Ein Kontinent der Sonne

Bereits die geringe Resonanz der lokalen Presse sowie die Abwesenheit ägyptischer Regierungsvertreter zeigen die Probleme der erneuerbaren Energien in Afrika: Sie sind noch weitgehend unbekannt und das Interesse ist entsprechend gering. „Wir müssen informieren, ausbilden und die Erfahrungen anderer Länder für uns nutzen“, fordert Dieter Holm, Geschäftsführer der International Solar Energy Society (ISES), die sich seit 1954 für die Etablierung erneuerbarer Energien auf der ganzen Welt stark macht. In seiner Präsentation macht Holm deutlich, dass das Potenzial der Solarenergie gerade für Entwicklungsländer immens ist, dass sich dessen aber weder die Regierungen noch die Menschen richtig bewusst seien. „Die Ressourcen sind vorhanden, aber die Infrastruktur ist einfach unterentwickelt und es fehlt eine vernünf tige Anschubförderung“, fasst Holm die Hauptprobleme zusammen. „Es ist schon tragisch, dass die Menschen, die im Sonnengürtel leben, diese Energieform nicht nutzen können“, bedauert der ägyptische Vorsitzende der Veranstaltung, Galal Osman vom World Wind Energy Institute. Stattdessen seien solche Länder führend bei den Erneuerbaren, in denen es ständig regnet und friert wie beispielsweise Deutschland.

Millionen Fußballfans erwartet

Afrika dagegen ist der Kontinent mit der größten Sonneneinstrahlung weltweit. Trotzdem habe jedes Land andere Ausgangsbedingungen, die bei der Entwicklung und Implementierung erneuerbarer Energien gesondert betrachtet werden müssten, betonte Karim Asali, Marketing Koordinator der Sharp Solar Systems Group Europe. In Ägypten etwa boomt die Wirtschaft, und die Energienachfrage steigt beständig. Damit haben in Zukunft auch erneuerbare Energien wie die Photovoltaik gute Chancen. Südafrika steht dagegen vor der Herausforderung, vor der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010, seine Elektrizitätsversorgung ausfallsicher zu machen, um den reibungslosen Ablauf des Turniers zu gewährleisten. Millionen von Fußballfans vor dunklen Bildschirmen würden wahrscheinlich internationale Empörung auslösen. Sicherheit bringen da nur eine größere Stromerzeugung, was den Erneuerbaren auch hier den Weg ebnen könnte.

Ganz anders ist die Situation in Entwicklungsländern wie Tansania. Da ist das oberste Gebot, einem Großteil der Bevölkerung überhaupt einen Zugang zur Elektrizität zu verschaffen. Denn elektrisches Licht in den Abendstunden würde auch das Bildungsniveau der Menschen im Land deutlich verbessern.

Voraussetzung für den Erfolg erneuerbarer Energien in Afrika und dem mittleren Osten sind aber jedem Fall finanzielle Anreize. „Eine Einspeisevergütung stellt eine Möglichkeit zur Förderung dar und ist zudem bereits international erfolgreich“, meint ISES-Chef Holm. Dass sich die gesetzlichen Verankerungen positiv auf den Photovoltaikmarkt auswirken, bestätigte auch Mohamedrafik Parpia, Gründer des Installationsunternehmens Zara Solar in Tansania.

Tansania geht voran

Die Regierung des Landes beschloss bereits 2003 mit der National Energy Policy die Förderung erneuerbarer Energien. Unter anderem führte sie Steuererleichterungen für Investoren ein sowie offizielle Standards und Richtlinien für Installationen. Einzelne Projekte unterstützt der Staat direkt und gewährt zinsgünstige Kredite. Auf solcher Unterstützung basiert auch der Erfolg von Zara Solar, das sich im Nordwesten Tansanias niedergelassen hat – einem Gebiet in dem gerade mal zehn Prozent der gesamten Bevölkerung an das öffentliche Stromnetz angeschlossen sind. Deshalb hat sich das Unternehmen vor allem auf die Installation von sogenannten Solar-Home-Systems spezialisiert. Das sind kleine nicht-netzgekoppelte Photovoltaikanlagen zur Versorgung von privaten Haushalten, die vornehmlich in den ländlichen Gebieten fernab des öffentlichen Stromnetzes eingesetzt werden. Das Unternehmen wurde 2005 als Tochterunternehmen eines Elektroinstallationsbetriebs gegründet und sei sehr erfolgreich, berichtet Parpia in seiner Präsentation auf dem Podium des Africa / Middle East Renewable Energy Summit. Dennoch habe man erkannt, dass man sich nicht nur auf die Maßnahmen der Regierung verlassen kann.

