Naturstrom realisiert erstes gefördertes Photovoltaik-Mieterstromprojekt in Berlin

Die letzten Solarmodule werden in den kommenden Tagen noch installiert. Mitte September soll die Photovoltaik-Anlage mit 83,75 Kilowatt in Berlin fertiggestellt sein. Im Dezember werden die ersten Mieter einziehen, heißt es von Seiten des Immobilienunternehmens pro.b. Naturstrom hat am Donnerstag zur Besichtigung der neuen Anlage in Berlin-Friedrichshain auch die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries geladen. „Es ist spannend zu sehen, wie Gesetze in die Tat umgesetzt werden“, erklärte die scheidende Bundeswirtschaftsministerin.

Nach ihrer Amtsübernahme hatte sie im Februar das Photovoltaik-Mieterstromgesetz angekündigt und noch rechtzeitig vor Sommerpause und Wahl die Verabschiedung erreicht. Nun fehlt allerdings noch die beihilferechtliche Genehmigung für das Gesetz von der EU-Kommission, bevor der Zuschuss für Photovoltaik-Mieterstrom wirklich fließen kann. Es zeichne sich ab, dass Brüssel keine Einwände geltend machen werde, erklärte Zypries bei dem Termin. Die Genehmigung erwarte ihr Ministerium noch vor Jahresende.

Für Naturstrom ist es das zweite Photovoltaik-Mieterstromprojekt, das es in Berlin mit pro.b umsetzt. Es sei das erste, das nun nach den Vorgaben für die Förderung errichtet worden sei und für den Naturstrom den Zuschuss beantragen werde, erklärte Vorstand Tim Meyer. Er erklärte, dass die Photovoltaik-Anlage etwa 30 bis 35 Prozent des erwarteten Komplettverbrauchs erzeugen werde. Naturstrom erwartet, dass etwa 70 Prozent des erzeugten Solarstroms direkt von den Mietern verbraucht werden. Der Zuschuss für den Mieterstrom liegt bei 2,2 bis 3,8 Cent pro Kilowattstunde – abhängig von der Größe der Photovoltaik-Anlage.

Meyer nutzte die Anwesenheit der Ministerin, um nochmals einigen Änderungswünschen Nachdruck zu verleihen. Zum einen sei die Preisbildung sehr kompliziert und aufwändig im Gesetz ausgestaltet. So ist festgeschrieben, dass die Höhe der Mieterstromtarife maximal 90 Prozent des Grundversorgertarifs in der Region entsprechen darf. „Die Anbieter von Photovoltaik-Mieterstrom haben ein eigenes Interesse, die Preise so günstig zu gestalten, dass sich möglichst viele Mieter beteiligen“, sagte Naturstrom-Vorstand Meyer.

Zum anderen forderte er Nachbesserungen bei der Steuerbefreiung für Immobilienunternehmen. Dem pflichtete auch Donat Kühne, Geschäftsführer von pro.b, bei. An dieser Stelle versprach Zypries noch Änderungen. „Wir müssen wegen der Steuerbefreiung in der nächsten Legislaturperiode nochmal an das Gesetz ran. Wir werden das nochmal mit dem Finanzministerium diskutieren“, so die scheidende Ministerin.

Die monokristallinen Solarmodule und Montagegestelle auf dem Dach des Wohnhauses in Berlin kommen von IBC Solar. Zudem sind Wechselrichter von SMA installiert worden. In den Tiefgaragen der Häuser würden zudem noch 32 Ladepunkte für Elektroautos installiert. „Da haben wir gleich für die Zukunft mitgedacht.“ Donat Kühne betonte auch, dass es immer einfacher sei, solche Projekte bei Neubauten gleich mit einzuplanen. Auch für den Bauherrn ist es nicht das erste Mieterstromprojekt, dass er in Berlin und Deutschland realisiert. Wie Naturstrom investierte pro.b auch schon vor der Einführung der Förderung in solche Anlagen.

Mit den geforderten Nachbesserungen würde das Gesetz noch mehr Wirkung entfalten, erklärte Meyer der Ministerin. „Danach können wir dann anfangen, über die jährliche Begrenzung von 500 Megawatt für Photovoltaik-Mieterstromprojekte zu diskutieren“, so der Naturstrom-Vorstand.