Referenzen belegen Vorteile von solarelektrischem Energiekonzept

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Fast 25 Jahre lang – seit der Firmengründung 1998 – hat die Rössler Wohnbau GmbH im schwäbischen Buttenwiesen schlüsselfertige Häuser mit klassischen Heizungen gebaut. Öl-, Gas- und Wärmepumpenheizungen mit wasserführenden Rohren für die Wärmeverteilung waren Standard, damit kannte man sich aus. Bis Markus Rössler, Sohn des Firmengründers Gerhard Rössler und ebenfalls Geschäftsführer, 2021 eine neue Idee in die Firma einbrachte: hochgradig energieautarke Häuser mit einem solarelektrischen Energiekonzept bestehend aus Photovoltaik, Stromspeicher und Infrarotheizungen. Rössler junior war von dem Konzept überzeugt, in der Firma gab es Zweifel. Kurzerhand kaufte der damals 31-Jährige dem Familienunternehmen ein Grundstück ab und baute auf eigenes, privates Risiko ein Mehrfamilienhaus nach seinen Vorstellungen. Ende 2022 war Einweihung, drei Jahre später kann er nicht nur extrem niedrige Energiekosten von 36 Euro in einem Jahr für das gesamte Haus mit fünf Mietwohnungen verbuchen, sondern hat auch noch volle Auftragsbücher für Ein- und Mehrfamilienhäuser mit dem Energiekonzept.

Am 30. September 2025 war Markus Rössler im Sauerlacher Kompetenzzentrum 3lectrify zu Gast und berichtete auf einem Vortragsabend von seinen Bauprojekten und Erfahrungen mit dem vollelektrischen Konzept. Mit seinem Wagemut beeindruckte der junge Unternehmer, und mit seinen Projekten und Informationen zu Energiebilanzen und zur Wirtschaftlichkeit begeisterte er die Gäste, unter denen Architekten, Energieberater, Vorstände von Wohnungsgenossenschaften, Solarinstallateure, Bauträger und Immobilienentwickler waren.

Hoher Solaranteil ermöglicht Pauschalmiete mit Energieflatrate 

Auch sein Ideengeber war vor Ort. Während Rössler von seinen Praxiserfahrungen berichtete, schilderte Energieexperte Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld, wie er vor fünf Jahren dazu gekommen ist, vollelektrische Energiekonzepte für hochgradig energieautarke Gebäude mit Photovoltaik, Batteriespeicher, Infrarotheizungen und Autarkie-Boiler zu entwickeln. Mittlerweile hat sein Ingenieurbüro Energiekonzepte für rund 1.500 Wohneinheiten im In- und Ausland geplant, von denen viele Mieter eine Pauschalmiete inklusive Nebenkostenflatrate erhalten. Sie wird durch den hohen solaren Deckungsgrad von 50 bis 80 Prozent für die Wärme- und Stromversorgung ermöglicht.

Durch den Abend führte Lars Keussen, Gründer des Kompetenzzentrums 3lectrify. Das Netzwerk mit den Partnern Moonich, Rohrer Immobilien, Timo Leukefeld und AdSol bietet individuelle maßgeschneiderte Lösungen für hochgradig energieautarke Gebäude an: von der Beratung und Planung über die Lieferung der Komponenten bis hin zur Installation. Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) habe aktuell einen Anteil von circa 30 Prozent an den Baukosten mit einer zu erwartenden Steigerung von etwa zwei bis fünf Prozent pro Jahr, sagte Keussen.

Hier setzt das solarelektrische Energiekonzept an und schafft wirtschaftliche Vorteile für Investoren und Mieter. Der Schlüssel sind eine solarbasierte Eigenversorgung mit Energie, die Elektrifizierung der TGA und ein Pauschalmietmodell mit Energieflatrate.

Günstiger Solarstrom für Wärme, Strom und Mobilität 

Die größte Triebkraft für die Spezialisierung auf dieses Konzept seien die erneuerbaren Energien beziehungsweise die bereits niedrigen und weiter sinkenden Erzeugungskosten für Solarstrom, berichtete Leukefeld. Er rechnet mit einem Preis von ein bis zwei Cent je Kilowattstunde Solarstrom in absehbarer Zeit. Dies komme den Veränderungen im Bauwesen entgegen. Durch gesetzliche Auflagen für den Wohnungsbau und immer wärmere Winter sinkt der Wärmebedarf in Gebäuden, gleichzeitig nimmt der Anteil des Energiebedarfs für die Trinkwassererwärmung am gesamten Energiebedarf zu. Der niedrigere Energiebedarf für Wärme und Strom kann mit günstigem Solarstrom von Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an den Fassaden gedeckt werden. Autarkie-Boiler, die von Leukefeld entwickelt wurden, nutzen bevorzugt Solarstrom für die Trinkwassererwärmung.

