Erlöspotenziale für stationäre Batteriespeicher in Deutschland sind 2025 zurückgegangen

Erlöse Batteriespeicher nach Märkten, Vergleich 2024 vs. 2025

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Die Vermarktungslandschaft für Batteriegroßspeicher unterliegt einem dynamischen Wandel. Aktuelle Auswertungen für unseren „ISEA Battery Revenue Index“ für das Jahr 2025 verdeutlichen eine strukturelle Neuordnung der Erlösströme in der Cross-Market-Vermarktung: Während die Primärregelleistung an Relevanz verliert, etabliert sich die Vorhaltung von Sekundärregelleistung als zentraler Erlöspfeiler. Auch in der separaten Betrachtung der Einzelmärkte zeigen sich neue Trends.

Cross-Market-Strategie: Umsatzrückgang von 16 Prozent bei Zwei-Stunden-Systemen

Der Blick auf die Ergebnisse der kombinierten Cross-Market-Optimierung zeigt, dass 2025 ein herausforderndes Jahr für die Speichervermarktung war. Über alle Konfigurationen hinweg sanken die indikativen Jahreserlöse, wobei sich eine Verschiebung in der Zusammensetzung der Erlösquellen offenbart. Für das System mit zwei Stunden (2 Megawattstunden/1 Megawatt) und zwei Zyklen pro Tag sanken die Erlöse um 16 Prozent von rund 309.000 Euro auf 259.000 Euro pro Megawattstunde. Das Ein-Stunden-System traf es mit einem Minus von 17,2 Prozent  prozentual noch etwas härter. Sie sanken von 183.000 Euro auf 151.000 Euro.

Besonders markant ist dabei der Einbruch der realisierten Erlöse aus der Primärregelleistung (FCR) innerhalb der Cross-Market-Strategie. Im Zwei-Stunden-System gingen die FCR-Erlöse um über 90 Prozent zurück und spielen im optimierten Fahrplan kaum noch eine Rolle. Im Gegenzug stiegen die Erlöse aus der Sekundärregelleistung (aFRR Capacity), die sich als neuer Erlösanker etablierte (+40 Prozent realisierter Erlös beim Zwei-Stunden-System). Diese Zugewinne konnten jedoch die Verluste in den reinen Energiemärkten nicht vollständig kompensieren. Besonders signifikant war der Rückgang bei der aFRR-Regelarbeit (aFRR Energy), wo das Zwei-Stunden-System 65,3 Prozent seiner Erlöse verlor. Auch die im Index berechneten Erlöse aus den Intraday-Continuous-Anteilen brachen in der Cross-Market-Strategie um 16 Prozent ein.

Erlöse Batteriespeicher nach Märkten, Vergleich 2024 vs. 2025
Abbildung 1: Vergleich der potenziellen Jahreserlöse in der Cross-Market-Strategie für die Jahre 2024 und 2025 basierend auf der Berechnungsmethode des „ISEA Battery Revenue Index“. Dargestellt sind Systeme mit 1 Megawatt Leistung und einer Kapazität von 1 Megawattstunden und  2 Megawattstunden (bei maximal 2 Zyklen pro Tag). Die einzelnen Farben zeigen die Erlöse aus den unterschiedlichen Märkten, die in der Cross-Market Strategie des Index eingebunden sind: Primär- und Sekundärregelleistung (FCR bzw. aFRR) sowie der Intraday Continuous Handel. Quelle: Battery Charts, ISEA RWTH Aachen, battery-charts.de/revenue-index/.

Grafik: Battery Charts, ISEA RWTH Aachen

Einzelmärkte bestätigen den Trend: Strukturelle Marktveränderung

Ein Blick auf die potenziellen Erträge in den Einzelmärkten (Abbildung 2) liefert die Erklärung für den beobachteten Strategiewechsel. Entgegen dem ersten Anschein ist der Markt für Primärregelleistung (FCR) nämlich keineswegs zusammengebrochen, die Regelleistungsmärkte zeigten im letzten Jahr aber trotzdem unterschiedliche Trends.

Das vom Index berechnete Umsatzpotenzial in der Primärregelleistung sank für beide Systemgrößen moderat um 6,9 Prozent von etwa 114.000 Euro auf 106.000 Euro. Die Ertragskraft in der Sekundärregelleistungsvorhaltung (aFRR Capacity) stieg jedoch stark an. Für das Zwei-Stunden-System kletterte der Wert um 39,3 Prozent auf über 146.000 Euro. Damit überholte dieses Segment die Primärregelleistung deutlich, was in der Cross-Market-Vermarktung dazu führte, die Kapazitäten entsprechend umzuschichten. Auch für das Ein-Stunden-System stiegen die Einnahmemöglichkeiten um fast 40 Prozent auf über 73.000 Euro an. Die Aussichten in der aFRR-Regelarbeit (aFRR Energy) brachen hingegen signifikant ein: Das 2-Stunden-System verlor hier 66,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was einem Rückgang von 227.000 Euro auf 76.500 Euro pro Jahr entspricht.

