Denkmalschutz und Photovoltaik: Eisengraue Solarmodule schaffen Präzedenzfall in Salzburg
Immer wieder gibt es Diskussionen, ob Photovoltaik-Anlagen auf Dächern in historischen Altstädten gebaut werden dürfen. So auch in Salzburg, dessen Innenstadt zum Unesco-Weltkulturerbe gehört und wo sich eine Altstadtkommission um die Wahrung des Erscheinungsbilds mit strengen Denkmalschutzvorgaben kümmert.
Dem Architekturbüro Strobl Architekten ist in Zusammenarbeit mit dem Photovoltaik-Dachanbieter Roofit Solar nun die Schaffung eines Präzedenzfalls gelungen. Sie erhielten von der Altstadtkommission die Genehmigung, ein vollständig integriertes Solardach im historischen Stadtkern zu realisieren. Bislang untersagte die Kommission Photovoltaik-Anlagen in dem denkmalgeschützten Ensemble konsequent, wie Roofit Solar und das Architektenbüro erklärten. Sie sehen daher in der Entscheidung einen „historischen Meilenstein“.
Dem Projekt sei ein langer und intensiver Austausch mit der Kommission vorausgegangen, da dem Dach eine immense architektonische Bedeutung als „zweitwichtigste Fassade“ beigemessen wurde, wie es weiter heißt. Dazu kommen große Höheunterschiede in Salzburg, die die Dächer von Aussichtspunkten in der Umgebung permanent sichtbar machen. Mit einer ästhetischen Anpassung des Konzepts habe man die Kommission schließlich überzeugen können. Für das integrierte Solardach werden „2-in-1-Module“ von Roofit eingesetzt. Sie sind nicht blau oder schwarz, sondern haben eine eisengraue Oberfläche. Im Zuge der Dachsanierung soll die gesamte Dachfläche von 330 Quadratmetern mit den Solarmodulen ausgestattet werden. Die installierte Gesamtleistung der Photovoltaik-Anlage soll demnach bei 28,5 Kilowatt liegen und zugleich den ursprünglichen Charakter traditioneller Falzdächer erhalten.
“Das Dach wurde seit 60 Jahren nicht erneuert. Es ist wichtig, jetzt, wo das technische Know-how vorhanden ist, die richtige Entscheidung zu treffen, damit die nächste Generation von einem nachhaltigen und soliden Objekt profitiert”, erklärt Architekt Michael Strobl. “Ein großer Vorteil ist, dass jeder Spengler mit den gängigen Techniken der Blechdächer damit umgehen kann und die Instandhaltung des Solardaches dadurch enorm vereinfacht wird.” Für die Umsetzung des Photovoltaik-Projekts ist die Spenglerei und Dachdeckerei Nimmervoll-2 verantwortlich.
Roofit Solar hat erst 2025 verschiedene Produktfarben für seine Solarmodule eingeführt. In der Genehmigung des Projekts sieht Andres Anijalg, CEO und Gründer von Roofit Solar, eine Bestätigung für diesen Schritt. “Wir wollten neue Gestaltungsmöglichkeiten für Gebäude ermöglichen, bei denen herkömmliche schwarze Solarmodule aufgrund gesetzlicher Vorschriften, ästhetischer Vorgaben oder denkmalpflegerischer Anforderungen nicht geeignet sind. Das Projekt in Salzburg unterstreicht, dass Solarenergie und Denkmalschutz Hand in Hand gehen können.”
Please login to comment