Perspektiven schaffen für bayerische PV-Anlagen

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Zum Jahreswechsel endet für die ersten Einspeiseanlagen in den Netzgebieten der LEW Verteilnetz GmbH (LVN) und des Bayernwerks die auf 20 Jahre befristete Förderung des in die Stromnetze eingespeisten Stroms. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten die Betreiber bisher für jede eingespeiste Kilowattstunde eine feste Vergütung. Im LVN-Netzgebiet läuft diese Förderung in den kommenden drei Jahren bei rund 2.560 Anlagen aus, bayernweit sind es mehr als 10.000 Anlagen. Mit dem Ende der EEG-Förderung gibt es für die Betreiber nicht nur keine feste Vergütung mehr. Nach derzeitiger Rechtslage dürfen sie erzeugten Strom dann auch nicht mehr ins öffentliche Netz einspeisen – außer sie schließen einen Vertrag mit einem so genannten Direktvermarkter, der den durch die Anlage erzeugten Strom vermarktet.

Für viele kleinere Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von unter sieben Kilowatt könnte hier eine wirtschaftlich tragfähige Lösung schwierig werden, da für eine Direktvermarktung in der Regel technische Nachrüstungen nötig sind, die den Ertrag übersteigen. Diese Anlagen stünden damit gegenwärtig vor dem wirtschaftlichen Aus oder sie müssten die Leistung ihrer Anlagen so drosseln, dass kein Strom mehr ins öffentliche Netz eingespeist wird – die so genannte Nulleinspeisung. Die Erzeugungskapazität der Anlagen würde damit nicht mehr voll genutzt. Sollte sich die Umrüstung auf Eigenverbrauch nicht lohnen, stünde am Ende sogar die Stilllegung der Anlage.

LVN und Bayernwerk fordern unkomplizierte Einspeisung

Bayernwerk und LEW-Verteilnetz GmbH (LVN) fordern deshalb in einer gemeinsamen Erklärung eine schnelle politische Lösung, um den Weiterbetrieb dieser kleineren Anlagen zu sichern – ergänzend zur Option der Direktvermarktung. Zentraler Punkt: eine unkomplizierte Regelung für kleinere PV-Anlagen, durch den der jeweilige Verteilnetzbetreiber direkt den Strom vom Anlagenbetreiber in das Netz aufnehmen kann. Der eingespeiste Strom könnte nach dem Marktwert vergütet werden. Ein Anreiz, möglichst viel selbst erzeugten Strom selbst zu verbrauchen, bleibt damit für die Betreiber bestehen. Lösungen wie Batteriespeicher können dazu beitragen, diesen Anteil des selbst erzeugten Stroms weiter zu erhöhen.

„Die Bundespolitik ist gefragt“

„Die Anlagenbetreiber der ersten Stunde waren echte Energiepioniere“, sagt LVN-Geschäftsführer Manfred Lux. „Sie haben dazu beigetragen, dass Stromerzeugung aus Photovoltaik in Bayern eine Erfolgsgeschichte geworden ist. Jetzt müssen wir für ihre Anlagen eine praktikable Lösung finden, damit ein wirtschaftlicher Betrieb weiterhin für alle möglich ist. Wir müssen den Umbau des Energiesystems weiter voranbringen – da kann es nicht sein, dass tausende PV-Anlagen in den kommenden Jahren stillgelegt werden, weil sich der Weiterbetrieb wirtschaftlich nicht lohnt. Die Bundespolitik ist gefragt, zügig eine konstruktive Lösung zu schaffen.“

Vereinfachung auch für Direktvermarktung

Auch im Bereich der Direktvermarktung plädieren die Netzbetreiber für möglichst unkomplizierte Lösungen, etwa im Hinblick auf die Messkonzepte bei kleineren Anlagen. Nach derzeitiger Gesetzeslage sind auch hier spezielle Zähler notwendig, die kontinuierlich die Stromerzeugung messen. Hier könnten übergangsweise auch pauschale Ansätze, so genannte Lastprofile, zum Einsatz kommen und sicherstellen, dass auch Anlagen dieser Größenordnung weiterhin am Netz bleiben und Energie einspeisen.

Erneuerbare decken Stromverbrauch bei LVN zu 70 Prozent

Insgesamt speisen mehr als 78.000 dezentrale Anlagen Strom in das LVN-Netz ein. Neben PV-Anlagen sind Wasserkraft und Biomasse die wichtigsten Erzeugungsarten im LVN-Netz. Insgesamt deckt die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen rechnerisch zu rund 70 Prozent den Verbrauch aller direkt ans LVN-Netz angeschlossenen Verbraucher ab – inklusive großer Betriebe mit hohem Stromverbrauch. Ein Wert, der deutlich über dem bundesweiten Schnitt von rund 43 Prozent liegt.

Im ersten Halbjahr 2020 hat die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im LVN-Netz einen neuen Rekordwert erreicht: Insgesamt erzeugten die Anlagen bis Ende Juni 2020 rund 2,9 Milliarden Kilowattstunden. Rein rechnerisch deckt das den Verbrauch von rund 1,1 Millionen Privathaushalten. In den kommenden fünf Jahren läuft im LVN-Gebiet die EEG-Vergütung für rund 6.900 Anlagen aus. Allein diese Anlagen speisen bisher jährlich rund 236 Millionen kWh in das öffentliche Stromnetz ein. Rein rechnerisch deckt das den jährlichen Strombedarf von rund 94.000 Haushalten.

„Wir brauchen einen zügigen Ausbau der Erneuerbaren“

„Wir haben in unserer Region beim Ausbau der Erneuerbaren Energien schon viel erreicht. Um den Umbau des Energiesystem zu stemmen, brauchen wir einen zügigen weiteren Ausbau der Erneuerbaren, keine Schritte rückwärts“, sagt Manfred Lux. „Deshalb setzen wir uns für die Betreiber der Anlagen ein: Ihre Kleinanlagen müssen weiter möglichst unkompliziert ins Stromnetz einspeisen können. Es wäre energiewirtschaftlich und energiepolitisch der falsche Weg, vorhandenen und funktionierenden regenerativen Energiequellen den Weg ins Stromnetz zu versperren“, fordert Manfred Lux.

Die LEW Verteilnetz GmbH sorgt als regionaler Verteilnetzbetreiber für einen zuverlässigen und sicheren Betrieb des Stromnetzes und gewährleistet einen diskriminierungsfreien Netzzugang. Das Netzgebiet der LEW Verteilnetz GmbH umfasst Bayerisch-Schwaben sowie Teile Oberbayerns. Die LEW Verteilnetz GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Lechwerke AG (LEW).

Weitere Informationen unter www.lew-verteilnetz.de.