Agri-PV: Mehr Solarstrom vom Acker ist das Gebot der Stunde

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Die Doppelnutzung von Flächen für die Landwirtschaft und für die Erneuerbaren Energien, so die beiden Verbände, sei das Gebot der Stunde: „Wir brauchen wirklich jede Fläche für den weiteren Solarausbau, ansonsten sind die angestrebten Ziele beim Solarausbau überhaupt nicht zu schaffen.“

In der im vergangenen Dezember veröffentlichten Energieversorgungsstrategie 2.0 hatte die Landesregierung eine Vervierfachung der Solarstromleistung auf 24.000 MW bis zum Jahr 2030 angekündigt. „Dafür ist nicht nur jedes private und gewerbliche Dach notwendig, sondern auch möglichst viele Agri- und Floating-PV-Projekte sowie noch mehr Freiflächenanlagen“, betonten LEE NRW und DGS NRW beim Besuch von Nordrhein-Westfalen bislang einziger größerer Agri-PV-Anlage mit einer Leistung von 740 Kilowatt im ostwestfälischen Büren (Kreis Paderborn).

Die dortigen beiden Landwirte Fabian Karthaus und Josef Kneer hatten im Frühjahr 2021 ihr riesiges innovatives Gewächshaus in Betrieb genommen, das mit rund 2.700 lichtdurchlässigen Solarmodulen bestückt ist. Unter dem Solardach wachsen seitdem Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren und (versuchsweise) sogar Apfelbäume und Tafeltrauben.

Nicht nur in Nordrhein-Westfalen steckt die Agri-PV noch in den Kinderschuhen. Nach einer Übersicht des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) mit Sitz in Freiburg gibt es bundesweit bislang lediglich 18 entsprechende Projekte mit einer Nennleistung von zusammen rund 22 Megawatt. Absehbar ist, dass diese Zahlen leicht steigen werden: Bei der jüngsten sogenannten Innovationsausschreibungen der Bundesnetzagentur haben zehn Agri-PV-Vorhaben mit zusammen 17 MW Nennlesitung einen Zuschlag erhalten. Diese Agrarsolarkraftwerke, die in der Regel mit einer Batteriespeichereinheit kombiniert werden, müssen innerhalb der kommenden beiden Jahre in Betrieb gehen.

LEE NRW und DGS NRW sehen darin aber nur einen Anfang. Peter Asmuth, Vorsitzender der DGS NRW, verweist auf eine Potenzialstudie des Fraunhofer ISE-Instituts: „Deren Experten haben ein technisches Potenzial von 1.700 Gigawatt errechnet. Selbst wenn davon nur zehn Prozent realisiert werden, wäre das das Dreifache der heutigen installierten Solarstromleistung in ganz Deutschland.“

Der Ausbau der Agri-PV hilft nicht nur der Energiewende, sondern auch der Landwirtschaft. „Der Klimawandel bringt auch immer häufiger Extremwetter-Ereignisse mit sich. Das wird zunehmend auch zur Gefahr für Ernten. Hier können Solarmodule vor Hagel, Starkregen, aber auch vor zu großer Hitze die landwirtschaftliche Produktion schützen“, sagt LEE NRW-Geschäftsführer Christian Mildenberger und verweist auf entsprechende Forschungsergebnisse.

Bei der anstehenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, über die der Bundestag Ende der ersten Juliwoche entscheiden soll, ist für LEE NRW und DGS NRW wichtig, dass die Weichen für den weiteren Agri-PV-Ausbau richtig gestellt werden: „Angesichts des großen technischen Potenzials brauchen wir für die Agri-PV bei den Ausschreibungen ein eigenes Segment und wesentlich mehr Auktionsrunden.“

In Büren arbeiten die beiden Agri-PV-Pioniere Fabian Karthaus und Josef Kneer bereits an Nachfolge-Projekten. So sind zwei weitere Agri-PV-Anlagen in Planung, die erste mit etwas mehr als einem Megawatt Nennleistung, die zweite sogar mit 7,5 MW Nennleistung. Beide Gewächshäuser sollen schwerpunktmäßig für den Anbau von Heidelbeeren genutzt werden: „Die hohen Erträge in unserem Pilotprojekt haben uns überzeugt.