Wasserstoff im Alltag: Die Technik funktioniert, allein die Rahmenbedingungen entscheiden
Wie alltagstauglich ist Wasserstoffmobilität? Dieser Frage gingen die Hochschule Esslingen und der Verein „Für Emissionsfreie Mobilität Esslingen e.V.“ gemeinsam nach. Im Rahmen des Leuchtturmprojekts Neue Weststadt Esslingen entwickelten und betreuten Prof. Dr. Walter Czarnetzki und Dr. Alexander Müller-Dollinger ein öffentlich zugängliches Wasserstoff-Carsharing mit einem Toyota Mirai. Ziel war es, moderne Brennstoffzellentechnik für Bürgerinnen und Bürger, Studierende und Fachleute unmittelbar erlebbar zu machen.
Wasserstoffmobilität selbst erleben
Seit Projektstart im Jahr 2023 konnten Interessierte den Toyota Mirai unkompliziert über das Carsharing-Angebot nutzen. Während der Sponsoringphase wurden zahlreiche Kilometer zurückgelegt und vielfältige Erfahrungen mit der Wasserstoffmobilität im Alltag gesammelt. Dabei zeigte sich: Die Technologie ist gut nutzbar. Besonders die Reichweite von rund 600 Kilometern, die kurze Betankungszeit und die Langstreckentauglichkeit überzeugten die Nutzerinnen und Nutzer.
Das Projekt ging von Anfang an über den Betrieb eines einzelnen Fahrzeugs hinaus. Hochschule und Verein wollten zeigen, wie neue Mobilitätstechnologien unter realen Bedingungen funktionieren und praktische Erfahrungen mit ihnen ermöglichen. Zudem sollte das Projekt zur sachlichen Diskussion über Chancen und Grenzen von Wasserstoffmobilität beitragen.
Vom Carsharing-Fahrzeug zum mobilen Lernlabor
Der Mirai wurde deshalb auch in Lehrveranstaltungen und Projekten der Hochschulen Esslingen, Aalen und Konstanz eingesetzt. Studierende konnten sich direkt am Fahrzeug mit Themen wie Brennstoffzellentechnik, Wasserstofferzeugung, Energiespeicherung und zukünftigen Mobilitätskonzepten auseinandersetzen. Auch die Öffentlichkeit wurde intensiv einbezogen. Bei Veranstaltungen und Forschungstagen wurde der Toyota Mirai präsentiert und bot Anlass für zahlreiche Gespräche über Sicherheit, Reichweite, Umweltbilanz und die Zukunft des Wasserstoffs. Damit wurde das Carsharing-Fahrzeug zugleich zu einem mobilen Demonstrations- und Bildungsprojekt.
Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen vor allem eines: Die Wasserstofftechnologie ist technisch ausgereift und im Alltag zuverlässig nutzbar. Ob sie sich langfristig in größerem Umfang durchsetzen kann, hängt jedoch wesentlich von den wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ab. Entscheidend sind neben einer verlässlichen Tankstelleninfrastruktur vor allem die Kosten für die Erzeugung und Bereitstellung des Wasserstoffs. Wird Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien
kostengünstig erzeugt und gleichzeitig ein ausreichender Absatzmarkt aufgebaut, kann eine wasserstoffbasierte Energiewirtschaft einen ökologisch und ökonomisch tragfähigen Beitrag zur Energiewende leisten. Insbesondere dort, wo hohe Energiemengen von Bedeutung sind, kann die Brennstoffzellentechnik ihre Stärken ausspielen.
Rahmenbedingungen entscheiden über die Zukunft der Wasserstoffmobilität
Das Projekt hat damit gezeigt, dass die technische Grundlage für eine wasserstoffbasierte Mobilität vorhanden ist. Für eine breitere Anwendung müssen jedoch auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen stimmen: eine geeignete Infrastruktur, ausreichend verfügbare erneuerbare Energien und wettbewerbsfähige Kosten besonders im Vergleich zu fossilen Energieträgern. Die Frage nach der Zukunft der Wasserstoffmobilität entscheidet sich damit nicht allein an der Technik, sondern ebenso an den Rahmenbedingungen, unter denen Wasserstoff erzeugt, bereitgestellt und genutzt werden kann.
Für die Hochschule Esslingen und den Verein „Für Emissionsfreie Mobilität Esslingen e.V.“ war das Projekt ein gelungenes Beispiel für Wissenstransfer zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft. Es hat praktische Erfahrungen mit einer noch vergleichsweise wenig verbreiteten Antriebstechnologie ermöglicht und zugleich einen Beitrag zur Diskussion über die zukünftige Energie- und Mobilitätswende geleistet.
Gefördert wurde das Projekt durch die Festo SE & Co. KG. Der Verein „Für Emissionsfreie Mobilität Esslingen e.V.“ bedankt sich ausdrücklich für die Unterstützung, durch die dieses innovative und öffentlich zugängliche Demonstrations- und Bildungsprojekt realisiert werden konnte.