Die Bundesregierung will das Gebäudeenergiegesetz (GEG) abschaffen und durch ein Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzen. Politisch ist der Schritt insofern nachvollziehbar, als im Wahlkampf die Abschaffung eines „Heizungsgesetzes“ versprochen wurde, das vor allem als Projektionsfläche gedient hat. Für die Branche ist er vor allem eines: ein erneuter Stresstest für einen Markt, der sich gerade erst stabilisiert hat.
Denn im Gebäudesektor entscheidet nicht Symbolik über Fortschritt, sondern Planbarkeit. Und diese ist für Industrie, Handwerk, Energieversorger und Finanzierer die zentrale Voraussetzung für Investitionen, Kapazitätsaufbau und Beschäftigung.
Umbenennung ist kein Konzept
Wenn die Politik das Gesetz unter neuem Namen weiterführen will, um ein lang angekündigtes politisches Versprechen formal einzulösen, dann sei es so. In Teilen der Branche wurde die Ankündigung zunächst sogar mit verhaltener Erleichterung aufgenommen. Sollte sich die „Abschaffung des Heizungsgesetzes“ faktisch in einer Umbenennung erschöpfen, ohne den bestehenden Regelungsrahmen erneut zu destabilisieren, wäre das zwar eine bemerkenswerte Offenbarung politischer Symbolik, aus Marktsicht jedoch ein Zustand, mit dem sich arbeiten ließe.
In der Branche und in Fachmedien wurde die Ankündigung schnell als das eingeordnet, was sie ist: eine formale Neuverpackung. Was jedoch nach inzwischen fast drei Jahren Debatte in der Öffentlichkeit hängen bleibt, ist ein anderes Signal: schon wieder eine Änderung, schon wieder Unsicherheit, schon wieder der Eindruck, dass ein gerade erst wirksam gewordener Rechtsrahmen infrage gestellt wird. Genau diese permanente Infragestellung ist es, die Vertrauen kostet – unabhängig davon, wie groß oder klein die tatsächlichen Anpassungen am Ende ausfallen.
Für einen Investitionsmarkt mit langen Zyklen ist das fatal. Produktionskapazitäten, Lieferketten, Qualifizierung im Handwerk und Finanzierungsstrukturen werden über Jahre aufgebaut. Politische Volatilität – selbst wenn sie sich am Ende als weitgehend folgenlos erweist – wirkt hier unmittelbar als Investitionsbremse.
Ein Markt, der gerade wieder funktioniert
Das macht die aktuelle Situation besonders sensibel. Der Wärmepumpenmarkt hat sich zuletzt deutlich erholt: Erstmals wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft, die Antragszahlen in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bleiben auf einem erhöhten Niveau stabil, und jeder eingesetzte Förder-Euro löst ein Vielfaches an privaten Investitionen entlang der Wertschöpfungskette aus.
Kurz: Der Markt begann wieder zu funktionieren.
Gerade deshalb wäre es fatal, wenn allein durch politische Ankündigungen erneut Verunsicherung entsteht. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell offene Gesetzesnovellen, abrupte Förderänderungen oder widersprüchliche Kommunikation Investitionsentscheidungen ausbremsen. Ein erneutes Marktchaos würde nicht nur einzelne Unternehmen treffen, sondern das Tempo der Wärmewende insgesamt drosseln.
Rechtsrahmen: Stabilität ist ein Standortfaktor
Solange kein neues Gesetz beschlossen und in Kraft getreten ist, gilt der bestehende Rechtsrahmen des GEG unverändert fort. Das GEG steht dabei nicht isoliert, sondern setzt europäische und nationale Vorgaben um – insbesondere aus dem EU-Klimarecht und aus europäischen Richtlinien wie der Gebäuderichtlinie (EPBD) und der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) sowie aus nationalen Klimaschutzzielen. Änderungen am GEG sind daher zwar möglich, müssen aber mit den übergeordneten europäischen und nationalen Verpflichtungen vereinbar sein, um Rechts- und Umsetzungsrisiken zu vermeiden.
Aus Branchensicht ist klar: Häufige Richtungswechsel erhöhen Unsicherheit, verteuern Kapital und verzögern den Aufbau von Produktions- und Handwerkskapazitäten. Stabilität ist damit nicht nur ein ordnungspolitisches Prinzip, sondern ein handfester Standortfaktor.
Förderung und Regulierung: Weiterentwicklung statt Neustart
Auch bei der Förderarchitektur ist weniger Aktionismus und mehr Kontinuität gefragt. Die Heizungsförderung im Rahmen der BEG ist integraler Bestandteil des bestehenden Ordnungsrahmens und wird breit genutzt. Der anhaltende Markthochlauf zeigt, dass Regulierung und Förderung in ihrer aktuellen Ausgestaltung grundsätzlich wirken.
Vor diesem Hintergrund wird aus der Branche – unter anderem vom Bundesverband Wärmepumpe – davor gewarnt, funktionierende Strukturen leichtfertig infrage zu stellen. Abrupte Eingriffe oder ein vollständiger Systemwechsel würden einen der wenigen derzeit wachsenden Industriezweige in Deutschland treffen – genau in dem Moment, in dem Produktionskapazitäten ausgebaut, Arbeitsplätze geschaffen und Lieferketten stabilisiert werden.
Hinzu kommt: Zentrale Elemente des GEG, insbesondere die 65-Prozent-Vorgabe, lassen sich nicht ersatzlos streichen, ohne in Konflikt mit nationalem und europäischem Recht zu geraten. Neue Regelungen müssen daher mindestens die gleiche Wirksamkeit für die Wärmewende entfalten wie der bestehende Rahmen.
Evolution statt Bruch
Für die Branche ergibt sich daraus ein klarer Anspruch an die Politik: Reformen müssen evolutionär erfolgen, nicht disruptiv. Ein Gebäudemodernisierungsgesetz kann sinnvoll sein, wenn es bestehende Regelungen vereinfacht, systematisch weiterentwickelt und europarechtliche Vorgaben konsistent umsetzt. Symbolische Brüche hingegen erzeugen Unsicherheit – ohne einen Mehrwert für Klimaschutz oder Markt.
Die Wärmewende im Gebäudesektor ist kein Experimentierfeld für kurzfristige Narrative. Entscheidend ist nun, ob der bestehende Rahmen die notwendige Stabilität erhält, um Investitionen in dauerhafte Wirkung zu überführen.
— Der Autor Jasper Honig leitet bei Aira den Bereich Förderung & Finanzierung. Aira ist ein europäisches Clean-Energy-Tech-Unternehmen mit Fokus auf die Elektrifizierung von Gebäuden und integrierte Wärmepumpenlösungen. Honig befasst sich täglich mit der praktischen Umsetzung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), der Entwicklung zugänglicher Finanzierungsmodelle sowie den Auswirkungen regulatorischer Rahmenbedingungen auf Markt, Investitionen und Nachfrage im Wärmesektor. —
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