»The only way to secure supply is gas« Das ist der Originalsatz, den unsere Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kürzlich in Texas auf einer Konferenz der fossilen Industrie gesagt hat. Direkt, nachdem sie noch einmal die Atomenergie im Zusammenhang mit “Bezahlbarkeit” lobte. Schaut euch den Videoausschnitt mal an. Ich finde, man merkt hier, dass sie das selbst nicht mehr ernst meint.
Alexander Graf, sogar im CDU-Wirtschaftsrat aktiv sagt, im Energiewende-Podcast: „Altmaier und Co. waren ja noch unverdächtig, bei Katherina Reiche könnte man fast vermuten, sie ist ein russischer Agent. Meine größte Angst ist aber gar nicht, dass sie Lobbyistin ist oder beeinflusst von Russland und den LNG-Parteien, ich glaube sie glaubt wirklich, was sie macht.“
Und weil der heutige Beitrag unter dem Motto steht, besser gut zitiert als schlecht selbst geschrieben: “Entweder sie weiß es nicht, oder sie lügt” – ein Zitat von Christian Stöcker.
Die internationale Energieagentur IEA und deren Vorsitzender Fatih Birol spricht von “zwei Ölkrisen und ein Gas Kollaps in einem” – der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle will die Anstrengungen bei Wind und Solar verdoppeln.
Beide gehören weder zum Team Greta Thunberg, noch zum Team Heidi Reichinnek. Man muss allerdings auch nicht mehr Wirtschaftsnobelpreisträger sein, um zu realisieren, dass das Energiewende-Brems-Triumvirat EEG 2027, Netzpaket & GMG keine (gute) Antwort auf die Krise ist.
Unabhängig von fossilen Energieimporten aus dem Ausland zu werden, ist die größte Schnittmenge unserer Gesellschaft bei der Klimaschutz-Vertrauensfrage – das müssen wir jetzt nutzen.
Wir könnten jetzt das tun, was wir in der Energiekrise 2022/2023 zwar vorhatten, dann aber unter anderem wegen der heutigen 3 Prozent-Partei in der Regierung nicht umsetzen konnten: Eine echte Electrifying Germany Offensive vom Zaun brechen. Ja, für die ehemaligen Englisch-Gymnasiallehrer unter euch – stimmt, das Wort ist doppeldeutig. Es bedeutet aufregend, mitreißend und elektrisierend und ist eigentlich nicht technisch gemeint. Genau darum geht es mir aber. Denn während wir in allen Fragen rund um unsere emissionsfreie Zukunft innerhalb der Gesellschaft überhaupt keinen Konsens mehr finden, gibt es Ideologie übergreifend bei der Frage nach mehr Unabhängigkeit die größte Übereinstimmung, wie meine jüngste „Vertrauensfrage Klimaschutz“ zeigt (siehe Grafik).
Und was bedeutet Electrifying Germany jetzt genau? 110 Gigawatt Photovoltaik und 69 Gigawatt Windkraft sind in Deutschland aktuell am Netz. Aber nur 17,5 Gigawatt Speicherleistung mit einer Kapazität von 26,6 Gigawattstunden. Also 179 Gigawatt volatile Erzeugungsleistung treffen auf 17 Gigawatt Speicherleistung, wir können somit inzwischen 10 Prozent der maximalen Erzeugungsleistung zwischenspeichern. Übrigens, die Kapazität der Stehzeuge liegt bei fast 130 Gigawattstunden. Wir haben also fast fünfmal so viel Batteriekapazität in Fahrzeugen, als wir für unser Energiesystem im Einsatz haben.
Die Top 3-Maßnahmen wären daher:
- Batteriespeicher-Offensive für Bestandsanlagen, mit gleichzeitiger Überbauung Windkraft und Photovoltaik
- Innerhalb von 6 Monaten Software-Update für alle E-Bestandsfahrzeuge für das uneingeschränkte bidirektionale Laden für maximal 500 Euro Bearbeitungsgebühr
- In jeder Kommune in Deutschland eine Photovoltaik, Windkraft & Batterie-Offensive starten, verfügbare Netzanschlüsse besser ausnutzen, Wärmeplanung, Verkehrsplanung und Stromnetzplanung zu einer “Sektorenkopplungs-Energieplanung” fusionieren.
Deutschland besteht nicht nur aus der Bundesregierung. Unsere für Reformen häufig verfluchte föderale Struktur kann uns helfen – Sieben Bundesländer sind schon dabei und fordern eine schnellere Energiewende.
Also, lasst uns an Electrifying Germany arbeiten. In eurem Bundesland, eurer Stadt, eurem Dorf und eurer Straße.
Fahrt und heizt elektrisch, solange Strom noch günstig ist (und der E-Auto-Gebrauchtwagenmarkt noch nicht leer gekauft wurde).
Über den Autor Felix Rodenjohann
Als radikalster Klimalobbyist klebt sich Felix NICHT auf die Straße, sondern in Aufsichtsratssitzungen von Stadtwerken und Rathäusern – um alle anwesenden vom Marktpotenzial erneuerbarer Energien zu überzeugen.
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