CEO von Monta zur Industrialisierung der Ladeinfrastruktur für E-Autos: „Die simple Phase ist vorbei“
Berlin, 10. September 2026 – In der ersten Phase der Elektromobilität ging es vor allem darum, das Laden überhaupt erst zu ermöglichen: Ladesäulen installieren, sie mit Software vernetzen und Fahrerinnen und Fahrern ermöglichen, einen Ladevorgang zu starten und abzurechnen. In der nächsten Ära geht es nun darum, das Laden im industriellen Maßstab zuverlässig, sicher und wirtschaftlich zu gestalten.
Diese zentrale Botschaft platzierte Casper Rasmussen, CEO von Monta, in seiner Keynote auf der Intercharge Network Conference (ICNC) 2026 in Berlin.
Während Europa auf zig Millionen vernetzte Ladepunkte zusteuert, entwickelt sich das E-Laden von einer fragmentierten Technologiebereitstellung zu einem komplexen industriellen System, das Hardware, Software, Zahlungsverkehr, Energieversorgung, Cybersicherheit und Regulierung umfasst.
„Die simple Phase ist vorbei. Und das ist gut so – denn wir gehen direkt den schwierigen Teil an“, sagte Rasmussen vor einem Fachpublikum der Ladebranche auf der Hauptbühne der ICNC. Laut Rasmussen bedeutet Industrialisierung, drei Herausforderungen gleichzeitig zu lösen: Steuerung, Skalierung und Vertrauen. Jedes dieser Ziele lässt sich, für sich genommen, gut erreichen. Alle drei kontinuierlich und im industriellen Maßstab zusammenzuführen – genau das macht aus einem Ladenetzwerk eine echte Infrastruktur statt einer bloßen Sammlung von Funktionen.
„Das ist der Punkt, an dem das Laden weniger wie eine App und mehr wie Infrastruktur funktioniert“, so Rasmussen. „Die Frage ist nicht mehr, ob wir eine Ladesäule verbinden können. Die Frage ist, ob wir täglich Millionen von Ladevorgängen, Geräten und Kunden zuverlässig bedienen können.“
Monta betont, dass dies genau die Aufgabe sei, auf die das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2020 hinarbeitet: die zugrunde liegende Komplexität des E-Ladens zu lösen, damit Betreiber sich auf ihre Kunden, ihre Marken und ihr Geschäft konzentrieren können.
Industrialisierung beginnt mit Steuerung
Die erste Voraussetzung für das Laden im industriellen Maßstab ist die Kontrolle über eine immer komplexere physische Infrastruktur. Das heutige Lade-Ökosystem ist stark fragmentiert – mit hunderten Hardware-Modellen, unterschiedlichen Firmware-Versionen, Konnektivitätsumgebungen und Standortkonfigurationen. Bei großer Skalierung wird selbst eine geringe Fehlerrate zu einem erheblichen betrieblichen und kundenbezogenen Problem.
Aktuelle Daten der Monta-Plattform verdeutlichen diese Herausforderung: Monta verarbeitet mittlerweile monatlich 4 Millionen Ladevorgänge an rund 330.000 Ladepunkten weltweit.
Während branchenweit derzeit etwa jeder 13. Ladeversuch fehlschlägt, liegt die Ausfallrate bei Hardware, die über das Betriebssystem von Monta verwaltet wird, bei etwa eins zu 21. „Zwei Drittel dieser Ausfälle werden durch die Hardware selbst verursacht“, erklärte Rasmussen. „Die deutlich höhere Hardware-Verfügbarkeit auf unserer Plattform ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis konsequenter Ingenieursarbeit.“
Monta testet kontinuierlich mehr als 900 Hardware-Modelle im eigenen Labor und liefert jährlich rund 25.000 Software-Releases aus, unterstützt durch Zehntausende automatisierte Tests. Das Ziel ist nicht einfach, mehr Ladesäulen anzuschließen, sondern ein zunehmend heterogenes Lade-Ökosystem wie eine verlässliche Infrastruktur agieren zu lassen.
Vertrauen erfordert gezielte Entwicklung
Im industriellen Maßstab reicht Zuverlässigkeit allein nicht aus. Betreiber brauchen auch die Gewissheit, dass die zugrundeliegende Infrastruktur ihre Daten schützt, Bedrohungen standhält und den immer anspruchsvolleren regulatorischen Anforderungen gerecht wird.
