Solarstrom in Spanien jetzt ab 3,8 Cent pro Kilowattstunde möglich

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In Europa treffen wir von Seiten der Solarpraxis noch immer auch in Fachkreisen auf die Vorstellung „Solarenergie ist zu teuer“ oder „ohne Förderung funktioniert Solartechnik doch gar nicht“. Offenkundig stecken zu viele noch immer einer Art mentalen „Feed-in-tarif jet-lag“ aus den Anfangsjahren der Solarenergie, während weltweit immer neue Niedrigpreisrekorde für Solarstrom aufgestellt werden. So hat mich dann das möglichweise bereits 2017 in die Realisierung gehende Projekt der Baywa re in Spanien elektrisiert. Keine Träumerei, sondern zeitnahe Realität mit viel Potenzial und dem Beginn der Zeit nach der Markteinführung. Noch fehlt allerdings der PPA für die finale Realisierung der Anlage.

Baywa re hat mit der Vorstellung eines neuen Projektes in Spanien für einiges an Aufsehen im politischen Raum gesorgt. Stehen doch mit dem angebotenen Strompreis von 3,8 Cent/kWh und dem ausdrücklichen „Nichtverlangen“ einer Einspeisevergütung viele scheinbare Gewissheiten im Energiemarkt auf dem Prüfstand.

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Auf dem 17. Forum Solarpraxis/Forum Neue Energiewelt findet am Freitag den 11. November 2016 um 11.30 Uhr eine Paneldiskussion zum Thema „Der internationale PV-Markt: kommt der Wintersturm mit voller Macht?“ statt. Dort werden unter anderem Experten von McKinsey und IHS anwesend sein, um die Marktentwicklung zu diskutieren.Zum Programm und zur Anmeldung

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Ein weiterer Paradigmenwechsel findet statt

Solarstrom ist an den jeweils besten Standorten nun billiger als Windstrom.

Auswertungen der großen globalen Ausschreibungen der letzten Jahre zeigen eindrucksvoll die schnelle Kostensenkung der Photovoltaik- allerdings konnten die niedrigsten Werte nur in Regionen erzielt werden, denen keine Zollbestimmungen die Technologie unnötig verteuern. Mit Preisen ab 2,4 US-Cent/kWh ist der Solarstrom dabei noch inmitten seiner Lernkurve- es ist absehbar, dass Solarstrom mittelfristig noch günstiger und global verfügbar sein wird. Vergleicht man die Ausschreibungsergebnisse von Solar- und Windkraftanlagen mit dem ohne Ausschreibung staatlich festgelegten 35 Jahre gültigen Vergütungen für das Atomkraft Hinkely Point in Großbritannien, wird klar, dass es keinerlei ökonomische Rechtfertigung für Atomkraft mehr gibt. Dabei ist genügend preislicher Spielraum, um mit Speichertechnologien auch flexible Kapazitäten bereitzustellen.

Drastische Strom- Kostensenkungen in Spanien und Südeuropa sind sofort machbar

Das PV- Projekt von Baywa Re in Cadiz (Spanien) in Kürze:

Größe: 176 MWp, fest installierte Anlage

Einstrahlung vor Ort: 1670kWh/kWp

Komplette Errichtungskosten (CAPEX): 700 Euro/kWp

Betriebskosten (OPEX): 18 Eur/kWp.a.

Ein Stromlieferpreis von 3,8 Cent/kWh ergibt eine angemessene Rendite von 6,5% IRR über 25 Jahre.

Benötigt wird für die Umsetzung der Anlage ein Stromabnahmevertrag (Mindestlaufzeit 10 Jahre) mit den jeweiligen Energieunternehmen des Landes und vor allem eine klare gesetzliche Weichenstellungen zum Strommarktdesign. Verbunden gerade in Spanien mit eindeutigen und nicht zu widerrufenden gesetzlichen Regelungen. Ein neuer Einspeisetarif die über eine Umlage auf den Strompreis oder aus Haushaltsmitteln (wie im Spanienboom 2008) wird nicht benötigt. Ebenso wären nur dann Ausschreibungen sinnvoll, wenn der solare Zubau in Spanien begrenzt werden soll. Doch warum sollte man das tun, wenn der Strom – geeignete Kuppelstellen nach Frankreich vorausgesetzt – in andere Länder im europäischen Verbundnetz geliefert und dort verkauft werden könnte?

In Spanien bieten diese niedrigen Preisstellungen eine Chance für ein kostengünstige und gleichzeitig umweltfreundliche Stromerzeugung, bei der die Wertschöpfung zu über 75% (Errichtung und Import von Modulen eingeschlossen) im Inland bleibt. Exportchancen kommen hinzu.

Die Preise für Solar- und Windstrom sind in den weltweiten Ausschreibungen der vergangenen Jahre massiv gefallen. (Quelle und Grafik: BNEF) Zuletzt lagen die niedrigsten Preise für Solarstrom bei einer Ausschreibung in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei 2,42 US- Cennt/kWh.

