Berlin/ London, 02. Dezember 2021 – Rechenzentren in Großbritannien, Deutschland, Irland, Norwegen und den Niederlanden werden im Jahr 2030 voraussichtlich 5,4 GW (Gigawatt) Strom verbrauchen, gegenüber 3 GW Ende 2021. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die das Forschungsunternehmen BloombergNEF (BNEF) in Zusammenarbeit mit Eaton und Statkraft durchgeführt hat. Diese Zahl basiert auf einem gemäßigten Szenario; der Bericht skizziert auch ein aggressiveres Wachstumsszenario, bei dem die IT-Leistung bis 2030 auf über 7 GW ansteigen könnte. Obwohl sie im Allgemeinen nur als Verbraucher von Energie angesehen werden, zeigt der Bericht, dass Rechenzentren auch eine weitgehend ungenutzte Ressource zur Unterstützung der Netzstabilität und der Integration erneuerbarer Energien bieten.
Die Studie Data Centers and Decarbonization: Unlocking Flexibility in Europe's Data Centers beleuchtet das Wachstum der Rechenzentrumsbranche in fünf europäischen Märkten und zeigt auf, wie Betreiber Flexibilitätsressourcen für das Netz bereitstellen können. In Europa wird der Anteil der Wind- und Solarenergie an der gesamten Stromerzeugung bis 2030 voraussichtlich auf 60 Prozent ansteigen. Mit dieser steigenden Marktdurchdringung wird auch ein größerer Bedarf an Flexibilität im Netz entstehen. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit eines stärkeren Bewusstseins für die Flexibilität von Rechenzentren – nicht nur bei Betreibern und Nutzern von Rechenzentren, sondern auch bei Energieversorgern und Behörden.
Rechenzentren könnten in den fünf untersuchten Märkten dem Netz insgesamt 16,9 GW Flexibilitätsreserve durch ihre unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), Back-up-Erzeugung und Lastverschiebung zur Verfügung stellen. Dies ist mehr als die aus diesem Sektor selbst erwartete Stromnachfrage, da die Ressourcen im Prinzip unabhängig voneinander Flexibilität für das Netz bereitstellen können, indem sie entweder den Stromverbrauch reduzieren oder Strom zurückspeisen. Von den untersuchten Ressourcen scheinen USV-Anlagen die vielversprechendste für Flexibilität zu sein. Sie gehören in Rechenzentren zur Standardausstattung, basieren auf Batterien und eignen sich daher besonders gut für die kurzfristige Frequenzregelung (Fast Frequency Response, FFR).
Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Betreiber von Rechenzentren noch zögern, die erwähnten Ressourcen zur Unterstützung des Stromnetzes bereitzustellen. Als Gründe werden Service Level Agreements mit Kunden, mangelnde Sichtbarkeit und Transparenz in Bezug auf die Vorteile der Bereitstellung von Flexibilität sowie fehlendes Know-how genannt. Aus diesem Grund schätzt BNEF, dass bis 2030 in den untersuchten Märkten nur 3,8 GW Flexibilitätsreserve in Rechenzentren zur Verfügung stehen werden. Das ist weniger als ein Viertel der potenziellen Kapazität von 16,9 GW und entspricht 1,7 Prozent der erwarteten Spitzenlast in den fünf Märkten im Jahr 2030.
Zitate zur freien Verwendung
Michael Kenefick, Hauptautor des Reports und Decentralized Energy Analyst bei BNEF: „Rechenzentren können ein Teil der Lösung sein, um einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien in Europa zu erreichen. Ihre eigenen Energieressourcen, wie unterbrechungsfreie Stromversorgung und Notstromgeneratoren, könnten in Zukunft zur Unterstützung des Netzes eingesetzt werden. Zudem könnte Rechenleistung zukünftig auch in Zeiten oder an Orte mit hoher Wind- und Solarenergieerzeugung verlagert werden.“
Astrid Hennevogl–Kaulhausen, Head of Sales Germany UPS Systems & Datacenter bei Eaton:
„Rechenzentren stellen einzigartige Ökosysteme dar: Mit ihren großen Kapazitäten an Batteriespeichern sind sie vergleichbar mit sogenannten Microgrids. Die vorliegende Studie unterstreicht das enorme ungenutzte Potenzial dieser Ressourcen, um wirtschaftliche und regulatorische Vorteile für die Umwelt zu erzielen. Wir rufen Netzbetreiber, Regulierungsbehörden, Betreiber von Rechenzentren und Nutzer auf, zusammenzuarbeiten, um die Flexibilitätsressourcen von Rechenzentren auszuschöpfen.“
Albert Cheung, Head of Analysis bei BNEF:
„Die Betreiber von Rechenzentren haben bereits eine Vorreiterrolle beim Abschluss von Verträgen über den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien eingenommen, um ihren Betrieb umweltfreundlicher zu gestalten. Daneben suchen sie nach weiteren Möglichkeiten, ihr Engagement für die Klimaziele zu demonstrieren. In dem Maße, in dem die Netze allgemein mehr auf erneuerbare Energien setzen, werden sie noch mehr Möglichkeiten haben, nicht nur Strom aus erneuerbaren Energien zu kaufen, sondern auch Teil der Lösung zu werden, um diese in das Netz zu integrieren.“
Der vollständige Bericht steht hier zum Download bereit.





Mit dem Absenden dieses Formulars stimmen Sie zu, dass das pv magazine Ihre Daten für die Veröffentlichung Ihres Kommentars verwendet.
Ihre persönlichen Daten werden nur zum Zwecke der Spam-Filterung an Dritte weitergegeben oder wenn dies für die technische Wartung der Website notwendig ist. Eine darüber hinausgehende Weitergabe an Dritte findet nicht statt, es sei denn, dies ist aufgrund anwendbarer Datenschutzbestimmungen gerechtfertigt oder ist die pv magazine gesetzlich dazu verpflichtet.
Sie können diese Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. In diesem Fall werden Ihre personenbezogenen Daten unverzüglich gelöscht. Andernfalls werden Ihre Daten gelöscht, wenn das pv magazine Ihre Anfrage bearbeitet oder der Zweck der Datenspeicherung erfüllt ist.
Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.