Das Land Baden-Württemberg hat sich in seinem 2021 verabschiedeten Klimaschutzgesetz das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein – was eine drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen erfordert. Bei der Transformation des Energiesystems hin zu klimaneutralen Energietechnologien spielt Wasserstoff eine Schlüsselrolle. Im Rahmen der Wasserstoff-Roadmap des Landes wurden bereits Modellregionen eingerichtet, um innovative Wasserstofftechnologien zu erproben und zu kommerzialisieren.
White Paper identifiziert zentrale hemmende Faktoren
In diesem Kontext haben Forschende des Fraunhofer ISI und IAO sowie des Instituts für Ressourceneffizienz und Energiestrategien IREES in einem jetzt veröffentlichen White Paper mit dem Titel »Hemmnisse beim Aufbau eines Wasserstoffökosystems in Baden-Württemberg« Hemmnisfaktoren in vier Dimensionen gebündelt, welche den Aufbau eines Wasserstoffökosystems in Baden-Württemberg vor Herausforderungen stellen:
– Erstens nennen die Autor:innen Wissensfaktoren, die den Mangel an qualifizierten Fachkräften und unzureichendes Wissen über Wasserstofftechnologien umfassen, was sich erheblich auf die Implementierung auswirken könnte.
– Zweitens wirken Kostenfaktoren, da hohe Investitionskosten, geringe private Investitionsbereitschaft und eine unzureichende Unterstützung durch öffentliche Fördermittel Barrieren für die wirtschaftliche Attraktivität von Wasserstoffprojekten darstellen können.
– Drittens sind Marktfaktoren relevant, wie etwa eine möglicherweise geringe lokale Nachfrage nach Wasserstoff und das potenzielle Fehlen stabiler Abnahmeverträge, die die Finanzierung und den Markthochlauf beeinträchtigen könnten.
– Schließlich gibt es institutionelle Faktoren, wie einen Mangel an geeigneter Infrastruktur und hohe bürokratische Hürden, die den Aufbau eines funktionierenden Wasserstoffmarktes erschweren können.
Um diesen Hemmnissen effektiv zu begegnen, benennt die Studie mehrere Handlungsspielräume. Zunächst sollten stabile Rahmenbedingungen geschaffen werden, indem klare politische Zielsetzungen formuliert und Förderprogramme für Wasserstofftechnologien mit einer langfristigen Perspektive ausgelegt werden, um Investitionssicherheit zu gewährleisten. Öffentliche Diskussionen, die bestehende Zielsetzungen infrage stellen, sind dabei ein großer Unsicherheitsfaktor.
»Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Umwidmung von Corona-Hilfsmitteln im Klima- und Transformationsfonds (KTF) und das damit einhergehende abrupte Wegbrechen von Fördermitteln hat beispielsweise zu erheblicher Verunsicherung insbesondere bei den industriellen Akteuren geführt«, erklärt Dr. Henning Döscher, einer der Studienautoren. Hauptautor Dr. Lukas Weymann ergänzt: »Auch das sogenannte »Verbrenner-Aus«, also die mögliche Abkehr von den europäischen Zielsetzungen für den klimaneutralen Straßenverkehr, hat zu viel Verunsicherung geführt – stattdessen benötigen alle Akteure Planungssicherheit, um eine Wasserstoffwirtschaft in Baden-Württemberg erfolgreich aufzubauen«, so der Wissenschaftler weiter. Gerade auf regionaler und kommunaler Ebene ist der Bedarf klarer politischer Rahmenbedingungen zur Umsetzung von Wasserstoffstrategien notwendig. Aber auch Informationen und Daten zu den tatsächlich entstehenden Bedarfen und Produktionskapazitäten von Wasserstoff sind für die strategische Ausrichtung relevant.
Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur, Forschungsförderung und gesellschaftliche Akzeptanz
Während einerseits klare und ambitionierte politische Zielsetzungen den Aufbau einer regionalen Wasserstoffwirtschaft fördern, ist andererseits eine weitsichtige Gestaltung der notwendigen Übergangszeit erforderlich. Um einen wirtschaftlichen Markteintritt für Elektrolyseure und Wasserstoffanwendungen möglich zu machen, sollten die Richtlinien daher mittelfristig entsprechende Spielräume, beispielsweise bei der Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff mit kleinem CO2-Fußabdruck, bieten. Durch Förderungen insbesondere auf der Nachfrageseite könnten so Märkte entwickelt und stimuliert werden. Schließlich sollte auch die gesellschaftliche Akzeptanz gefördert werden, was sich durch die Durchführung von Informationskampagnen und Bürgerbeteiligungsverfahren erreichen ließe – und indem bestehende Bildungsmaßnahmen im Wasserstoffbereich verstetigt werden.
Die Handlungsempfehlungen aus der Analyse bieten einen klaren Handlungsrahmen, um den identifizierten Hemmnissen entgegenzuwirken. Die Ergebnisse der Analyse sind nicht nur für Baden-Württemberg relevant, sondern können auch andere Regionen unterstützen, die ähnliche Ziele verfolgen. Methodisch basieren die Analysen im White Paper auf qualitativen und quantitativen Erhebungen. Sie umfassen etwa eine detaillierte Literaturrecherche, Umfragen unter relevanten Stakeholdern sowie Workshops mit Expert:innen aus den beiden Modellregionen »H2-Wandel« und »H2 GeNeSiS«.
Originalpublikation:
„Hemmnisse beim Aufbau eines regionalen Wasserstoffökosystems. White Paper: Analyse und Handlungsempfehlungen“: https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/t/2025/2025-09_h2-compan…





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