Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser,

der Batteriespeichermarkt geht in die nächste Runde. Haben wir vor einem Jahr noch über einige Hundert Gigawatt an Netzanschlussbegehren geschrieben, diskutieren wir nun über 78 Gigawatt an Netzanschlusszusagen. Zunächst war diese Meldung eine sehr gute Nachricht. Sollte ein relevanter Teil dieser Leistung in den kommenden Jahren ans Netz gehen, würde das die Erwartungen vieler deutlich übertreffen und den heutigen Großspeicherbestand von 3,9 Gigawatt vervielfachen. Das würde wirklich helfen, Börsenpreise zu stabilisieren und bei der Überbrückung möglicher Dunkelflauten zu unterstützen (Seite 14).

Doch der Begriff „Zusage“ scheint etwas von seinem umgangssprachlichen Wortsinn zu verlieren. Beim Netzanschluss bedeutet er eher die Bereitschaft, über einen flexiblen Netzanschlussvertrag zu sprechen, als dass er einem Entwickler die Sicherheit gibt, zeitnah bauen zu können. „Was ist real?“, fragen wir daher auf unserem Cover und in dieser Ausgabe.

Die Situation ist für alle Beteiligten schwierig. Die Herausforderungen der Netzbetreiber, in kurzer Zeit sehr große Leistungen anzuschließen, sind zweifelsohne erheblich. Projektentwickler wiederum stehen unter Zeitdruck, da sie vor dem Stichtag im Sommer 2029 ans Netz gehen müssen, um von der Netzentgeltbefreiung zu profitieren. Was danach kommt, wird derzeit im sogenannten Agnes-Prozess diskutiert. Zum Redaktionsschluss gab es noch keine belastbaren Hinweise darauf, wie das System künftig ausgestaltet sein könnte.

Im ersten Schwerpunkt dieser Ausgabe widmen wir uns aktuell relevanten Themen im Großspeichersegment – von der Bauphase mit der Diskussion über flexible Netzanschlüsse (Seite 26) und einer Marktübersicht zur Speicher-Hardware (Seite 31) über Fragen der Vertragsgestaltung (Seite 53) bis hin zur Vermarktung. Hybrid-PPAs, mit denen Co-Location-Anlagen Strom und Flexibilität an Industriekunden verkaufen, sind deutlich komplexer als PPAs ohne Speicher (Seite 46). Virtuelle Vertragsmodelle, bei denen real kein Strom fließt, sondern Risiken rein finanziell abgesichert werden, werden dadurch vorteilhafter. Denn Batterien können in einem virtuellen PPA weiterhin über Optimierer vermarktet werden. Dass das Angebot in diesem Segment wächst, zeigt unsere aktualisierte Optimierer/Algotrader-Übersicht (Seite 56).

Auch Installateure im Gewerbesegment werden sich künftig stärker mit der Vermarktung von Strom an der Börse beschäftigen müssen. Neben dem Strom lässt sich zunehmend auch die Flexibilität eines Betriebes handeln, idealerweise in Kombination mit einem Speicher. Auch hier spielen im Übrigen virtuelle Trades eine große Rolle. Dafür stehen inzwischen spezialisierte Dienstleister bereit, die signifikante zusätzliche Erlöse versprechen (Seite 64). Andere Anbieter unterstützen bei der technischen Umsetzung der Flexibilisierung, darunter auch die beiden Unternehmen, die unsere Jury mit dem pv magazine spotlight ausgezeichnet hat (Seite 4 und Seite 68). Mehrere Projektbeispiele zeigen, wie weit sich dieser Markt bereits entwickelt hat (Seiten 79 bis 85).

Am 31. März und 1. April findet außerdem das nächste Battery Business & Development Forum statt. Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr haben wir die Veranstaltung auf zwei Tage erweitert. Nicht zuletzt sind wir gespannt, wie sich die Diskussion über Netzanschlüsse bis dahin und auf der Veranstaltung selbst weiterentwickelt. Wir würden uns freuen, Sie dort begrüßen zu können (Seite 11).

Ihr
Michael Fuhs
(Chefredakteur)

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