Warum dezentrale Schwarmspeicher im Verteilnetz systemisch überlegen sein können

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Die Energiewende stellt das Stromsystem nicht nur vor eine Erzeugungsfrage, sondern vor eine Netzfrage. Mit wachsender Photovoltaik-Durchdringung verschieben sich Belastungen zunehmend in die Mittel- und Niederspannungsebene – also dorthin, wo Strom tatsächlich eingespeist und verbraucht wird.

Mehrere Studien kommen übereinstimmend zu einem zentralen Punkt:
Flexibilität wirkt dort am stärksten, wo Engpässe entstehen.

Netzprobleme sind ortsspezifisch – also müssen Lösungen es auch sein

Die Studie „Stromspeicher in der Energiewende“ von Agora Energiewende zeigt klar:

In speziellen Fällen können netzdienlich eingesetzte Speicher den Netzausbau in der Niederspannungsebene kosteneffizient vermeiden oder verzögern.

Das ist eine entscheidende Aussage.

Sie bedeutet: Speicher können nicht irgendwo, sondern am richtigen Ort Netzinfrastruktur ersetzen.

Ein zentraler Großspeicher am Übertragungsnetz kann Frequenz stabilisieren –
aber er kann keine lokale Trafoüberlastung im Ortsnetz verhindern.

Das ist keine ideologische Position, sondern eine netzphysikalische Tatsache.

Verteilte Speicher reduzieren messbar lokale Überlastungen

Ein Projekt der Berner Fachhochschule zeigt:

  • Reduktion von Leitungsüberlastungen

  • Reduktion von Transformatorüberlastungen

  • in Szenarien sogar vollständige Vermeidung einzelner Engpässe

Entscheidend ist die netzdienliche Steuerung.

Je inhomogener ein Netz, desto relevanter werden strategisch platzierte Speicher.

Genau hier liegt der strukturelle Vorteil eines Schwarms: Er verteilt Flexibilität granular über viele Netzknoten.

Flexibilität entfaltet Wert am Engpass – nicht in der Ferne

Auch die Netzflexstudie der Deutsche Energie-Agentur macht deutlich:

Flexibilitätsoptionen sind kontextabhängig zu bewerten.
Speicher entfalten besonders dann wirtschaftlichen Nutzen, wenn sie Mehrfachnutzen erbringen – etwa Markt- und Netzdienstleistungen kombinieren.

Ein Stand-Alone-Schwarmspeicher kann genau das:

  • lokale Netzstützung

  • überregionale Regelleistung (via Aggregation)

  • Arbitrage und Marktintegration

Die technische Machbarkeit dieser Aggregation wurde bereits 2015 im SWARM-Projekt der N-ERGIE demonstriert, wissenschaftlich begleitet von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
65 vernetzte Speicher wurden erfolgreich als virtueller Großspeicher präqualifiziert.

Das zeigt:
Dezentralität schließt Systemdienlichkeit nicht aus – sie ermöglicht sie.

Der strukturelle Vorteil von Schwarmspeichern

Die Fokusstudie der AEE Suisse unterscheidet klar zwischen lokalen, quartären und regionalen Speicherwirkungen.

Daraus ergibt sich eine einfache Systemlogik:

  • Lokale Engpässe erfordern lokale Eingriffe.

  • Je näher ein Speicher am Engpass wirkt, desto direkter ist seine Wirkung.

Ein Schwarmspeicher verteilt Kapazität über viele Standorte.
Er adressiert damit potenziell viele Engpasspunkte gleichzeitig.

Das ist kein pauschaler Ersatz für Netzausbau –
aber es ist ein Instrument, das klassische Netzinfrastruktur ergänzt und in bestimmten Situationen effizienter sein kann.

Warum Stand-Alone-Schwarmspeicher besonders geeignet sind

Im Unterschied zu Heimspeichern, die primär Eigenverbrauch optimieren, steht bei Stand-Alone-Speichern die gesamte Kapazität für Systemaufgaben zur Verfügung.

Das bedeutet:

  • Keine Konkurrenz zwischen Eigenverbrauch und Netzstabilisierung

  • Planbare netzdienliche Betriebsführung

  • Skalierbarkeit nach Netzbedarf

Die Studienlage zeigt klar:
Netzdienliche Wirkung hängt von Platzierung und Steuerung ab.

Ein orchestrierter Schwarm kombiniert beides.

Fazit: Kein Entweder-oder – aber ein klarer Vorteil im Verteilnetz

Großspeicher sind essenziell für:

  • Übertragungsnetzstabilität

  • Frequenzhaltung

  • Integration großer Erzeugungscluster

Doch wenn es um lokale Engpässe in Verteilnetzen geht, zeigen mehrere Studien übereinstimmend: Netzdienlich betriebene, strategisch platzierte Speicher können Netzausbau verzögern oder vermeiden.

Ein Schwarmspeicher ist genau auf dieses Prinzip ausgelegt. Er verteilt Flexibilität dorthin, wo sie gebraucht wird – und kann gleichzeitig über Aggregation systemweite Leistungen erbringen.

Nicht weil Dezentralität ideologisch überlegen wäre, sondern weil Netzprobleme physikalisch ortsgebunden sind.

Über den Autor
Markus Baumann ist CEO und Gründer der aurivolt GmbH, einem Spezialisten für dezentrale Schwarmspeicherlösungen. Mit über 30 Jahren unternehmerischer Erfahrung in erneuerbarer Energie- und Umwelttechnik treibt er die Vision voran, ein deutschlandweites Netzwerk modular vernetzter Batteriespeicher aufzubauen, das sowohl zur Netzstabilität beiträgt als auch attraktive Investitionschancen eröffnet. aurivolt verknüpft physische Energiespeicher mit intelligentem Marktzugang und wirtschaftlichen Steuerungsmodellen und positioniert Schwarmspeicher als Schlüsseltechnologie für die Energiewende.

Quellen
Agora Energiewende (2014): Stromspeicher in der Energiewende
Deutsche Energie-Agentur (2017): Netzflexstudie – Flexibilitätsoptionen im Stromsystem
Berner Fachhochschule (2020): Netzdienlicher Betrieb von Batteriespeichern (Bat4SG-Projekt) AEE Suisse (2021): Fokusstudie Batteriespeicher
N-ERGIE / Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2014–2015): SWARM – Virtueller Großspeicher