Klimaneutrale Industrie – Energieforschungsprojekte ZO.RRO II zeigen Tools und Ansätze

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Zero Carbon Cross Energy System – die ZO.RRO Verbundprojekte arbeiten indes in der zweiten Phase an innovativen Lösungen der angewandten Energieforschung für die klimaneutrale Industrie. Neben dem Landesprojekt ZO.RRO II KMU startete im August 2023 das vom Bund geförderte Projekt ZO.RRO 2 mit Schwerpunkt auf der Glasindustrie.

Zur ZO.RRO II Konferenz am 26. Oktober 2023 sind Wirtschaft, Wissenschaft, Politik sowie Vertreter:innen der Landes- und Bundesministerien zusammengekommen. Vor über 100 Teilnehmenden fand das Kick-Off des Projektteils mit Bundesförderung und Fokus Glasindustrie statt. Zudem präsentierte das Vorhaben ZO.RRO II KMU mit Förderung vom Freistaat Simulationen Thüringer Industriebetriebe, die den Weg zur Dekarbonisierung digital aufzeigen, um Investitionsentscheidungen unter dynamischen Rahmenbedingungen zu treffen.

„Erneuerbare Energien sind ein enorm wichtiger Standortfaktor. Sie machen Thüringens Wirtschaft unabhängig, sorgen für planbare Energiekosten und schaffen Wertschöpfung hier im Land. Mit ZO.RRO bringen wir Erneuerbare Energien und energieintensive Prozesse für die Wirtschaft zusammen. Ein wichtiger Baustein ist dabei auch der Ausbau der Energie-Netze. Unser kürzlich gestarteter Austausch mit den dafür wichtigen Akteuren ist eine weitere Grundlage für die erfolgreiche klimafreundliche Wirtschaft in Thüringen.“ so der Thüringer Energieminister Bernhard Stengele.

Die Simulationen erfolgen mittels Energiesystemmodellierung, ein Open Source Tool der Hochschule Nordhausen, mit dem auch die Studie „So geht’s“ (2021) Wege zur Klimaneutralität für ganz Thüringen aufzeigt. Die Berechnungen auf Landesebene wurden ebenfalls aktualisiert und das Tool stetig weiterentwickelt.

Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak von der Hochschule Nordhausen, Leiter des ZO.RRO II KMU  Projektes, betont den Bedarf an konkreten Schritten für die kommenden Jahre: „Die Berechnungen zeigen, dass insbesondere Windenergie und Photovoltaik für die Transformation des Energiesystems in Thüringen wichtig sind. Interessant ist auch die Erkenntnis, dass Biogas künftig zu wertvoll für die Verstromung ist, da es als grünes Brenngas für die Industrie benötigt wird.“

ThEEN wendet die Energiesystemmodellierung für die Demonstrator-Unternehmen an und berechnet in ganzheitlichen Transformationskonzepten die optimale Energieversorgung für Thüringer Industriebetriebe. Auch im Gespräch mit Unternehmen wird deutlich, dass eine lokale Versorgung mit Erneuerbaren Energien wichtiger Standortvorteil und Wirtschaftsfaktor ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhalten.

ThEEN-Geschäftsführerin Jana Liebe ist positiv gestimmt: „Durch die Tools, die wir in ZO.RRO II entwickeln, schaffen wir die Werkzeuge hin zu einer klimaneutralen Produktion. Die Unternehmen können so ihre Transformationspfade mit verschiedenen Szenarien berechnen. Dies unterstützt die Firmen auch bei Investitionsentscheidungen. Besonders für Thüringens Wirtschaft ist die Dekarbonisierung eine Chance für mehr Wertschöpfung in der Region und wichtig für die Standort- und Arbeitsplatzsicherung in der Industrie.“

Nach der Zusammenarbeit im Verbundprojekt ZO.RRO I (2019-2022) gab es ein Wiedersehen mit Forschenden der Technischen Universität Ilmenau und weiteren Partnern aus Forschung und Industrie. Das Vorhaben ZO.RRO 2 – Zero Carbon Cross Energy System for Glass Industry nahm nach Bewilligung zum 01. August 2023 die Projektarbeit auf mit dem Ziel am Beispiel der Thüringer Glasindustrie und der metallverarbeitenden Industrie zu zeigen, wie eine hochverfügbare, nachhaltige und wirtschaftliche Elektroenergieversorgung umgesetzt werden kann.

Projektleiter Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dirk Westermann der Technischen Universität Ilmenau ist stolz auf die erfolgreiche Weiterführung des Projektes in der zweiten Phase: „Herausragend in ZORRO 2 ist, dass wir für die Dekarbonisierung der Industrie alle relevanten Handlungsfelder betrachten. Dazu gehören die Anpassung der öffentlichen Versorgungsinfrastruktur und die Transformation der Kernprozesse sowie sektorkoppelnder Nebenprozesse wie Raumwärmebereitstellung oder Logistik. Weiterhin werden die optimierte Energiebereitstellung und damit verbundene Energiedienstleistung betrachtet. Die daraus entstehenden Werkzeuge reduzieren die Komplexität des Themenumfelds, womit die Umsetzung für die Industrie handhabbarer wird.“

Gefördert wird das Vorhaben mit 2,9 Mio Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms. Unter der Förderung vom Bund sind insgesamt im Forschungsprojekt beteiligt: Fraunhofer IOSB-AST – Institutsteil Angewandte Systemtechnik, IfE GmbH – Ingenieurbüro für Energiewirtschaft, KoCoS Messtechnik AG, Wiegand-Glashüttenwerke GmbH, TEAG Thüringer Energie AG, TEN Thüringer Energienetze GmbH und Co KG, TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen Service GmbH, HEINZ-GLAS GmbH & Co. KGaA, 50Hertz Transmission GmbH, HM Heizkörper GmbH Heating Technology.

Weitere Informationen zu den ZO.RRO Projekten unter www.zorro.energy

Verweise:

Studie: Prof. Dr. Viktor Wesselak/ M. Eng. Amelie Oberdorfer (2022) : Fortschreibung des Thüringer Klimagesetzes – Ergebnisse der Energiesystemmodellierung, Hochschule Nordhausen, Institut für Regenerative Energietechnik, Link: https://www.hs-nordhausen.de/fileadmin/Dateien/Forschung/ESY_Klimagesetz.pdf

Kurzvideo:  ZO.RRO II im Interview: Klimaneutralität bis 2035 mit Prof. Dr. Viktor Wesselak Link: https://www.youtube.com/watch?v=2oldxxAqeRA&t=1s