Sigmar Gabriel regt mit einem Grünbuch die Diskussion über einen sogenannten „Strommarkt für die Energiewende“ an. Das ist positiv und notwendig. Der derzeitige Vorschlag haftet allerdings noch zu stark in veralteten Strukturen und weist deshalb Fehlanreize auf. Einige Handlungsvorschläge des Bundeswirtschaftsministeriums müssen daher noch auf den Prüfstand, bevor Anfang Juni das Weißbuch folgt. Eine Postkartenaktion fordert nun Nachbesserungen auf regionaler Ebene.
Das Grünbuch
Der Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel regt aktuell mit dem Grünbuch einen Diskussionsprozess über einen „Strommarkt für die Energiewende“ an. Aus dem Grünbuch gehen derzeit auch dringende Verbesserungen für den sich verändernden Strommarkt hervor. Viele grundsätzliche Notwendigkeiten blendet das Arbeitspapier aber vollkommen aus. Von einem fortschrittlichen „Strommarkt 2.0“ ist das Grünbuch noch weit entfernt. Im Großen und Ganzen wird der existierende Strommarkt ein bisschen durch „Sowieso-Maßnahmen“ frisiert. Strompreissignale sind erfreulicherweise geplant, aber nicht ausreichend fertig gedacht. Regionale Ansätze fehlen völlig.
Ein Strommarkt für die Erneuerbaren Energien
Der Ausbau der Erneuerbaren Energien schreitet voran. Der Systemumstieg hinkt hinterher. Dadurch gerät mittlerweile der gesamte Strommarkt unter Druck. Die Erneuerbaren Energien diktieren den Preis, den Einsatz von Ausgleichsenergie und manchmal erfreulicherweise auch schon das Nutzerverhalten. Letzteres geschieht allerdings noch viel zu wenig, denn der alte Strommarkt passt leider nicht zum zukünftigen Kraftwerkspark. Sinnvoll gestaltete Preisanreize könnten Vieles zumindest kurz- und mittelfristig verbessern.
Strompreissignale sinnvoll und regional gestalten
Wie können durch die Strompreise ökonomische und ökologische Vorteile realisiert werden? Zwei wichtige Prinzipien bilden eine Grundlage.
1. Zeitliche Steuerung: Wenn wir die Erneuerbaren Energien zur richtigen Zeit nutzen brauchen wir weniger Speicher und Ausgleichskraftwerke.
2. Räumliche Steuerung: Wenn wir sie am richtigen Ort nutzen, benötigen wir weniger Netzausbau auf allen Ebenen.
Sigmar Gabriel berücksichtigt in seinem Grünbuch zur Energiewende nur die zeitliche Steuerung (Punkt 1). Er möchte Preisanreize setzen und damit die vorhandenen Erneuerbaren Energien besser nutzen. Zeitweise gibt es Strom dann günstig, in der nächsten Stunde kann der Preis schon wieder teurer sein. Darauf reagieren die Verbraucher und nutzen mehr oder weniger Energie.
Allerdings sollen Preisanreize laut Grünbuch deutschlandweit gleich wirken. Bleibt die räumliche Steuerung (Punkt 2) ungenutzt, so führt dies zu Fehlanreizen. Wenn zum Beispiel wetterbedingt insgesamt Knappheit herrscht, können parallel dazu in manchen Regionen Überschüsse bestehen. Trotzdem steigt der Strompreis deutschlandweit und Verbraucher gehen flächendeckend vom Netz. In den Regionen mit viel Strom vergrößert sich in einem solchen Fall der Ausgleichsbedarf. Der Plan des Bundeswirtschaftsministeriums birgt also Fehlanreize und würde zu einem unnötigen, rohstoff- und kostenintensiven Ausbaubedarf in vielen Verteilnetzen führen!
Hier muss das Bundeswirtschaftsministerium nachbessern. Preissignale müssen regional gesetzt werden oder zumindest dezentrale Komponenten enthalten!
Postkartenaktion „Kennen Sie Ihre Problemzonen, Herr Gabriel“
Um das Bundeswirtschaftsministerium zu aktivieren, geht ein Bündnis aus verschiedenen Organisationen mit einer witzigen Postkartenaktion in die Breite. Sie informiert Bürger und bietet jedem die Möglichkeit, die Stimme für eine volkswirtschaftliche und ökologische Energiewende zu erheben.
Interessierte können die Postkarten entweder beiinfo@energie-neu-denken.de bestellen oder Name und Adresse direkt auf der Webseitewww.energie-neu-denken.de eintragen. Gerade so, wie es mehr Spaß macht.





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