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Stimmen der Energiewende: Bundesnetzagentur-Vize Barbie Haller über steigende Netzkosten und Prosumer-Beiträge

Wir diskutieren mit Barbie Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, wie sich die steigenden Netzkosten senken und besser auf die Nutzer des Stromnetzes verteilen lassen.
Grafik: pv magazine

Wie lassen sich die Stromnetze für die Energiewende fit machen, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen? Darüber diskutieren pv-magazine-Chefredakteur Michael Fuhs und Stefan Müller, CEO von Enerparc, in der vierten Folge des Podcasts „Stimmen der Energiewende“ mit Barbie Haller, der Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur. 

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„Bestimmte Themen kommen in Wellen“, konstatiert die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur im pv magazine Podcast. Was anfänglich vielleicht ignoriert oder aufgeschoben wird, komme später mit mehr Kraft und Nachdruck zurück. Derzeit treffen zwei Wellen zusammen, der Netzausbau sowie der Zubau an erneuerbaren Erzeugungsanlagen und Batteriespeichern. Mitten in der Welle und während die Kosten steigen, müssen nun Reformen gestemmt werden, die auf den rasanten Wandel reagieren und das deutsche Energiesystem neu aufstellen.  

Während der Ausbau erneuerbarer Energien und die Beteiligung vieler Marktakteure bislang erfolgreich gewesen seien, nehme nun der Druck auf das Stromsystem zu. Netzengpässe, knappe Anschlusskapazitäten und eine zunehmende Volatilität auf dem Strommarkt erfordern neue regulatorische Ansätze. „Wir haben Knappheiten im Netz“, sagt Haller und verweist darauf, dass der Netzausbau vielerorts nicht mit der Geschwindigkeit des Erneuerbaren-Zubaus Schritt halten kann. Deshalb müsse das System stärker auf Flexibilität ausgerichtet werden, Speicher und andere Akteure ihre Rolle beim Ausgleich von Schwankungen besser wahrnehmen. 

So seien flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCA) ein wichtiges Instrument, das aber nur dann sinnvoll sei, wenn es tatsächlich zusätzliche Anschlussmöglichkeiten schafft und nicht als verkappte Ablehnung von Projekten dienen. „Wenn FCAs nur ein anderes Wort sind für ‚Ich lasse dich nicht ans Netz‘, dann ist das keine Lösung“, sagt sie. Von den Netzbetreibern fordert sie mehr Transparenz, Standardisierung und Digitalisierung im Netzbetrieb.

Eine Maßnahme zur Finanzierung der steigenden Kosten ist die Reform der Netzentgelte im Rahmen des AgNes-Prozesses. Künftig sollen Anreize für eine effizientere Nutzung von Netzanschlüssen gesetzt werden. Besonders Speicher sollen dabei flexibler auf Marktpreissignale reagieren können. „Wir wollen unterstützen, dass Speicher gebaut werden und wir wollen unterstützen, dass sie flexibel auf den Strommarkt reagieren“, betont Haller. Zugleich müsse verhindert werden, dass zwar wirtschaftlich sinnvolle Marktaktivitäten Netzengpässe verursachen und damit Kosten für andere Verbraucher nach sich ziehen.

Kontrovers diskutiert wird beispielsweise der geplante Prosumer-Aufschlag für Besitzer von Photovoltaik-Anlagen mit Eigenverbrauch. Haller verteidigt die Überlegungen der Bundesnetzagentur, wonach Prosumer mit bis zu 100 Euro pro Jahr zur Kasse gebeten werden können. Der Aufschlag sei als Versicherungsbeitrag für die jederzeitige Nutzung des Stromnetzes zu verstehen. Mit diesem Beitrag seien Prosumer finanziell immer noch bessergestellt als Stromkunden ohne eigene Anlagen, argumentiert Haller.

Mit Blick auf die Stromkosten in Deutschland rechnet sie kurzfristig eher mit weiter steigenden Belastungen. Der notwendige Netzausbau, die geographischen Besonderheiten Deutschlands und hohe Anforderungen an die Versorgungssicherheit verursachten Kosten, an denen die Branche in den kommenden Jahren nicht vorbeikommen werde.

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