Stuttgarter Start-up löst ein Problem, das Industriekonzerne seit Jahren verdrängen

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Energieinvestitionen in Millionenhöhe werden in deutschen Unternehmen noch immer mit Bauchgefühl und veralteten Gutachten entschieden. BMAI aus Stuttgart hat eine Alternative gebaut — und findet dafür bereits Abnehmer.

Stuttgart, 17. März 2026 — Wenn ein mittelständisches Industrieunternehmen entscheidet, ob es 2 Millionen Euro in Photovoltaik und Batteriespeicher investiert, landet ein Ingenieurbüro nach drei Monaten mit drei Szenarien auf dem Tisch des CFOs. Szenario A, B, C. Konservativ, moderat, ambitioniert. Die Entscheidung fällt unter Unsicherheit — und lässt sich drei Jahre später kaum noch verteidigen.

Das Stuttgarter Unternehmen BMAI hat ein System gebaut, das diesen Prozess grundlegend verändert. EXAIOS heißt die Plattform, und ihr Ansatz ist ungewöhnlich: Statt drei Szenarien berechnet sie den vollständigen Lösungsraum — für einen konkreten Standort, mit realen Lastprofilen, realen Energiepreisen und einer statistischen Simulation über zwanzig Jahre. Das Ergebnis ist kein Gutachten, sondern eine reproduzierbare, versionierte Entscheidungsgrundlage, die auch vor Aufsichtsrat und Bank bestehen kann.

Zehn Industriekunden haben EXAIOS bereits genutzt, um 23 Standorte zu analysieren. Das System hat dabei mehr als 35.000 Konfigurationsvarianten durchgerechnet und kommt auf einen adressierten Investitionsrahmen von rund 44,5 Millionen Euro — mit erwarteten jährlichen Nettoeinsparungen von etwa 6,9 Millionen Euro, 5.692 Tonnen CO₂-Einsparung pro Jahr und 13 MWh identifizierter Flexibilität. Alle Werte basieren auf den tatsächlichen Daten der jeweiligen Standorte.

Aber die Investitionsentscheidung ist erst der Anfang. Die eigentliche Herausforderung beginnt danach: Eine gebaute Anlage besteht aus Wechselrichtern eines Herstellers, einem Energiemanagementsystem eines anderen, Speichern eines dritten. Diese Systeme sprechen selten miteinander — und keines von ihnen prüft, ob die Anlage als Ganzes noch das leistet, was die ursprüngliche Investitionsrechnung versprochen hat. EXAIOS schließt genau diese Lücke: Ein permanenter Intelligenzagent überwacht die laufende Infrastruktur über alle Systemgrenzen hinweg, erkennt Abweichungen vom Plan und meldet, wenn Realität und Kalkulation auseinanderdriften.

Darüber hinaus eröffnet EXAIOS einen Weg in die Flexibilitätsmärkte, die durch die Energiewende entstehen. Industrieanlagen mit Batteriespeicher oder steuerbaren Lasten besitzen Kapazitäten, die sie dem Netz zur Verfügung stellen können — für Regelenergie, Lastmanagement, Netzstabilisierung. Bisher können die wenigsten Industrieunternehmen diese Potenziale überhaupt quantifizieren, geschweige denn vermarkten. EXAIOS berechnet die verfügbare Flexibilität standortgenau und öffnet damit den Weg in Märkte, die heute noch den meisten Unternehmen verschlossen bleiben.

„Die Energiewende scheitert nicht an fehlendem Willen und auch nicht an fehlender Technologie“, sagt Gründer Benjamin Mangold. „Sie scheitert an Fragmentierung. Jeder Baustein existiert — aber niemand verbindet Investitionsentscheidung, laufenden Betrieb und Marktanbindung auf einer Plattform. Genau das ist EXAIOS.“

Entwickelt hat das alles ein einziger Gründer. Mangold, der BMAI 2025 in Stuttgart gegründet hat, sieht EXAIOS nicht als weiteres Softwaretool, sondern als Infrastruktur für eine Energiewende, die ohne intelligente Verbindung ihrer Einzelteile nicht gelingen kann. Der Early Access startet 2026 über exaios.com.

Über BMAI GmbH Die BMAI GmbH wurde 2025 in Stuttgart gegründet und entwickelt EXAIOS — eine Plattform für Entscheidungsintelligenz im industriellen Energiebereich. Das Unternehmen richtet sich an Industrieunternehmen, EPCs und Stadtwerke im DACH-Raum, die Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiebeschaffung fundierter planen, im Betrieb überwachen und in Flexibilitätsmärkte einbinden wollen.