Bestandsanlagen statt Baustellenrisiko: Warum IAB-Investoren umdenken sollten
Der IAB-Markt für Photovoltaik boomt. Steuerberater empfehlen ihren Mandanten die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags nach Paragraf 7g Einkommensteuergesetz, Vertriebsplattformen überbieten sich mit Renditeversprechen, und auf LinkedIn wird die Photovoltaik-Anlage als Steuersparmodell gefeiert. Was dabei regelmäßig zu kurz kommt: die Frage, ob hinter dem Steuervorteil auch ein tragfähiges Investment steht.
Ich beobachte seit Jahren, wie Investoren in eine Falle tappen, die ich die „IAB-Illusion“ nenne. Sie bilden einen IAB, spüren die Erleichterung auf dem Steuerbescheid und glauben, das Schwierigste sei geschafft. Dabei fängt genau hier die eigentliche Herausforderung erst an: das passende Projekt zu finden, die Fristen einzuhalten und sicherzustellen, dass am Ende tatsächlich eine funktionierende Anlage Strom produziert und Einnahmen generiert.
Das Fristenproblem: Wenn die Uhr tickt und die Baustelle steht
Wer einen IAB bildet, hat drei Jahre Zeit, die geplante Investition umzusetzen. Klingt komfortabel. Ist es aber oft nicht. Denn wer auf Neuanlagen setzt, also Projekte, die erst geplant, genehmigt und gebaut werden müssen, begibt sich in eine Abhängigkeitskette, die er selbst kaum kontrollieren kann.
Netzanschlüsse verzögern sich. Genehmigungen ziehen sich hin. Lieferketten stocken. Und plötzlich steht der Investor mit seinem gebildeten IAB unter Druck: Wird die Anlage rechtzeitig in Betrieb gehen? Oder droht die Rückabwicklung des IAB mit Nachzahlung und Verzinsung? In unserer Beratungspraxis erleben wir diese Situation immer wieder. Investoren, die mit besten Absichten gestartet sind, stehen nach zwei Jahren vor einem Projekt, das noch nicht einmal den Netzanschluss hat.
Bestandsanlagen: Die unterschätzte Alternative
Es gibt eine Lösung für dieses Dilemma, die im Markt erstaunlich wenig Beachtung findet: Bestandsanlagen. Also Photovoltaik-Anlagen, die bereits am Netz sind, Strom produzieren und Einnahmen generieren.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Keine Bauphase, kein Genehmigungsrisiko, keine ungewissen Netzanschlusstermine. Stattdessen verfügt der Investor ab dem ersten Tag über eine produzierende Anlage mit nachprüfbarer Ertragshistorie. Das ist kein Renditeversprechen auf dem Papier, sondern ein dokumentierter Track Record. Und genau das macht für IAB-Investoren den entscheidenden Unterschied: Die Investition kann sofort nach Kaufabwicklung dem Finanzamt gegenüber nachgewiesen werden, und die Erlöse fließen vom ersten Tag an.
Natürlich haben Bestandsanlagen ihren Preis. Sie sind in der Regel teurer als Projekte in frühen Planungsphasen. Aber dieser Preisaufschlag bildet exakt das ab, was der Investor bekommt: Sicherheit. Eine Anlage, die läuft. Verträge, die stehen. Ein Netzanschluss, der existiert. Wer diesen Preisunterschied als „Aufschlag“ betrachtet, hat den Kern der Sache nicht verstanden. Es ist eine Risikoprämie, die sich der Verkäufer verdient hat. Ertragsausfall und Finanzierungskosten summieren sich schnell auf mehrere hundert Euro je Kilowatt, während man auf den Netzanschluss wartet.
Falsche Erwartungen: Das größte Risiko im IAB-Markt
Ich sage es offen: Das größte Problem im IAB-Markt sind nicht schlechte Projekte. Es sind falsche Erwartungen. Investoren werden mit Renditeversprechen von zweistelligen Prozentzahlen gelockt, ohne dass jemand erklärt, unter welchen Voraussetzungen diese Zahlen gelten und vor allem, unter welchen nicht.
