Zwei Tage voller Chancen und Lösungen und einem starken Appell für verantwortungsvolles Handeln

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Zum 30. Jubiläum stand die alljährlich stattfindende Jahrestagung der bayerischen Solarinitiativen am 24. und 25. in der Solarstadt Ebersberg ganz unter dem Eindruck des großen Aufbruchs, neuer Chancen und vielfältiger Lösungen für eine erfolgreiche Energiewende. Zugleich überschattete der Jahrestag des schrecklichen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine die zwei Tage und brachte die vielen verpassten Chancen der letzten Jahrzehnte und den Einfluss und das Wirken der fossilen Energiewirtschaft ins Bewusstsein.

Nach zwei coronabedingten Online-Jahrestagungen (2021/2022) schätzten die 250 Teilnehmenden die Möglichkeit des unmittelbaren persönlichen Austauschs. Der Alte Speicher Ebersberg bot den 250 Teilnehmenden dafür ein hervorragendes Ambiente. Die Organisator*innen, ein Team engagierter Enthusiasten aus der Region, hatten ein anspruchsvolles und vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. Dabei geht es schon seit Jahren bei der „ABSI“ nicht mehr einzig um Solarenergie, sondern um alle Prozesse des ökologischen Umbaus der Energieversorgung einschließlich Wärme und Mobilität. Bezeichnend ist, dass es dabei nicht allein um neue technologische Fortschritte geht, sondern auch um so dringend notwendige gesellschaftliche und politische Entwicklungen.

All das reiht sich unter dem Motto der Veranstaltung ein: Mit Sonne, Wind & Co – gemeinsam 100 % unabhängig – Die Energie- und Klimakrise meistern.

Vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal, darunter Vorstände und Aktive der Solar-, Energiewende- und Klimaschutzvereine, Mitarbeitende aus Kommunen und Verwaltung, Fachleute aus Wissenschaft, Handwerk, Industrie und Handel, eröffneten ABSI-Sprecher Werner Hillebrand-Hansen und Ebersbergs erster Bürgermeister Ulrich Proske die Jubiläums­tagung.

Die anschließende Keynote, präsentiert von Hans Gröbmayr, dem ehemaligen Klimaschutzmanager des Landkreises Ebersberg und in dieser Funktion Gründer sowohl der Bürgerenergiegenossenschaft Ebersberg sowie des Netzversorgers EBERwerk, stellte das Thema Verantwortung in den Mittelpunkt. Sehr überzeugend verkörperte er die Rolle eines Durchschnittsbürgers, der sich durch Nicht-Ändern-Wollen aus der Verantwortung stiehlt – herausgefordert von einer jungen „Klimakleberin“. Lea Steiner gelingt es, mit einem Ritt durch die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, ihm den Spiegel vorzuhalten und in die Verantwortung zu ziehen: „Denn wir müssen endlich Verantwortung übernehmen, denn wir bestimmen heute, wie die Welt morgen aussieht!“ Was notwendig ist, um endlich statt leerer Bekundungen und Absichtserklärungen bei der Energiewende wirkungsvoll voranzukommen, zeigten sie gemeinsam auf: Mut, große Schritte, Irrlichtdiskussionen unterlassen, Ziele setzen und einhalten und schließlich Ehrlichkeit. Ihr Auftritt und abschließende Forderung an Politik, Medien und Gesellschaft, Verantwortung zu übernehmen, wurde vom Publikum mit tosendem Applaus bedacht.

Anschließend gab Leonhard Probst vom Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ISE mithilfe der Energy Charts tiefe Einblicke in die europäische Stromversorgung in Krisenzeiten und widerlegte anhand der Fakten so manches Mythos derjenigen, die eine 100 Prozent regenerative Stromversorgung mit scheinheiligen Argumenten in Frage stellen. Eindrucksvoll sein Ländervergleich, der belegt: Staaten mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien und hoher Erzeugungskapazität wie Norwegen, Schweden und Irland haben stabile niedrige Strompreise, fehlt beides, sind die Strompriese hoch. Sein Fazit und Ausblick: Reduktion der CO2-Emissionen gemäß dem Klimaschutzgesetz 2021 ist möglich, Solar- und Windenergie werden Rückgrat der Energieversorgung, jedoch sind mit jährlich 20 Gigawatt Solar und 15 Gigawatt Wind höhere Zubauraten nötig. Und definitiv brauche es jetzt Taten statt Worte!

Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, führender Landschaftsarchitekt mit Forschungsschwerpunkt u. A. in neuen ländlichen Kultur- und Energielandschaften, präsentierte innovative Gestaltungskonzepte von Wind- und Solaranlagen mit dem Ziel einer harmonischen Einbindung in die Landschaft. Er plädierte für einen Wandel der Planung, damit die beispiellose Zustimmung der Bevölkerung für die Transformation unserer Energieversorgung erhalten bleibt. „Mit einer aufbauenden, partizipativen Positivplanung, mit Regeln für geeignete Standorte, gute Dimensionen und Proportionen sowie identitätsstiftende Bezüge zur bestehenden Landschaft kann die Energiewende nicht nur ökonomisch und ökologisch, sondern auch sozial und ästhetisch gelingen.“

Über die neuesten politischen Entscheidungen auf Bundesebene und die weitergehenden Forderungen für die Solarwirtschaft referierte anschließend Jörg Ebel vom Bundesverband Solarwirtschaft. „Es geht darum, den Kurs auf 22 Gigawatt jährlich zu halten und alle Weichen so zu stellen, damit wir die erforderlichen Zubauziele erreichen können.“ Solarenergie boomt, und die eingeführten Erleichterungen werden für Eigenheim-PV, im Gewerbe und bei Freiflächen-PV den Trend verstetigen. Doch gäbe es im Solarbereich noch einiges zu tun, denn „bei Solarthermie dürfen wir nicht kleckern, sondern müssen klotzen!“

Ein Schlaglicht auf die Bundes- und Landespolitik und Antworten auf die Frage „Schaffen wir jetzt die Energiewende?“ lieferten MdB Lisa Badum und MdL Martin Stümpfig. „Wir müssen endlich die politischen Blockaden beenden, beim Windausbau Tempo machen und die Bremsen bei der Solarenergie lösen!“ so die klare Forderung der Obfrau im Ausschuss für Klimaschutz und Energie, „insbesondere in Süddeutschland gibt es viel ungenutztes Potenzial.“ Vieles ist auf den Weg gebracht, doch noch sind weitere wichtige und für den Erfolg entscheidende Vorhaben wie Energy Sharing und der Ausbau der Klima- und Energiepartnerschaften umzusetzen.

„Es geht viel mehr im Sonnenland Bayern“, forderte anschließend MdL Stümpfig und erläuterte, wie Bayern klimaneutral bis 2040 werden kann. Dabei benannte er auch die Problemstellen wie erforderlichen Netzausbau und das durch 10H erfolgte massive Defizit beim Windenergieausbau. „Der Schlüssel zum Erfolg ist die Energiewende für alle, denn Teilhabe und Beteiligung schafft Vertrauen und Planungssicherheit“, stellt er heraus und erläutert einen breiten Instrumentenkasten zur Beteiligung der Bürgerschaft und Kommunen.

Frischer Wind statt heißer Luft – die Aufbruchsstimmung des ersten Tages setzte sich auch am Abend fort. Mit Gstanzln, wohl gesetzten Spitzen und einem ganzen Schwung an Instrumenten rundeten Hans Well und seine Wellbappn den ersten Veranstaltungstag ab.

Der zweite Tag startete traditionell mit dem offiziellen Treffen der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solarinitiativen sowie des Solarverbands Bayern. Für sein langjähriges Engagement für die Energiewende und Solarthemen wurde Franz Lichtner, langjähriger ABSI-Sprecher und im Orga-Team der diesjährigen Veranstaltung, mit dem „Sonnenstrahl“ ausgezeichnet. „Bayern braucht einen starken Solarverband – und braucht starke Engagierte“, forderte anschließend Bernd Kerscher, Vorstand im Solarverband Bayern e.V., Dachverband und Interessenvertretung für Photovoltaik und Solarthermie in Bayern.

Ein Schlaglicht auf die Entwicklung der erneuerbaren Energien global und national warf Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group. In einem aufrüttelnden Vortrag erläuterte er die Energie-Preisexplosion bei den fossilen Energien sowie systemische Fehler, bedingt durch das Merit-Order-Modell, Abhängigkeit von französischen Atomstrompreisen, die verheerenden Folgen der Ausschreibungen und der Investitionen in fossile Energien, die immer noch fast doppelt so hoch sind wie in die erneuerbaren Energien. Am Ende stand sein hoffnungsvolles Fazit: „Wenn die Bürgerenergien endlich auch die massive notwendige Unterstützung mit politischen Entscheidungen in Brüssel, Berlin oder München bekommen, dann werden 100% Erneuerbare Energien bis 2030 Realität werden.“

Auf zwei Parallelbühnen folgten anschließend Vorträge zum Schwerpunkt „Umsetzung der Energiewende“.