Monta arbeitet nach den Standards ISO 27001 und SOC 2 Type II, nutzt ganzjährige Penetrationstests und schützt Betreiberdaten durch vier unabhängige Ebenen der Mandantentrennung (Tenant Isolation).
Diese Schutzmechanismen gewinnen an Bedeutung, je mehr die Ladeinfrastruktur an Umfang und strategischer Relevanz zunimmt. Unter der NIS2-Richtlinie der EU können Akteure im Lade-Ökosystem unter die Cybersicherheitsanforderungen kritischer Sektoren fallen, was die Erwartungen an Sicherheit und Resilienz deutlich erhöht.
„Regulierung ist mittlerweile die Mindestanforderung, nicht mehr nur ein Unterscheidungsmerkmal“, erklärt Monta.
Für Betreiber bedeutet Industrialisierung zunehmend, nicht nur zu demonstrieren, dass ihre Ladeinfrastruktur funktioniert, sondern dass ihr vertraut werden kann, im großen Maßstab sicher und beständig zu arbeiten.
Mehr als 1 Milliarde Euro an Transaktionen: Können Betreiber der Infrastruktur ihr Geld anvertrauen?
Das Ausmaß der Monta-Plattform stellt einen Praxistest für dieses Vertrauen dar: Monta hat auf seiner Plattform mittlerweile mehr als 1 Milliarde Euro an Zahlungstransaktionen abgewickelt, zusammen mit Millionen von Ladevorgängen in mehreren Märkten.
In dieser Größenordnung ist die Zahlungsabwicklung beim Laden längst keine einfache Kassenfunktion mehr. Verschiedene Tarife und Währungen, grenzüberschreitende Mehrwertsteuer-Abrechnung unter ViDA, Rückerstattungen, Abstimmungen und das ständige Risiko von Zahlungsbetrug stellen Betreiber von Ladepunkten vor erhebliche betriebliche und finanzielle Herausforderungen.
Die Frage ist daher nicht mehr nur, ob eine Ladeplattform eine Zahlung entgegennehmen kann. Es geht darum, ob Betreiber der Infrastruktur vertrauen können, die ihr Geld verwaltet.
„Wo Geld fließt, ist Betrug möglich. Deshalb führen wir das System wie eine Bank“, sagte Rasmussen.
Monta hat eine eigene Lizenz als E-Geld-Institut (EMI) erhalten, anstatt unter der Lizenz eines Drittanbieters zu agieren. Die EMI-Lizenz von Monta soll im April 2027 an den Start gehen und wird es dem Unternehmen ermöglichen, Kundengelder auf Treuhandkonten abzusichern, zentrale Compliance-Prozesse zu automatisieren und Ladepunktbetreibern eine zusätzliche Ebene finanzieller Sicherheit zu bieten.
Für Monta ist die Lizenz nicht das Endziel, sondern eine Konsequenz aus dem Maßstab, in dem E-Mobilität heute agiert – und dem erforderlichen Vertrauensniveau, wenn eine Ladeplattform zwischen Betreibern, Fahrern und deren Geld steht.
Diese Entwicklung spiegelt die breitere Industrialisierung des E-Ladens wider: Wenn Anzahl und Wert der Transaktionen steigen, muss die dahinterstehende Finanzinfrastruktur parallel zur physischen Infrastruktur skalieren.
Laden wird zur kritischen Infrastruktur
Die Tragweite dieser Herausforderung nimmt weiter zu. Europa zählt bereits mehr als 10 Millionen vernetzte Ladesäulen – eine Zahl, die sich laut Rasmussen in den kommenden Jahren mehr als verfünffachen dürfte.
Dieses Wachstum bedeutet mehr Fahrerinnen und Fahrer, mehr Ladevorgänge, höhere Transaktionsvolumina, dynamische Energieflüsse und komplexe Netzintegrationen.
