Konflikte, Chancen, Friedensschlüsse

Liebe Leserin, lieber Leser!

Während die Politik weiter Kapriolen schlägt und Altmaiers Strompreisbremse fast täglich in den Nachrichten ist, werden die Konsequenzen der derzeitigen Krise täglich deutlicher. Solarworld plagen große Finanzsorgen, und das Unternehmen verhandelt mit Banken, Phoenix Solar schließt sein Deutschlandgeschäft (Seite 12), Centrosolar hat 90 Millionen Euro Schulden und muss restrukturieren. Dabei scheinen sich viele Journalisten bei Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern einig zu sein, dass die EEG-Umlage begrenzt werden muss. Aber warum fragen nur so wenige genauer nach, weshalb sie so hoch ist? Tina Ternus zeigt in ihrem Kommentar, dass die Summe, die Anlagenbetreiber gemäß EEG erhalten, im letzten Jahr nur um wenige Prozent gestiegen ist, die Umlage jedoch um 46 Prozent. Sie stellt die Frage, warum man über solche Details so wenig liest, hört und sieht (Seite 19).

In Zeiten der Strompreisbremsen und Vergütungsabsenkungen ändert sich auch der Blick der Installateure auf den dreistufigen Vertrieb (Seite 28). Bei einer Umfrage antworteten vorletztes Jahr noch 59 Prozent der Installateure, dass der Großhandel für sie der wichtigste Ansprechpartner sei, letztes Jahr waren es nur noch 37 Prozent. Es klingt widersprüchlich: Die befragten Installateure wissen anscheinend trotzdem, was sie vom Großhandel haben. Bessere Marketingunterlagen, neutralere Beratung und Schulungen sind nur einige Punkte. Auch die Hersteller haben Vorteile, über den Handel zu vermarkten. Für den Großhandel ist es vor allem wichtig, dass er mehr bietet als reine Logistik.

Wir haben schon öfter über das Verhältnis von Photovoltaik und Solarthermie berichtet. Es ist ein heftig diskutiertes Thema, das schnell Emotionen weckt. Die Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zu einem Energiemodell in Deutschland, das zu 100 Prozent regenerativ ist, zeigt, wie beide Technologien koexistieren. Dazu entwerfen die Forscher vier virtuelle Häuser, die mit verschiedenen Methoden geheizt werden. Die Berechnungen zeigen, dass bei den angenommenen Preisen 130 Gigawatt Solarthermie und 150 bis 250 Gigawatt Photovoltaikleistung sinnvoll sind (Seite 42). Allen Strompreisbremsen zum Trotz.

Viel Spaß beim Lesen, Michael Fuhs (Chefredakteur)