Batteriespeicher (BESS) gehören zu den dynamischsten Bausteinen der Energiewende. Besonders Stand Alone BESS, die unabhängig von Erzeugungsanlagen direkt am Netz agieren, haben sich zu einem der spannendsten Business-Cases entwickelt. Ihr Erlöspotenzial entsteht grundsätzlich aus zwei Quellen, die durch denselben Akteur erschlossen werden: dem Arbitragehandel sowie der Teilnahme an Regelenergiemärkten. Das Problem: Betreiber sehen nicht, wie gut ihr Speicher durch den Vermarkter an den beiden Märkten platziert wird und ob die Vermarktungserlöse gesteigert werden können.
Die Black Box der Vermarktung – warum BESS-Betreiber die Performance ihres Speichers nicht kennen
Die operative Umsetzung der Vermarktung übernimmt in der Praxis ein auf Stand-Alone-Speicher spezialisierter Vermarkter. Dessen algorithmusbasierte Modelle entscheiden, wann der Speicher lädt, entlädt oder Regelenergie bereitstellt. Genau an dieser Stelle entsteht jedoch ein zentrales Problem für Erlösmodelle mit Profit-Share: Die Qualität der Vermarktung ist für Betreiber kaum sichtbar. Zwar können die Kosten beziehungsweise der Profit-Share verglichen werden, doch sagen diese wenig über die Qualität der Optimierungsentscheidungen des Vermarkters aus.

Grafik: Rödl Audit GmbH
Betreiber sehen nur, wie die Einnahmen verteilt werden – nicht aber, wie hoch die erzielbaren Erlöse insgesamt ausfallen könnten. Die zentrale Frage, wie hoch die realisierbaren Vermarktungserlöse tatsächlich wären, welcher Vermarkter hier am besten performt und somit das beste Ergebnis für den Betreiber erzielt, bleibt unbeantwortet.
Zwar gibt es am Markt verschiedene Indizes oder Back-Testings, die BESS-Erlöse modellbasiert oder aggregiert darstellen. Diese liefern wertvolle Orientierung zur generellen, historischen Marktwertentwicklung, ersetzen jedoch nicht die Bewertung der realen Performance eines individuellen Vermarkters beziehungsweise Speichers.
Vergleichbarkeit realer Vermarktungserlöse – warum sie so anspruchsvoll ist
Die Bewertung und Vergleichbarkeit realer Vermarktungserlöse ist alles andere als trivial. Das Vermarktungsergebnis eines BESS lässt sich nicht wie bei Photovoltaik- oder Windenergieanlagen einfach in „Euro pro Megawatt“ herunterbrechen – zu stark wirken technische, betriebliche und strategische Faktoren mit. Schon auf technischer Ebene entstehen große Unterschiede: Kapazität, nutzbare Energie, C-Rate, Round-Trip-Efficiency, Temperaturmanagement, Alterungszustand oder das Ladezustands-Balancing beeinflussen, welche Erlöse ein BESS überhaupt erzielen kann. Auch geplante und ungeplante Wartungen sowie Begrenzungen der möglichen Lade- und Entladevorgänge verändern das operative Einsatzprofil.
Hinzu kommt der rückblickende Charakter jeder Auswertung. Beispiele in Großbritannien zeigen, dass vergangene Preisstrukturen enorme Bandbreiten aufweisen. Diese Variabilität setzt sich in der Betriebsweise fort: Stand-Alone-BESS, Co-Location-Anlagen oder BESS mit Zusatzfunktionen wie Peak-Shaving oder Einspeiserestriktionen unterscheiden sich grundlegend in ihren Vermarktungsmöglichkeiten. Auch zwischen verschiedenen Speicherprojekten, die vom selben Vermarkter vermarktet werden, können die Erlöse – abhängig von Standort, Netzrestriktionen, Batterietechnologie, Größe oder Betriebsstrategie – stark variieren.
