Wieviel kostet die Finanzierung von erneuerbaren Energien?

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Brüssel, 10. Februar 2016 – Zwischen Mitgliedstaaten der Europäischen Union variieren die Kosten der Finanzierung von Windenergie stark. Während die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) im Jahr 2014 in Deutschland nur bei 3.5% lagen, betrugen sie bis zu 12% in Griechenland. Grund sind unterschiedliche, auch politisch induzierte Risiken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Rahmen des DiaCore-Projekts, welche erstmals die Kapitalkosten für Windenergie an Land europaweit verglichen hat. Die Studie wurde von Ecofys, Fraunhofer ISI, eclareon, EPU-NTUA, TU Wien und LEI durchgeführt und von der Exekutivagentur für die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (EASME) gefördert.

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens 20 % ihres Primärenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien zu decken. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jährlich 60 bis 70 Milliarden EUR in erneuerbare Energien investiert werden[1]. Da erneuerbare Energien im Vergleich zu konventionellen sehr kapitalintensiv sind, spielen Kapitalkosten eine entscheidende Rolle bei der Bewertung der Attraktivität einer Investition und den Kosten der Zielerreichung.

Die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten werden durch Fremd- und Eigenkapitalkosten bestimmt. Unter Fremdkapitalkosten versteht man die Zinsrate, unter Eigenkapitalkosten die Renditeerwartung der Eigenkapitalgeber. Steigen Zinsrate und Renditeerwartung, so steigen die Kapitalkosten und damit die Gesamtkosten eines Projektes. Im Jahr 2014 lagen die Eigenkapitalkosten für Windenergie an Land zwischen 6% in Deutschland und mehr als 15% in den drei baltischen Staaten, Griechenland, Rumänien und Slowenien. Die Fremdkapitalkosten variierten zwischen 1.8% in Deutschland und 12.6% in Griechenland. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Anteile für Fremd- und Eigenkapital an der Gesamtfinanzierung, so führt das zu gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten von 3.5% bis 12%.

“Die Schere der Kapitalkosten zwischen EU-Mitgliedsstaaten geht auf. Projektentwickler sehen sich an allen Punkten der Projektplanung mit unterschiedlichen Finanzierungsbedingungen konfrontiert. Wodurch diese Abweichung zu Stande kommt? Die Risiken für Investoren sind länderabhängig und bei risikoreichen Investitionen steigen die Kapitalkosten durch Risikoaufschläge.“, erklärt David de Jager, Principal Consultant bei dem Beratungsunternehmen Ecofys.

Im Rahmen des DiaCore-Projektes hat das Forschungskonsortium mehr als 110 Interviews mit Banken und Projektentwicklern durchgeführt. Bei der Risikobewertung berechnen Investoren neben allgemeinen landesabhängigen Risiken insbesondere die politisch induzierten Risiken für erneuerbare Energien ein, also die Ausgestaltung und Verlässlichkeit des Fördersystems und der Ausbauziele. Sind die Rahmenbedingungen unsicher, zum Beispiel da rückwirkende Änderungen nicht ausgeschlossen werden können, steigen die Kapitalkosten und damit die Kosten um den anvisierten Anteil von erneuerbaren Energien am Energiesystem zu erzielen.

Mithilfe des Green X Models wurde von den Experten berechnet, dass EU-weit die Kosten für den Ausbau der Onshore Windenergie um mehr als 15% gesenkt werden könnten, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen in allen EU Mitgliedsstaaten auf die Qualität der besten anglichen. Eine Reduzierung der spezifischen Länderrisiken würde die Kosten noch weiter absenken.

Ausführliche Informationen und der Bericht stehen zum Download verfügbar unter diacore.eu.

[1]Financing Renewable energy in the European Energy market, Ecofys, Ernst & Young, Fraunhofer ISI, TU Vienna, 2010

Grafik: Gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten (WACC) für Windenergie an Land in den 28 Mitgliedsstaaten der EU
Quelle: Ecofys et al. 2016

Redaktioneller Hinweis, nicht zur Veröffentlichung:

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Ansprechpartner:
Dr. Corinna Klessmann, c.klessmann@ecofys.com, +49 30 297 735 7921

Über das DiaCore-Projekt

Im Rahmen des DiaCore-Projektes werden Fördermechanismen für erneuerbare Energien kontinuierlich bewertet. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Finanzierungsbedingungen. Die Ziele von DiaCore sind insbesondere:

Eine Anpassung der Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien in der EU zu erleichtern.
Investitionen und Koordination zwischen Mitgliedsstaaten zu fördern, indem ein Dialog zwischen allen betroffenen Akteuren nachhaltig etabliert wird.

DiaCore ergänzt die Evaluierung der Europäischen Kommission über den Ausbau von erneuerbaren Energien seitens der Mitgliedsstaaten im Rahmen ihrer Verpflichtungen bis 2020. Methodisch werden dabei Ansätze und Ergebnisse aus vorherigen IEE-Projekten weiterentwickelt (OPTRES, RE-Shaping). In einer interaktiven Datenbank werden detaillierte Ländervergleichsstudien präsentiert. Mit dem Green-X-Models können die Auswirkungen von Regulierungen quantifiziert werden und damit die Diskussion über die besten Wege zur Zielerreichung bis 2020 und 2030 bereichert werden.