Im Bürgersaal Unterm First erläuterte Klimaschutzmanager Christian Siebel die Energiewende der Solarstadt Ebersberg, ausgerichtet auf die rhetorischen Frage, ob das Ziel erreichbar ist. Ein konkretes Solarprojekt mit langer Historie stellten die Architekten Udo Rieger und Christian Stalla vor: abgelehnt – verbrannt – genehmigt, die Geschichte der PV-Anlage auf dem Dach des Ebersberger Museums für Wald und Umwelt. „Mein Haus wird wieder jung“ versprechen Raimund Becher und Hans Stanglmaier von den Solarfreunden Moosburg e.V., die eine Seminarreihe für die energetische Gebäudesanierung vorstellten.

Parallel dazu gab Rudolf Fleischmann Antworten auf die Frage, welche Lösungen die Gemeinwohl-Ökonomie für Lieferketten und Produktion bereithält, dies auch vor dem Hintergrund des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) und anhand von Umsetzungsbeispielen aus der Praxis.

Ist der schleppende Netzausbau ein Hemmschuh der Energiewende? Ja schon, so das Fazit von Dr. Markus Henle, Geschäftsführer vom EBERwerk, dem regionalen Energieversorgungsunternehmen. Gesetzliche Rahmenbedingungen drängen die Netzwirtschaft per se in eine „reagierende und abwartende“ Rolle, die Auslegung „technisch wirtschaftlicher Netzverknüpfungspunkt“ kann gar das wirtschaftliche Aus für manche EE-Projekte bedeuten. Und Bürokratie, Fachkräftemangel und Liefersituation von Material ist auch in der Netzwirtschaft gegenwärtig. Aber: „Auf den lokalen Strombedarf ausgerichtete Erzeugung kann in fast allen Fällen realisiert werden.“

Der Frage, wie die Energiewende im ländlichen Raum gelingen kann, widmete Andreas Engl seinen Vortrag. Er ist Gründer und Geschäftsführer der der regionalwerke, einem jungen Unternehmen mit sieben Mitarbeitern, die Geschäftsmodelle für die Energiewende entwickeln und von der Verwaltung für ländliche Entwicklung in Bayern (BZA) beauftragt wurden, eine Konzeptstudie für „virtuelle Gemeindewerke“ zu erstellen. Ziel ist die gemeinwohlorientierte Förderung der Daseinsvorsorge in ländlichen Kommunen, Sicherung der Akzeptanz in der Bevölkerung und Wertschöpfung in der Region. „Energy Sharing und Energiegemeinschaften sind der „Missing Link“ für die erfolgreiche Energiewende“, so Engl, der sich auch für Energiewendeprojekte im Einklang mit der Natur einen Namen gemacht hat.

Was können gerade Kommunen, aber auch Unternehmen und Organisationen tun, um Energiewendeziele wirklich zu erreichen? Wie können Bedingungen geschaffen werden, die dem notwendigen Veränderungsprozess Rückenwind geben und bestehende Blockaden auflösen? Dr. Kerstin Gollner lieferte dazu Tipps und Tricks aus dem Transformationsmanagement, die auf langjährigen Erfahrungen von großen Veränderungsprojekten in der Industrie beruhen und auf die besonderen Herausforderungen im Klimaschutz aufbereitet und übertragen wurden: Von der guten Vision über einen sinnvollen, aber pragmatischen Werkzeugkasten, mit Kooperationen bis zur effizienten Quervernetzung und Priorisierung, ergänzt durch echte Bürgerbeteiligung. Ihre Empfehlung an Verantwortliche in Kommunen und Landkreisen: „Bilden sie ein Klimaverantwortungsteam um sich und sorgen Sie für eine klare, quervernetzte und verantwortliche Rolle der Klimaschutzmanager und -managerinnen. Machen sie klar, dass dieses Team Ihre Unterstützung und Aufmerksamkeit hat!“

