Umspannwerk Rottenburg-Süd geht Anfang 2027 in Betrieb
Regensburg/Rottenburg a.d. Laaber. Nach rund zweijähriger Bauzeit steht das neue Umspannwerk Rottenburg-Süd kurz vor seiner technischen Inbetriebnahme. Gemeinsam mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Wolfgang Bücherl von der Europäischen Kommission sowie Vertretern der Region nahm der Geschäftsführer der Bayernwerk Netz GmbH, Dr. Joachim Kabs, die Anlage am 21. Oktober symbolisch in Betrieb. Die neue 110/20-kV-Drehscheibe schafft zusätzliche Kapazitäten für Photovoltaik und Windkraft aus der Region. Für den Bau des neuen Umspannwerks nahm der Verteilnetzbetreiber rund 11 Millionen Euro in die Hand, 50 Prozent der förderfähigen Kosten fließen aus dem EU-Förderprogramm Fazilität „Connecting Europe“ (CEF Energy) im Rahmen des EU-Förderprojekts Gabreta Smart Grids.
Neuer Hochleistungsnetzknoten
Der Raum Rottenburg a.d. Laaber steht vor einem starken Wachstum – sowohl der dezentralen Stromerzeugung als auch des Stromverbrauchs. Laut einer Bayernwerk-Studie wird sich die installierte Leistung aus Wind- und Photovoltaikanlagen im Landkreis Landshut bis zum Jahr 2045 etwa verdreifachen. Die Rede ist dann von 2.262 Megawatt, was in etwa der Leistung von zwei klassischen Großkraftwerken entspricht. Oder anders ausgedrückt: der gleichzeitigen Versorgung von etwa 1,5 Millionen Haushalten. In der Studie beleuchtet wird auch der haushaltsnahe Verbrauch. Stand heute ist mit einer Versechsfachung bei den Heimspeichern, einer Versiebenfachung bei den Wärmepumpen und einer Verelffachung bei den Wallboxen auszugehen. In Summe sind im Jahr 2045 im Landkreis Landshut beinahe 160.000 Bezugsanlagen am Netz, also etwa sieben Mal so viel wie heute. In dieses Zukunftsszenario nicht eingerechnet ist der Bedarf für die Dekarbonisierung der Industrie am Wirtschaftsstandort Niederbayern.
Entwicklungen im Energiesystem im Zeitraffer
Um die prognostizierten Mengen an dezentral erzeugter Energie sicher aufnehmen und verteilen zu können, braucht es ein Hochleistungsnetz. Dr. Joachim Kabs: „Die Anforderungen an das Energiesystem wachsen aus vielen Richtungen gleichzeitig. Neben dem fortlaufenden Ausbau erneuerbarer Energien entstehen durch die Elektrifizierung von Wärme, Mobilität und Industrie zusätzliche Verbraucher und Flexibilitäten. Damit der Wandel zum Energiesystem der Zukunft gelingt, müssen Erzeugung, Verbrauch, Speicher und Netze als Gesamtsystem gedacht und in einem gemeinsamen Takt weiterentwickelt werden. Genau darauf zielt unser bedarfsgerechter und zielgenauer Netzausbauplan ab.“ „Unser Land braucht eine sichere Energieversorgung. Dafür sind Umspannwerke unverzichtbar! Das neue Umspannwerk in Rottenburg schafft wichtige Kapazitäten, damit regional erzeugter Strom aufgenommen und zuverlässig verteilt werden kann. Genau das ist der Kern der bayerischen Energiestrategie: Wir schaffen passgenaue Lösungen. Rottenburg ist ein zentraler Knotenpunkt im nördlichen Landkreis Landshut. Hier laufen Leitungen aus mehreren umliegenden Gemeinden wie Hohenthann, Pfeffenhausen und Neufahrn zusammen. Deshalb macht es absolut Sinn, die hier vorhandenen Strukturen auszubauen“, sagt der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Wolfgang Bücherl, EU-Kommission – Leiter der Regionalvertretungen für Bayern und Baden-Württemberg: „Im Vorjahr haben Wind- und Solarkraft in der EU erstmals mehr Strom erzeugt als alle fossilen Brennstoffe zusammen. Wir brauchen aber auch die Infrastruktur, um den Strom dorthin zu leiten, wo er benötigt wird, und da spielt das Umspannwerk Rottenburg-Süd eine wichtige Rolle.“
Vom Schalthaus zum Umspannwerk
Ein Blick auf den Projektraum Rottenburg a.d. Laaber: Ab dem Jahr 1980, also beinahe ein halbes Jahrhundert lang, verknüpfte eine Schaltstation am Standort des neuen Umspannwerks elf Mittelspannungsleitungen. Dieser Netzknoten wurde nun zu einem Umspannwerk mit zwei Netztransformatoren à 50 Megavoltampere (MVA) ausgebaut. Künftig verlaufen 13 Mittelspannungsleitungen in das umliegende Verteilnetz Richtung Rottenburg a.d. Laaber, Pfeffenhausen, Hohenthann und Neufahrn. Neben der engmaschigeren und leistungsstärkeren Verteilung von Energie in das Mittelspannungsnetz kann im Umspannwerk Rottenburg-Süd künftig regional erzeugter Strom auch über das 110-kV-Hochspannungsnetz weiter verteilt werden.
Rekordnetzausbau in Niederbayern
„Es ist unser Selbstverständnis, als Plattform, als Partner und als Spielgestalter der Energiewende das Möglichste zu tun, um eine gemeinsame Vision der Energiezukunft umzusetzen. Damit historische Transformationsprozesse gelingen, braucht es historische Budgets, gemeinsame Anstrengung und Verantwortung“, sagt Dr. Joachim Kabs. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 sind rund 12 Milliarden Euro vorgesehen. Für den Bau des neuen Umspannwerks nahm dieBayernwerk Netz GmbH rund 11 Millionen Euro in die Hand. 50 Prozent der förderfähigen Kosten hat die Europäische Union übernommen.
Ein Vorhaben von europäischer Dimension
Das Umspannwerk Rottenburg-Süd ist Teil des grenzüberschreitenden Projekts Gabreta Smart Grids mit dem Ziel, die Verteilnetze in Bayern und Böhmen auf die vernetzte, widerstandsfähige und nachhaltige Energiezukunft Europas vorzubereiten. Das Projekt – Partner sind Bayernwerk und der tschechische Verteilnetzbetreiber EG.D – wird von der Europäischen Union mit 100 Millionen Euro gefördert. Die EU hat „Gabreta“ als Vorhaben von gemeinsamem Interesse, Project of Common Interest, eingestuft. Das Umspannwerk Rottenburg-Süd ist neben dem Umspannwerk Kirchenthumbach eines von zwei Umspannwerken im Rahmen des EU-Förderprojekts Gabreta Smart Grids.