300-Megawatt-Solarpark in Frankreich

Mit 300 Megawatt ist einer der größten Solarparks in Europa kürzlich in Frankreich ans Netz gegangen.
Foto: Krinner Schraubfundamente

2015 war ein gutes Jahr für die Photovoltaik in Frankreich

19. Januar 2016 | Hintergrund, Politik und Gesellschaft, Topnews

Interview: Nach einer längeren Durststrecke ist für die französische Solarbranche nun wieder eine Aufbruchsstimmung greifbar, sagt Sven Rösner, stellvertretender Geschäftsführer des Deutsch-französischen Büros für erneuerbare Energien (DFBEE). Die Regierung in Paris sendet deutliche Signale, dass sie auf einen verstärkten Photovoltaik-Ausbau setzen will. Damit könnte Frankreich zu einem wichtigen Wachstumsmarkt in Europa werden.

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pv magazine: Wie hat sich der Photovoltaik-Markt in Frankreich im vergangenen Jahr entwickelt?
Sven Rösner (Foto): 2015 war ein gutes Jahr für die Photovoltaik in Frankreich. Zum einen sehen wir nach Jahren der Stagnation nun schon im zweiten Jahr in Folge stabile Ausbauzahlen auf dem französischen Markt mit einem jährlichen Zuwachs von etwa einem Gigawatt. Konkrete Zahlen für das gesamte Jahr werden erst in ein paar Wochen vorliegen, aber das Ausbauniveau des Vorjahres kann wohl übertroffen werden. Zum anderen wurde 2015 eine Reihe wichtiger politischer Entscheidungen getroffen, wie etwa das Energiewendegesetz, das einen Anteil von 40 Prozent Erneuerbaren im Strommix bis 20130 vorsieht. Die Weichen für einen zusätzlichen, nachhaltigen Aufschwung in den kommenden Jahren scheinen also gestellt. Hieraus entspringt eine echte Wachstumsperspektive für die Solarbranche in Frankreich.

Was erwarten Sie für eine Marktentwicklung in diesem Jahr?
Das Volumen der letzten Ausschreibungsrunde für Photovoltaik-Freiflächenanlagen wurde 2015 nachträglich wegen der günstigen Gebote von 400 auf 800 Megawatt verdoppelt. Zudem arbeitet das französische Umweltministerium momentan mit der PPE (Programmation Pluriannuelle de l’Energie) jährlichen Ausbaupfade für die einzelnen erneuerbaren Technologien bis 2023 fest und hat hier auch erste Zahlen zum weiteren Ausbau der Photovoltaik genannt. Die endgültigen Ziele werden erst in den kommenden Wochen veröffentlicht, aber der Entwurf der PPE verdeutlicht schon jetzt, dass die französische Regierung mittelfristig mit einem jährlichen PV-Ausbau für Anlagen über 100 Kilowatt Leistung von etwa 1,5 Gigawatt pro Jahr plant, insgesamt also knapp 1.75 Gigawatt. Dies wird von der Branche als ein deutliches Bekenntnis zur Photovoltaik gewertet und schafft Planungssicherheit für die Unternehmen. Nach einer längeren Durststrecke ist nun eine Aufbruchsstimmung greifbar, denn Frankreich wird damit zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte in Europa. Von 2016 erwarte ich deshalb, dass sich diese neue Dynamik bereits bemerkbar macht und dass das Wachstum der letzten Jahre weitergehen wird.

Es wird einige gesetzliche Neuerungen geben. Die Direktvermarktung soll zum Beispiel eingeführt werden. Was kommt da auf Investoren zu?
Die Direktvermarktung wird derzeit in Brüssel notifiziert und noch in diesem Jahr in Frankreich eingeführt. Aus den Entwürfen geht hervor, dass ein System vorgesehen ist, das in seiner Ausgestaltung dem deutschen Modell stark ähnelt und ebenfalls eine Markt- und eine Managementprämie beinhaltet. Die Reaktionen aus der Branche hierzu sind ähnlich wie in Deutschland 2012, besonders die Banken machen sich Sorgen. Allerdings sieht man auch nach Deutschland, wo die Direktvermarktung an sich eher wenig problematisch verlaufen zu sein scheint. In Frankreich wird es ebenfalls möglich sein, unter bestimmten Umständen über die Direktvermarktung mehr Erlöse als in der festen Einspeisevergütung zu erzielen. Die Einführung der Direktvermarktung ist momentan ein viel diskutiertes Thema, der Informations- und Diskussionsbedarf während der Anhörungen des Umweltministeriums war enorm.

Wie wird die Direktvermarktung konkret aussehen?
Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, aber das System wird, wie gesagt, dem Deutschen recht ähnlich sein, mit einigen Zusätzen. Klar ist bereits, dass mittelfristig ein Teil der Vergütung über den Kapazitätsmarkt erfolgen wird. Außerdem sind Stauchungsoptionen, wie wir sie aus dem Windbereich in Deutschland kennen, im Gespräch, genauso, wie eine Begrenzung der Volllaststunden. Sobald er vorliegt, wir werden eine frei zugängige deutsche Zusammenfassung des endgültigen Textes veröffentlichen und über die finale Ausgestaltung der Direktvermarktung in Frankreich berichten*.

Im vergangenen Jahr hatte die französische Regierung wegen der günstigen Gebote bei Photovoltaik-Ausschreibungen das Volumen für Großanlagen verdoppelt. Erwarten Sie dies für dieses Jahr erneut?
Wir beobachten bereits länger, dass Strom aus Photovoltaik-Anlagen immer günstiger produziert werden kann. In der letzten Ausschreibungsrunde „CRE III“ lag das durchschnittliche angenommene Gebot bei einer Vergütung von knapp 8,5 Cent/Kilowattstunde. Zudem gibt es Frankreich ein großes Potenzial für die Photovoltaik: Viel Sonne, geringe Bevölkerungsdichte, gut ausgebaute und relativ intelligente Netze. Der Transportnetzbetreiber RTE hat 2015 sogar verkündet, er freue sich über die zusätzliche Flexibilität, die er durch die Photovoltaik erhält, da sie ihm dabei helfe, die Mittagsspitze zu decken. All dies sind gute Voraussetzungen dafür, dass die Photovoltaik in der französischen Stromversorgung künftig eine weitaus größere Rolle spielt. Das hat auch die Politik erkannt. Mit der oben angesprochenen PPE legt die Regierung erstmals einen festen Zeitplan für die kommenden Ausschreibungsrunden bis 2019 vor. Hier sind für jedes Jahr bereits deutlich gesteigerte Ausschreibungsvolumina vorgesehen.

Wie sieht die Realisierungsquote bei den Ausschreibungen in Frankreich aus?
Diese Zahlen sind in Frankreich leider nicht öffentlich verfügbar.

Die Fragen stellte Sandra Enkhardt.

*Das Deutsch-französische Büro für erneuerbare Energien (DFBEE) veranstaltet am 16. Februar 2016 auf der E-World 2016 in Essen ein Side-Event, auf dem auch die Einführung der Direktvermarktung in Frankreich diskutiert wird.

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