Massive wirtschaftliche Chancen für Südeuropa

Südeuropa gehört weltweit zu den besten Standorten für Solarstrom. Zwar sind die jährlichen Einstrahlungswerte der Sonne nicht ganz so hoch wie in den Wüsten Nordafrikas, Arabiens oder dem südamerikanischen Hochland, aber können mit anderen Vorteilen aufwarten:

•    Südeuropa ist ein Teil von Europa – die Länder sind politisch stabil und haben eine stabile Währung, allen Unkenrufen zum Trotz. Sie haben gleichzeitig erhebliche Solarpotenziale für die kostengünstige Deckung ihres eigenen Energiebedarfs.

•    Exportchancen: Dies gilt besonders für Spanien, welches weite Sonnenregionen mit geringen Besiedlungen hat. Für diese ergeben sich mit der Option auf den Export von billigem Solarstrom erhebliche wirtschaftliche Entwicklungschancen.

Auch für Italien, die Balkanstaaten und Bulgarien sowie Griechenland ergeben sich aus der günstigen Solarstromproduktion vor Ort massive wirtschaftliche Chancen. So ist es bereits seit längerem möglich, mit einer Kombination aus Solarstrom und Speichern die griechischen Inseln mit Strom zu versorgen. Und das weit günstiger als mit der bisherigen Produktion auf Basis von Dieselgeneratoren. Diese sind unwirtschaftlich und nur durch massive Subventionen aus dem Staatshaushalt bleiben die Stromkosten auf den Inseln erträglich. Ein Teufelskreis, der das ohnehin stark belastete Griechenland jährlich viel Geld kostet, welches besser in den Aufbau des Landes gesteckt werden sollte. Hier könnte ein EU- Aktionsplan sofort neue und langfristige Arbeit schaffen und zudem vor Ort günstigen Strom ohne jede weitere Subvention liefern. Und das im Grund jeden Tag billiger, denn die Komponentenpreise für PV- Module und vor allem für Speicher fallen weiter.

Südeuropa als Solarstromexporteur und Selbstversorger – eine solche Botschaft und ein mutiges Aktions- & Investitionsprogramm der EU könnte neben den wirtschaftlichen Faktoren und pos. Effekten in den Ländern auch neue Impulse für die EU an sich setzen. Ein Aufbruch mit Mut anstelle von permanenten Ängsten um Währungen und vor Flüchtlingen wäre sicher ein breites Signal für eine positive Zukunft in der EU.

Für den notwendigen Leitungsausbau brauchen wir eine handlungsfähige EU

Anstelle der leidigen und schädlichen Zölle auf Solarmodule aus China sollte sich die EU damit befassen, Strukturen zu schaffen und auch den klaren Willen zu formulieren, die für Solar& Windstromexporte bzw. deren großräumigen Austausch nötigen Netzumbauten und Ausbauten vorzunehmen. Denn nur mit entsprechenden Leitungen kann der Transport aus dem Süden nach Mitteleuropa auch kostenmäßig gelingen. Denn natürlich steht der Solar- & Windstrom aus dem Süden im Wettbewerb zur Erzeugung vor Ort. 

Nur wenn die Komponente „Export aus dem Süden“ systemdienlich funktioniert und zudem kostengünstig mit der Erzeugung & Speicherung auf dem eigenen Hausdach z.B. in Deutschland konkurrieren oder diese sinnvoll ergänzen kann, wird dieses Konzept aufgehen. Derzeit findet die dezentrale Entwicklung in Mitteleuropa schneller statt, eine wirklich übergreifend gedachte EU- Energiewende muss aber weiterhin das gemeinsame Ziel der Neuen Energiewelt sein.

Forderungen an die EU:

Schafft Leitungskapazitäten in den Süden: Statt Stromautobahnen in die Nordsee brauchen wir Leitungen in den Süden, um den – viel billigeren – Solarstrom von dort zu beziehen.

Schafft Klarheit im Durchleitungsdschungel: Klare Regeln für die paneuropäische Durchleitung von Strom, denen Länderregulierungen sich nicht entziehen können, müssen her.

Schafft klare Regulierungen im Netz: Es muss möglich sein, Strom z.B. in Griechenland zu produzieren und ihn in Holland an einen Tulpenzüchter zu verkaufen – auf Basis frei verhandelbarer Verträge. In vielen Ländern der EU sind solche Verträge schlicht unmöglich.

Schafft klare Marktbedingungen im Solarmarkt: Die überbordenden Importzölle für Solarmodule aus China müssen zu Gunsten eines günstigen Stromangebots in Europa fallen. Derzeit hindert die EU sich aktiv selbst daran, die südeuropäischen Länder zu entwickeln, weil sie durch die Zölle den Solarstrom in ihren eigenen Ländern künstlich verteuert.

— Der Autor Karl-Heinz Remmers ist Gründer des pv magazine und Vorstandschef der Solarpraxis "Neue Energiewelt". Persönlich treffen können Sie ihn auf dem17. Forum Solarpraxis am 10./11. November in Berlin. —-

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