Montel: Hitzewelle sorgt für Rekord-Strompreise in Europa
Die Hitzewelle in Zentral- und Westeuropa hat am Dienstag zu Rekordpreisen auf den kurzfristigen Strommärkten geführt. Nach einer Analyse des Marktdienstleisters Montel erreichten die Viertelstundenpreise in Belgien, den Niederlanden, Dänemark und Deutschland historische Höchststände. Den höchsten Wert verzeichnete Belgien mit 1038,25 Euro pro Megawattstunde für das Lieferintervall von 20:45 bis 21:00 Uhr. In den Niederlanden stieg der Preis auf 902,47 Euro pro Megawattstunde, in der dänischen Gebotszone DK1 auf 786,83 Euro pro Megawattstunde. In Deutschland wurde mit 747,10 Euro pro Megawattstunde ebenfalls ein neuer Rekord erreicht.
Auslöser der Preisspitzen war nach Einschätzung von Montel eine Kombination aus hoher Stromnachfrage und eingeschränktem Angebot. Die hohen Temperaturen haben demnach den Bedarf an Klimatisierung erhöht, während gleichzeitig die Windstromerzeugung in weiten Teilen Nordwesteuropas vergleichsweise niedrig ausfiel. Zwar habe die intensive Sonneneinstrahlung tagsüber für hohe Solarstromerträge gesorgt, die Effizienz der Photovoltaik-Anlagen habe aufgrund der hohen Modultemperaturen jedoch abgenommen. Auch Gas-und-Dampf-Kraftwerke arbeiten Montel zufolge bei hohen Außentemperaturen mit geringerer Leistung.
In Deutschland stieg die Residuallast – also der Teil der Stromnachfrage, der nicht durch Wind- und Solarenergie gedeckt wird – laut Montel auf 51,5 Gigawatt. Das seien rund 10,4 Gigawatt mehr als für diese Tages- und Jahreszeit üblich.
Die stärksten Preisspitzen traten am Abend auf, als die Solarstromerzeugung nach Sonnenuntergang rasch zurückging, die Temperaturen und damit der Kühlbedarf jedoch weiterhin hoch blieben. Um Angebot und Nachfrage auszugleichen, mussten zunehmend teurere konventionelle Kraftwerke eingesetzt werden. Nach Prognosen des schwedischen Wetterdienstes SMHI dürfte die Hitzewelle in weiten Teilen Zentral- und Westeuropas bis in die ersten Julitage anhalten. Damit könnte die angespannte Lage auf den europäischen Strommärkten vorerst bestehen bleiben.
Please login to comment
Positiv daran sind die guten wirtschaftlichen Anreize für die Installation von weiteren PV-Anlagen und erst recht Speichern. Wenn selbst im Höchststand der Sonne die Börsenpreise tagsüber höher sind, als die EEG-Vergütungen ist das ein gutes Zeichen.
Komischerweise gibt es, im Gegensatz zu den Negativpreisen aus dem Frühjahr, kaum Pressemeldungen zu den explodierenden Strompreisen aufgrund von zu wenig PV- und Windstrom. Da kommen noch spannende Tage auf dem Energiemarkt, vor allem, wenn in Frankreich die AKW´s noch weiter runter geregelt werden müssen.