Das Thema Bürgerbeteiligung war allgegenwärtig auf der Veranstaltung. Die EnergieGenossenschaft Inn-Salzach eG (EGIS eG) steht für eine dezentrale, nachhaltige und vor allem von Großinvestoren unabhängige Energieversorgung. Pascal Lang, Vorstandsvorsitzender der EGIS eG, stellte am Beispiel des Großprojektes im unterfränkischen Bundorf den ganzheitlichen Ansatz einer Versorgung mit Strom, Wärme und E-Mobilität in Bürgerhand vor. „Die EGIS sichert 100 Prozent regionale Wertschöpfung“, so Lang, „unsere Genossenschaft ist unseren Mitgliedern und Kunden verpflichtet und im Vordergrund steht die Nutzenmaximierung.“ Ergänzt wurde das Thema Bürgerenergie durch den Beitrag von Joachim Hellriegel von der BEG eG im Landkreis Ebersberg, der ausführte, wie Bürgerenergiegenossenschaften die Akzeptanz von Energieanlagen verbessern helfen.

Dass es „ohne Wind keine Wende“ geben kann, brauchte Hans Zäuner den Anwesenden nicht erklären. Was er als Windkraftpionier im Landkreis Ebersberg zu berichten hatte, fand viel Beifall. Zusammen mit 15 weiteren Genossen ist er Besitzer und Betreiber des einzigen Windrades im Landkreis, ein Projekt, das noch kurz vor Einführung der 10H-Bremse beantragt wurde und dennoch viele Hürden nehmen musste. „Bürgerwind ist regionale Wertschöpfung“, so Zäuner, „angefangen bei Pachtzahlungen an die Grundstückseigner vor Ort, Gewerbesteuereinnahmen für die Standortgemeinde, Ausschüttung an die Gesellschafter vor Ort bis zur Finanzierung mit regionalen Banken.“ Gemeinschaft, Heimat, Lebensraumerhaltung, das ist sein Credo auch für zukünftige Windenergieprojekte in der Region.

In der Parallelsession informierte Andreas Henze, Vorstand im Solarverband Bayern sowie Vorstand der Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land, über die die Neuerungen im EEG 2023 sowie in weiteren Gesetzen mit Relevanz zur Energiewende. „Das EEG 2023 ist seit langem die erste EEG-Novelle mit dem Ziel, die erneuerbaren Energien zu befördern und nicht auszubremsen“, fasste Henze zusammen und erläuterte die Details der Änderungen. Kritik übte er an dem getrennten Aufbau von Voll- und Überschusseinspeisungsanlagen und Beschränkungen für Bürgerenergie-Genossenschaften. „Noch offene Punkte sind der dringend benötigte Netzausbau, ein Paradigmenwechsel vom Höchstausbau zum Mindestziel, die Zusammenführung der Volleinspeisung mit dem Eigenverbrauch und die Umsetzung von Energy Sharing,“ so der Solarexperte.

Wie können Mieterstromprojekte realisiert werden? Das erläuterte Dr. Andreas Horn, PV-Experte und Fachplaner, Solardoktor und seit 2020 Solarkoordinator für Photovoltaik der Landeshauptstadt München. Am Anfang steht die Entscheidung das passende Mieterstromkonzept resp. Umsetzungskonzept und Messkonzept zu finden. „Die Erneuerbaren müssen mehr Systemverantwortung übernehmen, und dazu ist eine Systemintegration wichtig“, fordert Horn, „wir müssen den Wandel schaffen von verbrauchsorientierter Erzeugung des fossilen Energiesystems hin zu erzeugungsorientiertem Verbrauch im erneuerbaren Energiesystem.“ Auch Mieterstrom kann zur Systemintegration beitragen, das erfordert ganzheitliches Denken und die richtigen Anreize schaffen und nutzen. Sein abschließendes Plädoyer: „Nur Mut zu mehr PV-Mieterstrom, auch wenn‘s komplex erscheint!“

