ZVEH-Herbstkonjunkturumfrage: Leichter Aufwärtstrend erkennbar
Die Auftragspolster sind wieder gewachsen, die wirtschaftliche Situation in den E-Handwerken hat sich verbessert. Der Geschäftsklimaindex steigt.
Frankfurt, 8. Oktober 2026: „Es ist noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen. Die Stimmung in den E-Handwerken hat sich jedoch über den Sommer leicht verbessert“, so Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), zu den Ergebnissen der ZVEH-Herbstkonjunkturumfrage. An der im Zeitraum vom 21. September bis zum 2. Oktober durchgeführten Umfrage hatten 1.586 E-Betriebe teilgenommen.
Allerdings warnt Neuhäuser: „Der Energiewendepolitik der Bundesregierung fehlt es an Zukunftsfestigkeit und klaren Wachstumsimpulsen. Mit der EEG-Novelle und dem Netzpaket stehen zudem hochproblematische Änderungen an. Auch ist die Investitionstätigkeit in die Infrastruktur und aus der Privatwirtschaft noch nicht da, wo wir sie brauchen. Statt eines Tankrabatts wäre die Senkung der Stromsteuer richtig gewesen. Hier ist die Politik nach wie vor in der Pflicht, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen.“
Auftragspolster wachsen wieder
Grund für die Aufhellung der Stimmung sind unter anderem stabilere Auftragsvorläufe. So sank der Anteil der Unternehmen mit Auftragspolstern unter einem Monat gegenüber der Frühjahrskonjunkturumfrage 2026 von 35,0 auf 31,1 Prozent. Umgekehrt stieg der Anteil der Betriebe mit Auftragsvorläufen von mehr als zwei Monaten von 41,9 auf 45,0 Prozent.
„Die Ergebnisse zeigen, dass die Erholung primär auf das Privatkundengeschäft zurückzuführen ist“, erklärt ZVEH-Hauptgeschäftsführer Neuhäuser. So gaben 29,3 Prozent der befragten Betriebe ein Wachstum und nur 23,7 Prozent einen Rückgang bei den Aufträgen von Privatkunden an. Deren Anteil am Gesamtumsatz in den Elektrohandwerken stieg in der Folge von 38,8 Prozent im Frühjahr 2026 auf nun 40,7 Prozent an. Der ZVEH geht davon aus, dass infolge der mit dem Iran-Krieges verbundenen Energiekrise viele Haushalte verstärkt in Zukunftstechnologien wie Elektroautos und Wärmepumpen investiert haben.
Geschäftssituation hat sich leicht verbessert
Die verbesserte Auftragssituation lässt die befragten Unternehmen wieder etwas positiver auf ihre aktuelle Geschäftslage schauen. Hatten im Frühjahr 2026 noch 44,9 Prozent der Unternehmen angegeben, über ein gutes Geschäftsklima zu verfügen, waren es jetzt 48,0 Prozent. Als schlecht bezeichneten aktuell nur noch 11,5 Prozent die Geschäftssituation – nach 13,7 Prozent im Februar 2026.
Der Geschäftsklimaindex (GKI) bildet die insgesamt positiven Entwicklungen in den E-Handwerken ab und nährt sich nun – nach dem Tiefststand von 65,6 Punkten im Frühjahr 2026 – mit 68,2 Punkten wieder dem Wert aus der ZVEH-Herbstkonjunkturumfrage 2025 (68,8 Punkte). Damit zeigt sich auch bei der diesjährigen Herbstkonjunkturumfrage ein gewisser saisonaler Effekt: Der GKI sackt im Frühjahr ab, um im Herbst wieder anzuziehen.
Anteil der Betriebe mit offenen Stellen weiterhin rückläufig
Beim Anteil der Betriebe, die angaben, offene Stellen zu haben, ist die Zahl gegenüber dem Frühjahr 2026 jedoch weiterhin rückläufig (Frühjahr 2026: 46,0 % / Herbst 2026: 43,5 %). Der Anteil der Betriebe mit offenen Stellen liegt damit seit Herbst 2025 konstant unter der 50-Prozent-Marke. Eine Erklärung könnte sein, dass die E-Unternehmen aufgrund der weiterhin volatilen gesamtwirtschaftlichen Lage zögerlicher bei der Stellenausschreibung sind. Möglich ist aber auch, dass aufgrund der verbesserten Bewerberlage schlichtweg mehr offene Stellen besetzt werden konnten.
Verhaltener Pessimismus bezüglich der zukünftigen Geschäftssituation
Bezüglich der Einschätzung der zukünftigen Geschäftssituation zeichnet die ZVEH-Herbstkonjunkturumfrage indes ein eher durchwachsenes Bild. Zwar stieg die Zahl der Unternehmen, die davon ausgehen, dass sich die wirtschaftliche Situation verbessern wird von 17,1 Prozent im Frühjahr 2026 auf jetzt 20,8 Prozent. Gleichzeitig geht aber auch ein leicht höherer Anteil von einer Verschlechterung aus (Herbst 2026: 23,1 % / Frühjahr 2026: 22,2 %). „Wir sehen hier, dass ein gewisser Pessimismus hinsichtlich der Geschäftssituation bleibt“, so Neuhäuser: „Umso wichtiger ist es, dass die Regierung die versprochenen Reformen nun schnell auf den Weg bringt, damit sich die leichte wirtschaftliche Erholung der vergangenen Monate fortsetzen kann.
Zum Download:
Grafik „Entwicklung des Geschäftsklimaindexes seit 2025“
Grafik „Überblick Konjunkturindikatoren“
Grafik „Entwicklung der Geschäftserwartungen“
Der ZVEH: Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) vertritt die Interessen von 49.113 Unternehmen aus den drei Handwerken Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektromaschinenbau. Mit 451.050 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, davon 46.403 Auszubildende, erwirtschaften die Unternehmen einen Jahresumsatz von 88,2 Milliarden Euro. Dem ZVEH als Bundesinnungsverband gehören zwölf Landesverbände mit 313 Innungen an.