Warum erst Speicher Gas die Preismacht nehmen
Trotz des Ausbaus von Photovoltaik und Windkraft bestimmen Gaskraftwerke in vielen Stunden des Jahres weiterhin den Marktpreis. „Die Erneuerbaren haben den Durchschnittspreis für Strom bereits gewaltig gesenkt“, so Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group. „Gleichzeitig nimmt aber die Spreizung zwischen sehr teuren und sehr günstigen Strompreisen stark zu.“ Doch es gibt eine Lösung.
Grund für die preissetzende Macht der teuren Gaskraftwerke ist die sogenannte Merit-Order, nach der sinnvollerweise immer das teuerste gerade noch benötigte Kraftwerk den Preis festlegt, das die Versorgung mit Strom für alle sicherstellt. Deshalb bestimmt ein einzelnes Gaskraftwerk den Preis für alle Erzeuger.
Dabei zeigt sich eine fast paradoxe Entkopplung: Zum einen sinkt die Strommenge, die aus fossilen Quellen stammt. Zum anderen steigt die Zahl der Stunden, in denen Gas den Preis setzt. „2026 lag dieser Anteil bisher bei 39 Prozent, im Vorjahr bei 36,5 Prozent“, so Lemcke-Braselmann. Der Grund liegt im Zeitpunkt der Erzeugung. Zusätzliche Solarkapazität liefert vor allem in den Stunden Strom, in denen ohnehin schon Erneuerbare Energien den Preis bestimmen. „Die Abendstunden sind davon kaum betroffen. Wenn die Sonne untergeht, fehlt die Solarerzeugung unabhängig von der installierten Leistung.“
Dennoch zeigt sich, dass Erneuerbare das Preisniveau insgesamt senken. Im März 2026 stieg der Gaspreis infolge des Iran-Kriegs gegenüber dem Vormonat um 48 Prozent, der Strompreis sank im selben Zeitraum dennoch um 0,7 Prozent, da die Solarerzeugung im Frühjahr saisonal kräftig zunimmt. Möglich wurde das durch eine zunehmende Entkopplung von Gas und Strom in Stunden mit hoher Solar- und Windeinspeisung. Im März und April setzten Gaskraftwerke nur noch in 24 bis 27 Prozent der Stunden den Preis. Der steigende Jahreswert entsteht also vor allem in den Winter- und Abendstunden, in denen Sonne und oft auch Wind fehlen. Nach Berechnungen des Fraunhofer ISE wäre der Börsenstrompreis ohne den Ausbau der Erneuerbaren im April um 76 Prozent höher ausgefallen.
Die Erneuerbaren wirken also über die Höhe des Preises, derzeit aber noch nicht über die Häufigkeit der Preissetzung. „Das Ergebnis ist eine Marktstruktur mit wachsender Spreizung“, sagt Lemcke-Braselmann. 2026 liegt der durchschnittliche Preis bisher bei 103 Euro pro Megawattstunde, gleichzeitig gab es in 7,5 Prozent aller Stunden negative Preise. Sehr günstige und sehr teure Stunden nehmen also gleichzeitig zu.
Um die Zahl der Stunden, in denen teure Kraftwerke den Preis setzen, tatsächlich zu senken, braucht es vor allem Speicher. „Erst wenn Batteriespeicher Solarstrom in die Abendstunden verschieben, tritt immer häufiger eine Batterie an die Stelle eines Gaskraftwerks“, so Lemcke-Braselmann. „Damit verliert Gas seine Preissetzungsmacht.“
Diese Entwicklung eröffnet zugleich eine wirtschaftliche Chance. Der weitere Ausbau von Solar und Wind vergrößert den Raum für Erträge durch Batteriespeicher schneller, als er die Rolle von Gas im Markt zurückdrängt. Für Betreiber von Speicherprojekten entsteht dadurch ein wachsendes Geschäftsfeld, insbesondere in Kombination mit bestehenden Solar- oder Windparks. Solche Co-Location-Projekte teilen sich den Netzanschluss und laden direkt mit günstigem Solarstrom. Das macht sie robuster gegenüber sinkenden Preis-Spreads als reine Speicher ohne eigene Erzeugung, wenn in den kommenden Jahren viele weitere Batterien ans Netz gehen. „Wir setzen deshalb gezielt auf die Kombination von Photovoltaik und Batteriespeichern in Deutschland und Spanien“, sagt Lemcke-Braselmann. Der Umbau des Strommarktes verläuft also in zwei getrennten Phasen. Zunächst sinkt die fossile Erzeugungsmenge, zukünftig dann auch die Preissetzungsmacht der fossilen Kraftwerke. „Schon heute lohnen sich Speicher, weil sie von den wachsenden Preisunterschieden im Tagesverlauf profitieren. Und ihr Wert steigt immer weiter, je stärker die fossilen Kraftwerke an Einfluss verlieren“, so Lemcke-Braselmann.
Über die aream Group SE
Die aream Group, 2005 gegründet, ist ein Developer und Asset-Manager mit Fokus auf nachhaltige Infrastruktur im Sektor Erneuerbare Energien. Dazu gehören Wind- und Solarkraft, Netze und Speichertechnologie. Mit den Bereichen Operations- und Asset-Management, Project-Development und Energy Markets deckt die aream Group die gesamte Wertschöpfungskette für Erneuerbare-Energien-Investments ab. Mit mehr als 2,5 Milliarden Euro Transaktionsvolumen gehört aream zu den führenden Asset-Managern in diesem Markt. Mit dem eigenen Anlagenbestand wird grüner Strom für rund 40 Millionen Euro pro Jahr umgesetzt. Seit 2008 produziert aream mehr als vier Milliarden kWh grünen Strom. Im Rahmen der Wachstumsstrategie sollen in den nächsten Jahren mehrere Solar- und Windparks sowie Batteriespeicher realisiert oder erworben werden. Allein durch die eigene Projektentwicklung verfügt aream derzeit über eine Entwicklungs-Pipeline mit großem Potenzial. Weitere Informationen: www.aream.de.