Ecofys – Experts in Energy
Ecofys wurde 1984 mit der Mission gegründet, „eine nachhaltige Energieversorgung für alle“ zu verwirklichen. Als führendes Beratungsunternehmen ist Ecofys heute der Experte für Erneuerbare Energien, Energie- & CO2-Effizienz, Energiesysteme & -märkte sowie für Energie- & Klimapolitik. Der Erfolg beruht auf dem Zusammenwirken dieser Kompetenzbereiche. Ecofys erstellt intelligente, effektive und nachhaltige Lösungen für und mit internationalen Kunden aus dem öffentlichen und privatwirtschaftlichen Bereich. In Belgien, den Niederlanden, Deutschland und dem Vereinigten Königreich arbeiten bei Ecofys über 200 Experten an Lösungen für die aktuellen Energie- und Klimafragen.

Kontakt: Marielle Vosbeek, Ecofys Press Office, press@ecofys.com, +31 30 662 3402

Fraunhofer ISI
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Kontakt: Barbara Breitschopf, barbara.breitschopf@isi.fraunhofer.de, +49 721 6809 356

eclareon
eclareon ist ein international tätiges Beratungsunternehmen mit Fokus auf die Sektoren erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimapolitik. Wir beraten öffentliche Institutionen in politischen, ökonomischen und rechtlichen Fragen zu europäischen und globalen Energiemärkten. Für öffentliche Institutionen entwickeln wir Optionen zur Bewertung und Anpassung von Förderinstrumenten und ökonomische Analysen. Basierend auf diesen Analysen analysieren wir die Machbarkeit von innovativen Geschäftsmodellen für erneuerbare Energien und adäquate Finanzierungsinstrumente. Desweiteren unterstützen wir Unternehmen bei der Identifikation von erfolgreichen Geschäftsmodellen und bei der Strategieentwicklung zur Erschließung neuer Märkte. Seit 10 Jahren arbeiten wir erfolgreich als Teil der Programme „Intelligente Energie – Europa“ und „Siebtes Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung“.

Kontakt: Robert Brückmann, rb@eclareon.com, +49 1577 133 73

EPU-NTUA
EPU-NTUA (Decision Support Systems Laboratory under School of Electrical & Computer Engineering of NTUA) ist eine multidisziplinäre wissenschaftliche Arbeitsgruppe mit Forschungsaktivitäten in den Bereichen Management und Entscheidungshilfen für erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Klimawandel, nachhaltige Entwicklung und Energieeinsparung. EPU-NTUA wurde im Jahr 1980 gegründet, wächst seitdem kontinuierlich und erweitert dabei sowohl sein Spektrum an Aktivitäten als auch seinen geografischen Fokus. Heute sind mehr als 80 hochqualifizierte Forscher und Experten Mitglieder bzw. enge Mitarbeiter der EPU-NTUA, bereit, innovative wissenschaftliche Dienstleistungen anzubieten.

Kontakt: Dr. Haris Doukas, h_doukas@epu.ntua.gr, +30 210 7724729

Technische Universität Wien/Energy Economics Group
Die Energy and Economics Group (EEG) an der Technischen Universität Wien (TUW) beschäftigt laufend rund 30 wissenschaftliche Mitarbeiter mit Expertise in unterschiedlichen Fachgebieten, welche die Auswirkungen von Energiepolitiken und -Maßnahmen auf europäischen Level analysieren und bewerten werden. Die Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Energiemodellierung, Energiepolitik, Erneuerbare Energien, Energiesystemen und Klimawandel. Mit dieser Forschung nimmt das EEG aktiv an Diskussionen zur Weiterentwicklung von Politikinstrumenten für die Etablierung und den Ausbau von erneuerbaren Energien sowohl im europäischen, als auch globalen Level teil. Das EEG hat bereits in der Vergangenheit substantiell zur Bewertung der Effektivität und der Effizienz von Förderinstrumenten mit ex-ante und ex-post Analysen und Modellierungen beigetragen.

Kontakt: Dr. Gustav Resch, resch@eeg.tuwien.ac.at, +43 1 58801 370354

LEI
Das litauische Energieinstitut (LEI) ist eine Regierungsorganisation mit mehr als 40 Jahren Erfahrung. LEI verfügt über 14 wissenschaftlichen Abteilungen und beinahe 300 Forscher, Ingenieure, Techniker und Hilfskräfte. Die Arbeit des Instituts gliedert sich in fünf zentrale Forschungsgebiete und wird von der Regierung von Litauen finanziert. LEI trägt zu vielen Forschungsprojekten auf europäischer Ebene als Kernpartner bei: in den Bereichen der erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, der dezentralen Energieerzeugung sowie der Untersuchung externer Faktoren in Hinblick auf Energie und Nachhaltigkeit.

Kontakt: Dr. Inga Konstantinavičiūtė, inga@mail.lei.lt, +370 37 401952

Mariëlle Vosbeek
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