Fahrplan für den Kohleausstieg, wie ihn sich Agora Energiewende vorstellt


Grafik: Agora Energiewende

Agora Energiewende legt Vorschlag zum Kohleausstieg bis 2040 vor

11. Januar 2016 | Politik und Gesellschaft, Märkte und Trends, Topnews

Der Berliner Think-Tank will einen "Runden Tisch Nationaler Kohlekonsens" etablieren. Nach Vorbild des Atomausstiegs sollen die Braun- und Steinkohlekraftwerke nach Erreichen einer Altersgrenze sukzessive vom Netz gehen.

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Agora Energiewende hat nach eigenen Angaben einen konsensorientierten Vorschlag für einen geordneten Rückzug aus der klimaschädlichen Verstromung von Braun- und Steinkohle bis zum Jahr 2040 ausgearbeitet. Dazu sollte ein „Runder Tisch Nationaler Kohlekonsens“ einberufen werden, um mit allen Beteiligten einen fairen Kompromiss zum Ausstieg aus der Kohle auszuhandeln, sagte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, am Montag. Möglichst 2016 solle es dabei zu einer von Politik und Gesellschaft getragenen Vereinbarung kommen. Analog zum Atomkonsens könnte diese dann auch in einem Gesetz zum Kohleausstieg münden.

Der Vorschlag des Berliner Think-Tanks benennt elf Eckpunkte. Agora Energiewende schlägt vor, die Kohlekraftwerke ab 2018 in Schritten von zunächst maximal drei Gigawatt pro Jahr vom Netz zu nehmen. Diese würde jährlich eine Stilllegung von drei bis vier Kohlemeilern bedeuten. Analog zum Kohleausstieg sollten die Kraftwerke nach Erreichen einer bestimmten Altersgrenze abgeschaltet werden, wobei die Grenze im Laufe der Jahre abgesenkt werde, heißt es weiter. 2040 sollte dann das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Auch sollte auf neue Braunkohletagebaue künftig in Deutschland verzichtet werden.

Im Gegenzug für die Abschaltung der Kraftwerke sollte sich die Politik verpflichten, keine einseitigen Belastungen für die Kohle einzuführen, so der Vorschlag weiter. Zudem müssten die Belastungen für die Braunkohleregionen mit strukturpolitischen Maßnahmen abgefedert werden. Dies sollte mit 250 Millionen Euro jährlich bis 2040 gefördert werden. „Da die Energiewende im Wesentlichen auf Bundesebene beschlossen wurde, sollten die zusätzlichen Strukturhilfen vollständig aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt werden. Die hauptbetroffenen Bundesländer wissen wiederum am besten, welche strukturpolitischen Maßnahmen vor Ort am sinnvollsten sind, sie sollten deshalb über die Verwendung der Mittel entscheiden“, sagt Graichen. Zudem müsse es ein Fonds geben, der die Folgelasten übernehme. Anstelle der bisherigen Rückstellungspraxis der Tagebaubetreiber sollte künftig eine Abgabe von etwa 2,50 Euro pro Megawattstunde Braunkohlestrom in diesen Fonds eingezahlt werden, wie Agora Energiewende vorschlägt. Der Fonds könnte damit über die Jahre auf mehrere Milliarden Euro anwachsen. Es würden auf diesem Weg auch spätere Diskussionen, wie sie derzeit über die Rückstellungen der AKW-Betreiber geführt würden, vermieden.

Das Beratungsunternehmen Enervis Energy Advisors hat im Auftrag von Agora Energiewende „Elf Eckpunkte für einen Kohlekonsens: Konzept zur schrittweisen Dekarbonisierung des deutschen Stromsektors“ sowie eine Langfassung erarbeitet. (Sandra Enkhardt)

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Gernot KLOSS aus Bochum | http://www.innovationen-kloss.de

Dienstag, 12.01.2016 12:37

Ein Vorschlag mit zu geringen Vorteilen. Hier ein besserer Vorschlag mit dem viel Geld eingespart werden kann: Die Erzeugungskosten für Strom werden auf einen niedrigen, fiktiven Referenz-Wert von [...]

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Kommentare 1 - 1 von 1

Gernot KLOSS aus Bochum | http://www.innovationen-kloss.de

Dienstag, 12.01.2016 12:37

Ein Vorschlag mit zu geringen Vorteilen.

Hier ein besserer Vorschlag mit dem viel Geld eingespart werden kann:

Die Erzeugungskosten für Strom werden auf einen niedrigen, fiktiven Referenz-Wert von einen, eventuell zwei Cent festgelegt. Alle Stromentgelte, die darunter liegen, zum Beispiel für überschüssigen Strom, der verbilligt, verschenkt oder als extrem teurer Minusstrom ins Ausland fließt, werden den Betreibern von Solar- und Windkraft-Anlagen nicht mehr vergütet, sondern fließen zur Entwicklung und zum Bau von PUMPSPEICHERN MIT SCHWIMMENDEM SPEICHERTEIL oder von LAGEENERGIESPEICHERN in einen Fond, der allen offen steht. Vorerst wäre eine Verpflichtung sinnvoll, diese Speicher ausschließlich für das Speichern überschüssigen Stroms zu nutzen. Als Gegenleistung könnte dann die bisherige Zubau-Beschränkung für Solar- und Windkraft-Anlagen gelockert oder gar aufgehoben werden.

Betreiber von Kohle-Kraftwerken sollten aus diesem Fond zusätzliche Gelder für das Stilllegen alter Kraftwerksanlagen in Form einer Umweltprämie erhalten. So wäre gewährleistet, dass schmutzige Kohle-Kraftwerke schneller abgeschaltet würden - sehr zum Vorteil verbleibender, moderner Anlagen, die dadurch besser ausgelastet würden und somit wirtschaftlicher arbeiten könnten. Für die Entlastung der Bürger und der Umwelt wäre dies ein besonderer Gewinn. Zudem würden die Betreiber von Kohle-Kraftwerken, die zur Zeit große Probleme haben, mit dem Bau dieser neuartigen Speicher ein neues, wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell erhalten. Besonders RWE könnte für den Bau von PUMPSPEICHERN MIT SCHWIMMENDEM SPEICHERTEIL vorteilhaft eigene, stillgelegte Braunkohle-Gruben nutzen.

Pumpspeicher mit schwimmendem Speicherteil sparen beispielsweise bei einer tagesdurchgängigen Leistung von 1000 kW/h gegenüber einem modernen Kohle-Kraftwerk gleicher Leistung pro Tag rund 600.000 Euro an Kosten für Kohle und Wasser; gegenüber alten Kohle-Kraftwerken noch mehr. Dabei ist ihr Platzbedarf nur geringfügig größer. Ihre Emissionen an CO2, Feinstaub und Schwermetallen sind gleich Null, wobei die Bau- und Unterhaltskosten dieser Pumpspeicher weit unter denen eines vergleichbaren Kohle-Kraftwerks liegen.

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