Zellproduktion bei Q-Cells.
Foto: Hanwha Q-Cells

Falscher Alarm: Es gibt keinen Modulmangel

27. August 2014 | Märkte und Trends, Topnews, Hintergrund

Kommt es wirklich zu einem Engpass in der Versorgung mit Solarmodulen? Die Antwort ist nein, sagt Stefan de Haan, Analyst beim Beratungsunternehmen IHS Technology. De Haan widerspricht damit Medienberichten, nach denen es zu einer Deckungslücke zwischen Produktionskapazität und Nachfrage kommen werde.

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Wie ist die Versorgungssituation mit Solarzellen und Modulen?

Es gibt keine massive Überkapazität mehr. Trotzdem sehen wir keinen Lieferengpass kommen, die aktuellen Kapazitäten reichen aus, um den Markt in 2014 zu bedienen, den wir in unserem wahrscheinlichsten Szenario auf einen Zubau von 45,5 Gigawatt schätzen. Im Juli hatten wir sogar noch einen etwas höheren Zubau prognostiziert, ohne dass wir einen Engpass erwartet haben.

Wie entwickelt sich die Auslastung der Fabriken?

Nach einem relativ schwachen ersten Quartal verbessern sich die Nutzungsgrade der Fabriken weltweit wieder. Für die Zellfertigung sehen wir im vierten Quartal einen Nutzungsgrad von 85 Prozent, für die Modulproduktion einen Nutzungsgrad von 75 Prozent. Diese Werte weisen darauf hin, dass das Geschäft der Hersteller gut läuft und die Situation gesund ist. Sie weisen aber nicht auf einen Lieferengpass hin. Allerdings sind die führenden Zell- und Modulhersteller voll ausgelastet.

Und wenn die Nachfrage doch etwas größer ist?

In einem sehr optimistischen Szenario für die Marktentwicklung erwarten wir einen Zubau von 50 Gigawatt. Dann werden Wafer und Zellen knapp. Das würde allerdings erfordern, dass sich insbesondere die Märkte in China und Japan besser als vermutet entwickeln. Ein chinesischer Markt von 15 Gigawatt und ein japanischer Markt von mehr als 10 Gigawatt sind nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich.

Und nächstes Jahr?

Wie wir vorhergesehen haben, zeigt sich ein neuer CAPEX-Zyklus. Besonders die führenden Hersteller expandieren wieder. Das ist wichtig und notwendig, weil die Märkte wachsen. Wegen dieser Kapazitätserweiterung zeigen unsere Projektionen auch nächstes Jahr keinen Engpass an.

Wenn es keinen Engpass gibt, werden Modulpreise weiter fallen?
 
Die Preise sind in den ersten Monaten etwas gefallen. Das bestätigt unsere Ansicht, das keine Engpässe zu erwarten sind. Da in der zweiten Jahreshälfte, insbesondere im 4. Quartal, der Zubau stark steigen wird, erwarten wir, dass die  Preise in den kommenden Monaten nur noch moderat weiter fallen oder sich stabilisieren.


Hintergrund:

Die Welt veröffentlichte zunächst eine Aussage wegen der uns Leser kontaktiert haben. Dort hieß es: "Der Markt für Solarzellen und -module ist wirklich leer gefegt", sagt Stefan de Haan, Analyst beim Beratungsunternehmen IHS: "Es gibt keine großen Überkapazitäten mehr." Das Zitat wurde inzwischen gelöscht und stammt von der Nachrichtenagentur Bloomberg (siehe auch hier), die die englische Aussage "The cell and module glut has certainly dried up, there is no massive overcapacity anymore“ so übersetzt hat.

Es ist durchaus üblich, dass Berichte von Nachrichtenagenturen wie dpa, Reuters oder Bloomberg von Medien nicht erneut überprüft werden. Auch wenn ein Text beim Leser den Anschein erwecken kann, dass ein Autor mit dem Experten gesprochen hat, gibt es für solche Artikel oft keinen Kontakt. Damit ein Leser einschätzen kann, woher eine Aussage stammt und in welchem Zusammenhang sie gefallen ist, und da Quellentransparenz ein hohes Gut ist, wird die Herkunft der Nachricht mit ausgewiesen. So auch im Welt Artikel. Ganz unten, ganz klein. (Michael Fuhs)

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