Ein Blick über die Dächer

Deshalb demonstriert das Unternehmen die Funktionsweise von Photovoltaikanlagen auf Wochenmärkten und schaltet Anzeigen in regionalen Zeitungen, um die Technologie bekannter zu machen. Laut Parpia sind mittlerweile sogar große „Player“ am Markt aktiv, die dessen Entwicklung weiter nach vorne treiben. Ein Grund dafür ist sicher das qualifizierte Personal, an dem es auch in den meisten Ländern Afrikas und des mittleren Ostens nicht mangelt. „In Südafrika beispielsweise bilden die Unternehmen ihre Installateure meist selbst aus“, weiß Holm.

Solar-Home-Systems stellen eine besondere Möglichkeit dar, wie Photovoltaik in Afrika und dem mittleren Osten eingesetzt werden kann. Dass der Markt dort spezielle Erwartungen an Photovoltaikinstallationen stellt, macht ein kurzer Blick über die Dächer von Kairo deutlich. Auf den Flachdächern der Sieben-Millionen-Metropole am Nil wuchert ein Dickicht von Satellitenschüsseln und Wäscheleinen. Alles mit einem leichten Braunton versehen, bedeckt mit Wüstensand. Abgesehen von den großen Hotels würden sich also in Kairo kaum Hausdächer für die Installation einer Photovoltaikanlage eignen. Es ist schlicht kein Platz mehr da.

Das Potenzial für Sonnenstrom in diesen Ländern liegt also nicht in erster Linie in der Installation von standardisierten Aufdachanlagen. Aber solange Regierungen keine ausreichenden Förderprogramme entwickeln und die Infrastruktur für eine Netzkopplung nicht gewährleistet ist, bleibt auch der Erfolg von kapitalintensiven Großanlagen zweifelhaft.

Reichere Länder des Mittleren Ostens, wie die Ölnation Saudi Arabien, könnten die Entwicklung von Speziallösungen und damit die Etablierung von Photovoltaik im Sonnengürtel vorantreiben und als Vorbild für Afrika dienen. So denkt die Regierung in Riyadh bereits über den Einsatz von Solarenergie zur Elektrifizierung der ländlichen Gebiete nach.

Die Saudis steigen ein

Saleh Alawaji, ein Vertreter des saudi-arabischen Wasser- und Elektrizitätsministeriums berichtet in seinem Vortrag über ein Pilotprojekt in einem Dorf 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Dort wurden Module mit einer Gesamtleistung von 350 Kilowatt installiert. Sonnenenergie sei eine große natürliche Ressource in Saudi Arabien und die Möglichkeiten der Photovoltaik sollten künftig auch entsprechend genutzt werden, fordert Alawaji. Auch das indische Unternehmen Unitron Energy Systems hat Lösungen für die Elektrifizierung in ländlichen Gebieten entwickelt. Der Geschäftsführer des Unternehmens Pallavalluis Ravindranath setzt auf die Kombination von Windenergie und Photovoltaik. So können diese beiden Energieformen zuverlässig und konstant Strom liefern, erklärt Ravindranath in seiner Präsentation. Seine Inselsysteme aus Mini-Windrädern und Photovoltaikanlagen kommen vor allem auf Schulen und Krankenhäusern zum Einsatz.

Atomkraft: Nein danke!

In einem Punkt gab es in Kairo große Einigkeit: Alle wollen künftig das Potenzial der Sonne in Afrika und im angrenzenden Mittleren Osten weit stärker nutzen als bisher. Ob nun aber Solarenergie oder andere alternative Energieformen für die einzelnen Länder die Richtigen sind, konnte auf dem Africa / Middle East Renewable Energy Summit nicht abschließend geklärt werden.

Einstimmige Ablehnung gab es unter den Konferenzteilnehmern bei der Diskussion um das Thema Atomkraft. Maher Aziz Bedrous von der Egyptian Electricity Holding Company hatte in seinem Vortrag die Bedeutung der Etablierung von Nuklearenergie mit der der erneuerbaren Energien gleichgesetzt. Mit erhobenem Zeigefinger verwies er auf die Notwendigkeit, dass der steigende Strombedarf in Afrika und dem mittleren Osten nur über den zusätzlichen Einsatz von Atomenergie zu decken sei. „Die Wirkung von nuklearem Abfall ist zu vernachlässigen“, verteidigte sich Bedrous in der Diskussion. Dem hielten mehrere Teilnehmer entgegen, dass Uran in den falschen Händen Afrika zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko für die Welt machen würde. Außerdem sei eine Renaissance der Atomkraft in Afrika nicht sinnvoll, wenn das alte Europa sich gerade davon verabschiede.