Wer IAB-Kunden eine Photovoltaik-Anlage als risikoloses Steuerprodukt verkauft, handelt nicht im Interesse des Investors. Photovoltaik ist eine unternehmerische Investition. Sie erfordert Verständnis für Vertragsstrukturen, Wartungskosten, Versicherungen, Direktvermarktung und die langfristige Entwicklung von Strompreisen. Wer diese Komplexität verschweigt, schürt Enttäuschung und schadet am Ende der gesamten Branche.
Deshalb setzen wir bei PVA-Invest bewusst auf Transparenz statt Hochglanz. Unsere Investoren erhalten keine isolierten Renditekennzahlen, sondern vollständige Wirtschaftlichkeitsberechnungen inklusive aller Kosten, Risiken und realistischer Szenarien. Denn nur wer weiß, worauf er sich einlässt, kann eine fundierte Entscheidung treffen.
Qualitätssicherung: Wo der Markt Standards braucht
Der Markt für Photovoltaik-Direktinvestments wächst und damit auch die Zahl der Anbieter, die mit unterschiedlichsten Qualitätsstandards arbeiten. Für den einzelnen Investor ist es nahezu unmöglich, die Seriosität eines Projekts von außen zu bewerten. Ist der Netzanschluss wirklich gesichert? Sind die Pachtverträge belastbar? Stimmt die technische Dokumentation?
Diese Lücke hat uns dazu bewogen, einen eigenen Qualitätsstandard zu etablieren: das PVA-Invest-Gütesiegel. Jedes Projekt, das wir vermitteln, durchläuft eine mehrstufige Prüfung – technisch, wirtschaftlich und juristisch. Die juristische Prüfung erfolgt durch unabhängige Rechtsanwälte, und sämtliche Zahlungen werden über ein Rechtsanwalts-Anderkonto abgewickelt. Damit ist sichergestellt, dass Gelder erst dann fließen, wenn alle vertraglich vereinbarten Voraussetzungen erfüllt sind.
Das ist kein Marketing-Gimmick, sondern eine direkte Reaktion auf die Realitäten im Markt. Wir haben in der Vergangenheit Projekte gesehen, bei denen Investoren Kaufpreise überwiesen haben, bevor wesentliche Unterlagen vorlagen. Projekte, bei denen Verträge Lücken aufwiesen, die erst nach dem Geldtransfer sichtbar wurden. Das Anderkonto ist unsere Antwort darauf: Es schützt den Investor vor genau diesen Szenarien.
Fazit: Photovoltaik verdient mehr als Steueroptimierung
Der IAB ist ein hervorragendes Instrument. Aber er ist eben nur ein Instrument, nicht das Investment selbst. Wer Photovoltaik ausschließlich als Steuerprodukt betrachtet, wird früher oder später enttäuscht. Wer sie als langfristige unternehmerische Kapitalanlage versteht, mit allen Chancen und Risiken, der wird dagegen von einem Markt profitieren, der gerade erst am Anfang seiner Reifephase steht.
Mein Appell an Investoren und Berater gleichermaßen: Schauen Sie nicht nur auf den Steuerbescheid. Schauen Sie auf die Anlage. Auf ihre Historie, ihre Verträge, ihre tatsächliche Ertragslage. Und stellen Sie die Frage, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheidet: Sind die Daten des Exposé belastbar und belegbar, oder sind es vage Angaben und unverbindliche Zeitpläne?
Wenn die Antwort Ja lautet, haben Sie vermutlich ein gutes Investment gefunden. Wenn nicht, sollten Sie weitersuchen.

—- Der Autor Tim Grevecke ist gelernter Bankkaufmann und Geschäftsführer der von Feder Gruppe. Bekannt wurde die Gruppe insbesondere durch die Marke PVA Invest, eine unabhängige Einkaufs- und Vermittlungsplattform für steueroptimierte Photovoltaik-Direktinvestments in Deutschland. Mit seinem Hintergrund aus der Finanz- und Bankenwelt beschäftigt sich Tim Grevecke vor allem mit der Verbindung klassischer Investment- und Finanzierungsstrukturen mit dem Markt erneuerbarer Energien. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf IAB-fähigen Photovoltaik-Anlagen sowie bankenfähigen Investmentkonzepten. —-
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