Bonn/Berlin: Der heute von Friends of the Earth Europe veröffentlichte Bericht „Can the Climate Afford Europe’s Gas Addition?“ sieht nur eine sehr begrenzte Rolle für die Nutzung von Erdgas in einem klimafreundlichen Energiemix in Europa. Bei gleichbleibend hohen Emissionen habe die EU ihr unter Klimaschutzaspekten noch zur Verfügung stehendes Kohlenstoffbudget in weniger als zehn Jahren aufgebraucht. Eine verstärkte Nutzung von Gas sei deshalb keine Lösung zur Abkehr von den umweltschädlichen Energiequellen Atom, Kohle, Öl. Stattdessen müsse Europa schon vor 2040 aus der Nutzung sämtlicher fossiler Energieträger aussteigen.
„Es macht keinen Sinn, in neue Gasinfrastrukturprojekte zu investieren, die noch mehr als ein halbes Jahrhundert in Betrieb sein sollen“, sagte Ann-Kathrin Schneider, Klimaexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Öffentliche und private Gelder sollten in die Infrastruktur einer modernen, dezentralen, sauberen und bürgernahen Energieversorgung gesteckt werden. Alternativen zu Kohle und Atom sind Energiesparen, Wind- und Sonnenenergie, mit deren schnellem Ausbau Europas Emissionen signifikant reduziert werden können. Bei der Klimakonferenz in Bonn betonen die Regierungen der europäischen Länder ihre Unterstützung für die Umsetzung des Pariser Abkommens, doch zugleich bereitet sich die EU auf eine gasbasierte und somit nicht CO2-freie Zukunft vor“, so die BUND-Klimaexpertin.
In mehreren richtungsweisenden Beschlüssen zur künftigen Energieversorgung in Europa wie der Energieunion, der EU-Regulierung zur Sicherung des Energieangebots und der Strategie für Flüssigerdgas (LNG) werde vorrangig auf Gas gesetzt, zudem werde der Bau von Häfen und Pipelines für dessen Import geplant. Auch in Handelsabkommen, unter anderem dem momentan auf Eis liegenden TTIP-Abkommen zwischen der USA und Europa und bei Verhandlungen zwischen Japan und der EU, spielen Handelserleichterungen für den Gasimport eine entscheidende Rolle.
„Die EU hat die politischen Rahmenbedingungen für den Bau zusätzlicher Gasinfrastruktur in Europa geschaffen und diese auch finanziert. Bereits in den letzten Jahren wurden über europäische Banken wie die Europäische Investitionsbank EIB und über Fonds mehrere Milliarden Euro für den Bau von Häfen und Pipelines bereitgestellt. Dieses Geld hätte die EU besser in klimafreundliche erneuerbare Energien investiert. Europas Interesse an einer Sicherung des Gaszugangs konterkariert den Klimaschutz“, kritisierte Schneider.
Neuere empirische Studien über die Methanemissionen bei Gasproduktionsstätten zeigten, dass der tatsächliche Ausstoß an Klimagasen oft um ein Vielfaches höher liege als es die von den Regierungen veröffentlichten Werte nahelegten. Da Methan zwar kurzlebig, aber um mehr als dreißig Mal klimaschädlicher ist als CO2, sei die Diskrepanz zwischen den gemessenen und den behaupteten Werten sehr groß, sagte die BUND-Klimaexpertin.
„Sowohl die USA als auch Europa setzen auf Gas als Alternative zu Kohle und Öl. Während in den USA gefrackt wird, bereitet Europa den Import von immer mehr Gas vor. Gas ist aber keine Lösung für die Klimakrise. Anstatt von der Nutzung eines umweltschädlichen Energieträgers auf einen anderen umzuschwenken muss Europa seine Abhängigkeit von Atom, Kohle, Öl und Gas beenden, den Stromverbrauch reduzieren, in Energieeffizienz investieren und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen fördern“, forderte Schneider.
Link zum Bericht „Can the Climate Afford Europe’s Gas Addition?“ (PDF):
Pressekontakt: Ann-Kathrin Schneider, BUND-Klimaexpertin, Mobil: 0151-24087297 bzw. Annika Natus, BUND-Pressesprecherin, Tel. 030-27586-464, presse@bund.net
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