VDE bietet Politik und Industrie Unterstützung beim Hochlauf des Schnellladenetztes für E-Lkw
Mit dem Aufbau der Schnellladeinfrastruktur beginnt eine entscheidende Phase für die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs in Deutschland. Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik begrüßt die Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums, sich am Aufbau eines Schnellladenetzes für E-Lkw mit rund einer Milliarde Euro zu beteiligen. Wie im Rahmen der IAA TRANSPORTATION in Hannover bekannt gegeben wurde, beginnt die standortspezifische Umsetzung der Schnellladesäulen an zunächst 124 unbewirtschafteten Autobahnrastanlagen.
Der Markthochlauf gelingt, wenn öffentliche Ladepunkte, betriebliche Depots und Stromnetze gemeinsam geplant und umgesetzt werden. Der VDE unterstützt Politik und Industrie dabei mit Systemkompetenz, Normung, Prüfung und einem starken Expertennetzwerk“, sagt Dr. Ralf Petri, Geschäftsführer VDE Mobility und VDE ETG.
Ladeinfrastruktur ist entscheidend für E-Lkw-Einsatz auf Fernstrecken
Zahlreiche Hersteller haben im Rahmen der IAA TRANSPORTATION neue elektrische Schwerlastfahrzeuge vorgestellt. „Entscheidend für den Erfolg von E Lkw im Fernverkehr ist, dass ausreichend Ladeinfrastruktur und Netzkapazitäten zur Verfügung stehen“, gibt Petri zu bedenken. Das öffentliche Schnellladenetz soll dabei kurze Ladestopps für das Zwischenladen sowie längere Ladephasen während der Ruhezeiten entlang der Autobahnen ermöglichen. Ein wesentlicher Teil der Energieversorgung elektrischer Flotten wird dabei auch auf Betriebshöfen stattfinden. „Dort müssen Netzanschluss, Ladeinfrastruktur, Fuhrparksteuerung und Energiemanagement frühzeitig aufeinander abgestimmt werden“, erklärt Petri.
Das intelligente Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung entsprechend den Abfahrtszeiten, Touren und Ladezuständen der Fahrzeuge. „Photovoltaik und Batteriespeicher können das Depot zu einem integrierten Energie- und Betriebssystem weiterentwickeln“, so Petri weiter. „Damit wird der Netzanschluss zu einem strategischen Faktor für Flottenbetreiber und Logistikstandorte.“ Der VDE betrachtet das Laden schwerer Nutzfahrzeuge deshalb als gemeinsame Aufgabe der Mobilitäts- und Energiewirtschaft.
Langfristig sollen an rund 350 Standorten mehr als 4.200 Ladepunkte errichtet werden. Ein großer Teil soll dabei auf das Megawatt Charging System (MCS) entfallen. MCS ermöglicht Ladeleistungen, mit denen auch schwere Fernverkehrs-Lkw innerhalb gesetzlicher Ruhezeiten ausreichend Energie für die Weiterfahrt aufnehmen können. Die hohen Ladeleistungen stellen zugleich neue Anforderungen an elektrische Sicherheit, Steckverbindungen, Kühlung und die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur. Die vom VDE getragene DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik begleitet die internationale Standardisierung des Megawattladens. Expertinnen und Experten der DKE waren unter anderem an der Erstellung der kürzlich veröffentlichten Norm für die Gleichstromversorgungseinrichtungen von Megawatt-Ladesystemen beteiligt (IEC 61851-23-3), die nationale Umsetzung als DIN EN IEC 61851-23-3 ist in Arbeit. Zuständig ist auf deutscher Seite das Normungsgremium DKE/K 353 „Elektrostraßenfahrzeuge“.
„Das Megawattladen muss von Beginn an sicher und interoperabel aufgebaut werden. Internationale Normen schaffen dafür eine gemeinsame technische Grundlage. Die DKE bringt die Anforderungen und Erfahrungen der deutschen Industrie in diesen Prozess ein“, erklärt Dr. Mahdad Mohammadi, Normungsmanager bei der DKE.
Unternehmenspraxis auf der VDE E-MOBILITY CONFERENCE
Wie sich Megawattladen, Netzintegration und Depotkonzepte in der Praxis umsetzen lassen, diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Energiewirtschaft und Forschung auf der 5. VDE E-MOBILITY CONFERENCE. Am 4. und 5. November im Coreum in Stockstadt am Rhein geht es unter anderem bei den Sessions „Elektrische Nutzfahrzeuge & Truck Charging“ und „Depotladen für E-Lkw“ um die Themen Megawattladen, Netzintegration, Betriebskonzepte und Wirtschaftlichkeit.
Mit dabei sind unter anderem Daimler Truck, CATL, Fraunhofer IVI, Westnetz, DHL, ABB E-Mobility und weitere Unternehmen, die ihre Perspektiven aus Entwicklung und Betrieb einbringen. Auch Vertreter der einschlägigen Normungsgremien der DKE sind vor Ort. Der Austausch zwischen Politik, Fahrzeugindustrie, Logistik, Energiewirtschaft, Netzbetrieb, Forschung und Normung soll dazu beitragen, den Übergang von einzelnen Projekten zu einer skalierbaren Infrastruktur zu beschleunigen.