Ein transparenter Branchenvergleich muss daher die Vielzahl dieser Faktoren strukturiert erfassen und bestmöglich normalisieren. Vollständige Vergleichbarkeit wird zwar nie zu 100 Prozent erreichbar und auch immer rückblickend sein, doch eine methodisch saubere Annäherung schafft zumindest Transparenz für Betreiber, Investoren und Finanzierer – und ermöglicht erstmals eine Aussage darüber, wie wirtschaftlich ein Speicher im realen Marktumfeld tatsächlich betrieben wird.
Der Branchenvergleich schafft Transparenz
Genau hier setzt der neue BESS Branchenvergleich von Rödl an, um die bestehende Transparenzlücke zu schließen. Er ermöglicht eine objektive Einordnung der erzielten Vermarktungserlöse auf Basis realer Anlagendaten. Dabei werden die relevanten technischen Einflussgrößen transparent berücksichtigt, die Daten normiert und anschließend anonymisiert mit vergleichbaren anderen BESS ausgewertet. So entsteht ein realistisches Bild der tatsächlichen historischen Marktperformance – jenseits modellbasierter Indexwerte.
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Für Betreiber wird sichtbar, wie der eigene BESS und insbesondere der Vermarkter im Branchenumfeld abschneiden und wo Optimierungspotenziale liegen. Schon kleinere Verbesserungen in Arbitrage- oder Regelenergiestrategien können signifikante Effekte auf die Jahreserlöse haben. Gleichzeitig werden bislang verdeckte Mindererlöse transparent.
Der strukturierte Vergleich liefert damit eine belastbare Grundlage für operative und strategische Entscheidungen, sowohl für Betreiber als auch für Investoren und Vermarkter. Zudem werden in dem Branchevergleich weitere Kostenparameter erfasst, die auch eine Optimierung jenseits der Vermarktungserlöse erlauben.
Wie sich Vermarktungsqualität über die Zeit messen lässt und was BESS-Betreiber daraus ableiten können
BESS werden in den kommenden Jahren ein zentrales Element des Energiesystems bleiben. Mit dem Markthochlauf steigen jedoch die Anforderungen an Transparenz, Vergleichbarkeit und belastbare Wirtschaftlichkeitskennzahlen. Genau hier setzt der Branchenvergleich von Rödl an: Er schafft datengestützte Transparenz über reale Vermarktungserlöse, technische Verfügbarkeiten sowie Kostenstrukturen – und ermöglicht damit eine objektive Einordnung der eigenen Speicherperformance im Branchenumfeld.
Gleichzeitig gilt: Ein Branchenvergleich kann naturgemäß nicht alle Einflussfaktoren vollständig abbilden. Marktvolatilität, technische Unterschiede und sich weiterentwickelnde Handelsalgorithmen lassen sich zwar normieren, aber nicht vollständig eliminieren. Der Vergleich liefert daher keine absolute Wahrheit, sondern eine Orientierung, an der BESS-Betreiber die Qualität ihrer Vermarktung messen können.
Der größte Mehrwert entsteht allerdings über die Zeit: Durch eine regelmäßige Wiederholung des Branchenvergleichs wird er zu einem Instrument, das Fortschritte oder Rückstände sichtbar macht und gezielte Anpassungen bei Betriebsstrategie oder technischen Einstellungen und insbesondere der Wahl des Vermarkters ermöglicht.
Eine praktische Konsequenz: BESS-Betreiber können kurze bis mittlere Vertragslaufzeiten mit Vermarktern wählen (zum Beispiel ein bis zwei Jahre), um flexibel auf messbare Leistungsunterschiede reagieren zu können. So wird der Branchenvergleich zu einem Werkzeug für kontinuierliche Optimierung der Speichererträge.
— Der Autor Kai Imolauer ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und Partner der international tätigen Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl Audit GmbH. Aus Überzeugung berät er Unternehmen der Energiewirtschaft, Investoren und Unternehmen im Prozess zur nachhaltigen Energieerzeugung und Transformation. —
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