Gutes Innovationsjahr

Teilen

Urteilt man entsprechend der diesjährigen Finalisten des Intersolar Awards, dann ist dieses Jahr ein innovatives. In der Kategorie Photovoltaik sieht es wieder sehr nach Hightech aus. Gleich drei Modulhersteller sind unter den ersten zehn Anwärtern, aus denen am ersten Messetag die drei Preisträger bestimmt werden.
Jinko Solar präsentiert auf der Ausstellung ein Modul, bei dem, die Bypassdiode durch einen Chips ersetzt ist. Diese übernehmen gleich noch das MPP-Tracking, ähnlich wie in Power Optimizern auf Modulebene. Jinko treibt diese Idee aber weiter und verlegt das MPP-Tracking auf die Ebene der Zellstrings. Damit sind auch die Module selbst unempfindlicher gegenüber einer Teilverschattung. Als Anwendung schlägt Jinko unter anderem vor, dass Modulreihen in Solarparks enger gesetzt werden können. Zu bestimmten Jahreszeiten verschatten dann die vorhergehenden Reihen die nachfolgenden. Macht aber nichts, denn dank der neuen Technologie könnten in einem Solarpark 20 Prozent mehr Module auf der gleichen Fläche untergebracht werden. Wie immer bei Konzepten, bei denen Elektronik dezentral verteilt wird, stellt sich die Frage nach der Haltbarkeit. Bypassdioden werden oft durch Überspannung zerstört. Es ist gut denkbar, dass die neue Elektronik dagegen resistent ist.
Auch REC wird ein neues Modul mit dem Namen Twin Peak präsentieren. Damit hat es das Unternehmen ebenfalls unter die Award-Finalisten geschafft. Die Zellen werden in der Produktion zerschnitten und dann als Halbzellen zu einem Modul verbaut. Die Technologie ist bekannt – auch Bosch Solar präsentierte schon einmal ein solches Modul. Doch jetzt kommt es in Serienfertigung. Der Effekt der Methode ist, dass der Strom durch die Zellen sinkt, was die elektrischen Verluste reduziert.
Die dritte Modul-Neuheit kommt von LG. Das koreanische Unternehmen stellt mit der Cello-Technologie auf Multibusbars um. Solche Technologien, bei denen nicht drei bis fünf breite Bändchen als Zellverbinder aufgelötet werden, sondern die Zelle mit mehr und dafür dünneren Drähte kontaktiert wird, sind auch schon länger bekannt. Sowohl Meyer Burger als auch Schmid bieten den Modulherstellern solche Technologien an. LG scheint jetzt einer der ersten Hersteller zu sein, der damit auf den Markt kommt. Ob das Unternehmen sie selbst entwickelt oder bei einem der Maschinenbauer zugegriffen hat, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall reduzieren die Drähte die Verschattung und sparen Silber ein, das je nach dem aktuellen Silberpreis ein mehr oder weniger großer Kostenfaktor in der Modulproduktion ist.
Allein, dass jetzt gleich drei Hersteller neue Technologien umsetzen, stimmt hofnnungsvoll für die Branche. Die hohe Innovationskraft zeigt sich auch bei den Speichersystemen. Beim ESS-Award ist etwa Solarwatt unter den Finalisten. Das neue Produkt kann mit Teslas laut angekündigter Batterie sehr gut mithalten (siehe Marktübersicht Seite 28). Die Deutsche Energieversorgung, auch Finalistin, macht seit einem knappen Jahr mit seinem Econamic Grid Wirbel, bei dem Kunden ihre Speicher für die Vermarktung von Regelenergie bereitstellen können. Das ist zwar noch nicht die große Lösung, bei der alles umgesetzt ist, was der BEE in seiner Studie zu systemdienlichen Speichern aufgezählt hat. Doch es ist definitiv eine beachtenswerte Innovation, wenn man die Herausforderungen und den Gegenwind betrachtet, den es gab. Einige andere Hersteller versuchen übrigens ähnliches, einige wollen abwarten, bis das Problem mit dem EEG gelöst ist. Es verbietet nämlich, positive Regelleistung anzubieten und erlaubt nur negative.
Es gilt übrigens für viele der ausgewählten Innovationen, dass andere Hersteller ähnliches machen oder machen werden. Das tut dem Innovationscharakter aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Das zeigt, dass die Finalisten auf dem richtigen Weg sind.
Der Award wird am Mittwoch, 10. Juni, auf der Neuheitenbörse (B3.450) vergeben. Am Vortag, Dienstag 9. Juni, präsentieren sich ab 14:00 innovative Unternehmen in einer von pv magazine moderierten Diskussion auf der Intersolar-Konferenz, wo sie sich gerne beteiligen können.