll es dann eine Hautgeschäftsführung geben, die sich gezielt um Verantwortungsbereiche kümmert wie die Bundes- und Europapolitik.

Die Weichen in diese Richtung zu stellen, hält Hermann Albers für unumgänglich und überlebenswichtig. Sein erklärtes Ziel ist es, den BEE zu „dem deutschen Energieverband“ zu machen. Dies würde dann auch die Energielandschaft widerspiegeln, die in Deutschland 2030 Realität sein soll. Auch dazu hat Albers einen schönen Chart erstellt. Er zeigt, dass der BDEW heutzutage noch knapp zwei Drittel der Energieerzeugung (Atom, Kohle und Gas) repräsentiert, während die EE-Verbände auf etwas weniger als ein Drittel kommen. Den Rest sieht Albers beim VKU angesiedelt. 2030 wird der VKU seine Stellung in etwa behaupten können, doch der BEE vertritt dann 50 Prozent der Energieerzeugung. „Damit sollte er auch zentraler Ansprechpartner der Politik sein, wenn es um die Fragen der Energieversorgung geht“, betont Hermann Albers.

Dass dies bisher nicht der Fall ist, hat die gerade abgeschlossene Debatte über die EEG-Novelle gezeigt. Während die EE-Verteter einige Kröten schlucken mussten, konnte der BDEW seine Interessen auf politischer Ebene weitgehend durchsetzen und behaupten. Auch Albers ist klar, dass sich eine Energieverbändewende nicht von heute auf morgen umsetzen lässt. Zumindest hätten aber die bereits im BEE versammelten Fachverbandsverteter und auch der Bundesvorstand des BWE dessen Vorstand seinen Vorstoß einhellig begrüßt. Es sei im BEE nun beschlossen worden, ein Gutachten für den Integrationsprozess der Fachverbände in den BEE zu beauftragen. Es geht darum, ein Verfahren vorzuschlagen, wie dies bis 2020 Zusammenführung der Verbände gelingen könnte. „Ideal wäre, wenn wir das Grundkonzept schon bis zur nächsten Bundestagswahl umsetzen könnten“, betont Albers. Die vollständige Integration könne dann auch in einem zweiten Schritt später vollzogen werden. Aber angesichts der anstehenden Debatten etwa über die Verteilnetze, die Weiterentwicklung des Marktdesigns oder eben ab kommenden Herbst wieder über das EEG dürfe keine Zeit verloren werden, den Prozess zu beginnen. „Sonst eröffnen wir selbst die Gefahr, dass uns das Thema der Energiewende von anderen Verbänden aus der Hand genommen wird“, so Albers eindringliche Warnung. (Sandra Enkhardt)

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