Dies über die Bereiche Laden, Energie, Finanzen und Intelligenz hinweg zu steuern, erzeugt eine betriebliche Komplexität, für die die erste Generation von Ladewerkzeugen nie ausgelegt war. „Auf diesem Niveau zu agieren, ist ein Vollzeitjob – und die Realität ist, dass die darunterliegende Mechanik immer komplizierter wird“, sagte Rasmussen. „Netzwerke wachsen, Energiemärkte werden dynamischer, Kosten müssen effizient bleiben, und das gesamte System muss steuerbar, sicher und skalierbar bleiben. Genau das ist die Infrastruktur-Herausforderung, an deren Lösung wir bei Monta seit Jahren arbeiten.“
Für Betreiber besteht die Herausforderung daher nicht mehr nur darin, Ladepunkte aufzustellen. Es geht darum, eine Organisation aufzubauen, die in der Lage ist, diese als kritische Infrastruktur zu betreiben. Das erfordert Engineering auf Industrie-Niveau, Cybersicherheit, Finanzkontrollen und betriebliche Resilienz – Fähigkeiten, die unabhängig aufzubauen und aufrechtzuerhalten exponentiell schwerer und teurer wird, je weiter Netzwerke wachsen.
Industrialisierung verändert, wo Wertschöpfung entsteht: Der Wettbewerb wird an der Oberfläche entschieden
Die Industrialisierung des E-Ladens verändert auch die Grundlagen des Wettbewerbs grundlegend.
Eine verlässliche Kern-Infrastruktur ist zwar die Grundvoraussetzung für den Betrieb eines Ladenetzes, stellt für Ladepunktbetreiber (CPOs) jedoch kein Unterscheidungsmerkmal dar. Die Messlatte für Zuverlässigkeit immer höher zu legen, wird exponentiell schwerer und teurer – was kontinuierliches Engineering und ein Multi-Tenant-Modell erfordert, bei dem sich Betreiber die Kosten und Vorteile einer bewährten Plattform teilen. Indem die komplexe Infrastruktur im Hintergrund abgedeckt wird, können Betreiber ihre Ressourcen dort einsetzen, wo der Wettbewerb tatsächlich entschieden wird: an der Oberfläche.
„An der Oberfläche gewinnt der Betreiber“, erklärte Rasmussen. „Dort entsteht die Differenzierung – in der Benutzeroberfläche, den APIs, Abo-Modellen, Treueprogrammen und der gesamten Customer Journey.“
Rasmussen hob fünf konkrete kommerzielle Hebel hervor, an denen sich die Marge eines Betreibers entscheidet und echte Differenzierung stattfindet: eine Preisgestaltung, die Nebenzeiten auslastet, anstatt Spitzenzeiten zu rabattieren; Kundenbindung, die Einmal-Lader zu Stammkunden macht; Auffindbarkeit, die ein Netzwerk für Millionen von Fahrern sichtbar macht; Energiekosten, bei denen Betreiber über den Ein- und Verkauf konkurrieren; sowie ein Flotten- und Fahrer-Erlebnis, das Kunden dauerhaft bindet.
Rasmussen schloss seine Keynote mit einer klaren Aufteilung der Investitionen für die Branche: Betreiber sollten dort investieren, wo sie tatsächlich im Wettbewerb stehen – an der Oberfläche – und die Komplexität des Infrastrukturbetriebs im Hintergrund Monta überlassen.
Über Monta
Monta ist die Infrastruktur für das Laden von Elektrofahrzeugen. Das 2020 in Dänemark gegründete Unternehmen bietet eine integrierte Softwarelösung für das gesamte Lade-Ökosystem – darunter Ladepunktbetreiber, Fuhrparks, Arbeitsplätze, Wohngebäude, Installateure, Hardwarehersteller und das Stromnetz.
Monta verwaltet derzeit mehr als 330.000 Ladepunkte und ist in 12 europäischen Märkten direkt vertreten – Dänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, Großbritannien, Irland, Österreich, den Niederlanden, Spanien, Belgien und Italien – sowie in den USA und Kanada. Das Netzwerk ist mit über 900 Ladesäulenmodellen von 274 Hardware-Marken und 94 Fahrzeugmarken kompatibel. Die Plattform hält eine Verfügbarkeit (Uptime) von 99,9 %.
Seit dem Start hat Monta mehr als 85 Millionen Ladevorgänge abgewickelt und dabei 1,78 TWh Energie bereitgestellt.
Monta hat 130 Millionen Euro von Investoren wie Energize Capital, GreenPoint, Headline, byFounders, AENU, Creandum, Quantum Light und dem dänischen Export- und Investitionsfonds eingeworben.