Am Vormittag bei der Exkursion zur Firma Canon Production Printing Germany GmbH & Co. KG in Poing konnten sich ABSI-Teilnehmende vor Ort ein Bild von den Energiewendeprojekten des weltweit führenden Anbieters von digitalen Druck-Lösungen machen. Besonders beeindruckend war die Besichtigung der 1,8 Megawatt-PV-Anlage auf dem Dach, mit rund 5700 Solarmodulen auf 33.000 Quadratmetern Dachfläche eine der größten im Landkreis. In seinem Vortrag führte Harald Metzger aus, wie Klimaneutralität zu Ende gedacht werden kann. „Denn“, so Metzger, „dass die Industrie eine klimaneutrale Produktion ihrer Produkte anstrebt, ist gut, aber bei weitem nicht ausreichend.“ Anhand des Greenhouse Gas Protocols und der bei Canon daraus gewonnen Erkenntnisse zeigte er auf, wie es gelingen kann, die Nachhaltigkeit in jeder Phase der Herstellungsprozesse – von Scope 1 bis 3 – zu optimieren und so auch seine Kunden zu unterstützen, ihre Umweltbilanz zu verbessern. Im Zentrum der Aktivitäten bei Canon steht die Kyosei-Philosophie: „Gemeinsam Arbeiten und Leben für das Gemeinwohl“. Viele Beispiel zeigen, wie diese Ziele in der Praxis des Unternehmens gelebt werden, angefangen bei Maßnahmen für eine klimafreundliche Mobilität der Mitarbeitenden über Förderung der Biodiversität auf dem Firmengelände bis hin zu Heizen mit Geothermie, Abwärmenutzung und Kühlen mit Grundwasser. „Wir verfolgen diese visionäre Nachhaltigkeitsstrategie, sodass diese in 10 bis 20 Jahren mehrheitsfähig wird“, so der Leiter der Abteilung Energy & Projects.

Mehr als eine Landkarte brauchte er nicht, um zu zeigen, wie sich seine Gemeinde Fuchstal auf den Weg gemacht hat und bis 2024 schließlich energieautark werden wird. Erwin Karg, seit über 20 Jahren erster Bürgermeister der kleinen Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech, setzt dabei voll auf gemeindliche Anlagen, denn: „So bleibt das Geld im Dorf!“ Der Erfolg der umgesetzten Maßnahmen gibt ihm recht: Es gibt im Ort eine Biogasanlage mit angeschlossenen Blockheizkraftwerken und ein Hackschnitzelheizkraftwerk. Die Wärme wird in ein eigenes Wärmenetz geliefert, in das auch überschüssiger Strom aus den bald sieben Windkraftanlagen und vielen Photovoltaikanlagen eingespeist werden kann. Das Nahwärmenetz umfasst 15 Kilometer Länge und versorgt 150 Wohnungseinheiten, demnächst sind es 450. In einer Scheune sind die Schaltstelle sowie etliche Container mit Lithium-Ionen-Akkus untergebracht, in denen bis zu 5,8 Megawatt pro Stunde Strom zwischengespeichert werden kann. „Widerstände gibt es schon lang nicht mehr – und Diskussionen auch nicht“, erklärte er launig, „wenn du vorwärtskommen willst, musst du einfach Gas geben.“

Ebenso vielseitig wie die Vorträge war auch das Informationsangebot der Unternehmen und Organisationen, die durch ihr Sponsoring halfen die Veranstaltung in diesem Rahmen zu finanzieren. Aus der Region präsentierten sich die Bürgerenergiegenosssenschaft Ebersberg, der Bund Naturschutz Ebersberg, das EBERwerk, der Förderverein der Energieagentur Ebersberg-München, die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, fair-Grafing Weltladen und die Gemeinwohl-Ökonomie. Weitere lokale Unterstützer waren Rothmoser Grafing, die NEAG aus Oberpframmern, Power2Nature aus Forstinning, Wochermaier & Glas aus Grafing mit Paradigma und weitere überregionale Anbieter konnten an Ständen Ihr Leistungsspektrum demonstrieren.

„Wir sind stolz, dass wir als Ehrenamtliche so ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt haben – und am Ende alles geklappt hat“, so Bärbel Zankl vom lokalen Orga-Team. Möglich wurde dies durch die Unterstützung der erfahrenen ABSI-Sprecher, des ergon e.V. aus Hadern, unseren Moderator Hans Urban und die Firma Canon in Poing und Kern-Energie aus Pliening, die die Exkursionen am Freitagvormittag angeboten haben. „Ein ganz großer Dank geht an alle Mitarbeitenden im Alten Speicher und an das Team im Cafe Mala, die die 250 Teilnehmenden bestens – natürlich vegetarisch bzw. vegan – verköstigt haben!“

Kontakt:

Bärbel Zankl
T 08093 5433
baerbelzankl@t-online.de