Durch den Verzicht auf wasserführende Heizsysteme sinken zudem die Kosten im Bau und für die TGA. Für den Anschluss von Infrarotheizungen, die präsenzorientiert laufen, können die ohnehin bestehenden Stromleitungen genutzt werden. Da Infrarotheizgeräte einfach und schnell zu installieren sind und keine Wartung benötigen, kommt diese Technik auch dem Handwerkermangel entgegen und die Folgekosten für die Heizung sinken.

Projekte im Neubau und Bestand 

Mit diesen Argumenten konnte Leukefeld schon viele Bauunternehmen und Gewerbetreibende von seinem Konzept überzeugen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: In Lübben wurden 2022 die ersten beiden Mehrfamilienhäuser mit dem Energiekonzept mit Photovoltaik und Infrarotheizungen in Deutschland bezogen. In Magdeburg und Dessau entstanden Wohnanlagen für altersgerechtes Wohnen mit dem Konzept. In Aschersleben in Sachsen-Anhalt wird zurzeit der dritte Plattenbau mit dem Konzept saniert und energetisch ertüchtigt. In Unna stehen fünf Häuser mit jeweils sieben Wohnungen. In Niesky in Sachsen wurde gerade ein Mehrfamilienhaus mit 12 Wohnungen eingeweiht. Im Gewerbe kann Leukefeld Referenzen von Bäckereien, Firmengebäuden und Rechenzentren präsentieren. Und auch für Quartiere gibt es schon Pläne.

In seinem Vortrag betonte er die Netzdienlichkeit von hochgradig energieautarken Gebäuden, eine Eigenschaft, die mit zunehmender Erzeugung von regenerativem Strom immer wichtiger wird. Überschüssiger Solarstrom könne beispielsweise im Autarkie-Boiler als Wärme gespeichert werden.

Erfolg mit dem neuen Geschäftsfeld 

Auch Bauunternehmer Markus Rössler hat sich von Leukefeld von dem Konzept überzeugen lassen. Die Ergebnisse bestätigen ihn in seiner Entscheidung. Bei seinem Pilotprojekt in Ehingen bei Augsburg kann er seinen Mietern eine Pauschalmiete inklusive Energie- und kalten Nebenkosten von 12,90 Euro je Quadratmeter auf fünf Jahre zusichern. Er selbst profitiert von einer höheren Mietrendite.

2023 hat er zwei solarelektrisch versorgte Einfamilienhäuser gebaut, 2024 ein Mehrfamilienhaus mit sieben Wohnungen in Rain. In Obergriesbach im Landkreis Aichach-Friedberg baut er seit Ende 2024 ein Mehrfamilienhaus mit Satteldächern und zehn Wohnungen. Im Dezember dieses Jahres sollen die ersten Mieter einziehen können. Hier wird er 18,40 €/m² Pauschalmiete verlangen, darin sind sämtliche Nebenkosten enthalten: Energieflatrate für Wärme und Strom, Stellplatz in der Tiefgarage, Internet und sämtliche Nebenkosten wie Versicherungen, Abfall, Wasser und Hausmeister. Bei seiner Planung hat Rössler die Kosten für ein Heizsystem mit zwei Wärmepumpen mit jeweils 24 Kilowatt Leistung inklusive aller Arbeiten wie Installation mit den Kosten für ein Infrarotheizsystem mit Autarkie-Boilern verglichen. Er hat einen Herstellkostenvorteil von 190.000 Euro errechnet.

Bei einem Sanierungsbeispiel für ein Haus von 1982 konnte er nach dem Umbau jährliche Gesamtkosten von 230 Euro für die fünfköpfige Familie erreichen. Die Nebenkosten für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom liegen bei rund 19 Euro je Monat. Die Energietechnik besteht aus 9,5 Kilowatt PV-Leistung, einem Batteriespeicher mit 11 Kilowattstunden Speicherkapazität und Infrarotheizungen im Altbau und neu errichteten Anbau.

Für 2026 hat Markus Rössler eine lange Liste an Bauprojekten mit solarelektrischem Konzept: ein Reihenhaus mit drei Wohneinheiten, zwei Umbauten, sechs Wohneinheiten in Ingolstadt, sieben in Friedberg, ein Einfamilienhaus in Dillingen sowie ein Mehrfamilienhaus mit drei Wohneinheiten in Zusmarshausen. Ein Haus in Nordendorf ist in der Planungsphase.

Das alles hat auch seinen Vater überzeugt. Dieser hat dem Sohn zu Januar 2025 das Unternehmen vollständig übergeben. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Geschäftsführung führt Markus Rössler die Rössler Wohnbau GmbH mit Fokus auf energieautarkes Bauen, Nachhaltigkeit und innovative Wohnlösungen weiter.

3lectrify erstmals auf der Expo Real 

Vom 6. bis 8. Oktober 2025 ist das Kompetenzzentrum 3lectrify erstmals auf der Expo Real, Europas größter Fachmesse für Immobilien und Investitionen, in München vertreten. Lars Keussen und sein Team sind zusammen mit Rohrer Immobilien am Stand des DAVE Deutsche Anlage Immobilien Verbund in Halle B1, Stand 524 zu finden.