Ein ähnlich differenziertes Bild zeigt sich bei der Betrachtung der Spotmärkte. Während der kurzfristige Intraday-Handel unter Druck geriet, verzeichnete der Day-Ahead-Markt im Jahr 2025 entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend spürbare Zuwächse. Für das Zwei-Stunden-System stieg das Erlöspotenzial in der Auktion um 17,4 Prozent an, was einem absoluten Plus von rund 13.500 Euro auf einen neuen Jahreswert von fast 91.000 Euro entspricht.

Das kleinere Ein-Stunden-System profitierte relativ gesehen sogar noch stärker und verzeichnete einen Anstieg von 21,1 Prozent, wodurch sich der Index-Ertrag von rund 38.700 Euro auf knapp 47.000 Euro erhöhte. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die Preisspreads im Jahr 2025 teilweise vom sehr kurzfristigen Intraday-Handel in die Day-Ahead-Auktion verlagert haben. Dies dürfte auch mit der Einführung der 15-Minuten-Produkte in diesem Marktsegment zusammenhängen, wie pv magazine an anderer Stelle berichtete.

Erlöse Batteriespeicher nach Märkten, Vergleich 2024 vs. 2025
Abbildung 2: Übersicht der vom ISEA Battery Index berechneten Erlöspotenziale in den separaten Einzelmärkten für 2024 und 2025. Dargestellt sind Systeme mit 1 Megawatt Leistung und einer Kapazität von 1 Megawattstunden bzw. 2 Megawattstunden (bei maximal 2 Zyklen pro Tag). Die Märkte sind die Primärregelleistung (FCR), die Sekundärregelleisung (aFRR Capacity), die Sekundärregelarbeit (aFRR Energy) sowie die Handelsmärkte Intraday Continuous und der Day-Ahead Markt. Quelle: Battery Charts, ISEA RWTH Aachen, battery-charts.de/revenue-index/.

Grafik: Battery Charts, ISEA RWTH Aachen

Wendepunkt in den Regelleistungsmärkten

Die aktuellen Entwicklungen in den europäischen Regelleistungsmärkten deuten auf eine klare Divergenz zwischen der Primärregelleistung (FCR) und der Sekundärregelleistung (aFRR) hin. Während die FCR-Erlöse aufgrund deutlich gesunkener Settlement-Preise in den Pay-as-Cleared-Auktionen unter Druck stehen, profitierte die aFRR von höheren durchschnittlichen volumen-gewichteten Auktionspreisen (VWAP).

Ein wesentlicher Treiber hinter dieser Entwicklung ist der unterschiedliche Grad der Marktsättigung. Der Primärregelleistungsmarkt ist durch Batteriespeicher mittlerweile stark überversorgt: Die präqualifizierte Batterieleistung stieg von rund 0,81 Gigawatt zu Beginn des Jahres 2024 auf etwa 1,35 Gigawatt Anfang 2026 an. Dem steht ein durchschnittlicher Bedarf von lediglich 0,53 bis 0,56 Gigawatt pro Produkt gegenüber. Dies führt zu einem intensiven Wettbewerb und einem starken Preisdruck. Zwar stieg auch die präqualifizierte Batterieleistung im aFRR-Markt deutlich (von etwa 0,33 auf etwa 1,2 Gigawatt pro Richtung), jedoch ist hier die Nachfrage mit rund 1,9 Gigawatt pro Richtung signifikant höher. Batteriespeicher machen dort im Vergleich zur Primärregelleistung noch einen kleineren Teil des Wettbewerbs aus.

„ISEA Battery Revenue Index“

Der „ISEA Battery Revenue Index“ berechnet die potenziellen Erlöse für stationäre Batteriespeicher in Deutschland. Er basiert auf einer Open-Source-Methodik mit transparenten Berechnungsansätzen zur realitätsnahen Abbildung von Erlöspotenzialen. Neben der Vermarktung in einzelnen Märkten bildet der Index auch die Koppelung verschiedener Märkte im Rahmen einer Cross-Market-Strategie ab, einschließlich Primär- und Sekundärregelleistung sowie des Intraday-Continuous-Handels an der Strombörse. Der Index wurde gemeinsam vom ISEA und Enspired entwickelt und ist über die Plattform battery-charts.de abrufbar.

Über die Autoren:

Jonas Brucksch, RWTH AachenJonas Brucksch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik am ISEA der RWTH Aachen. Er ist einer der Betreiber von Battery Charts. E-Mail: jonas.brucksch@isea.rwth-aachen.de & battery-charts@isea.rwth-aachen.de LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/jonasbrucksch/

 

Dirk Uwe Sauer leitet den Lehrstuhl für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik des ISEA der RWTH Aachen und ist seit 30 Jahren im Bereich Batterien und Energiesysteme aktiv. Zusammen mit einem Team von 70 Angestellten deckt er Themen von elektrochemischen Prozessen in einer Batteriezelle bis zur Analyse ganzer Energiesysteme ab. E-Mail: DirkUwe.Sauer@isea.rwth-aachen.de

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