Photovoltaikanlage Varel: Gemeinschaftsprojekt von WI Energy, emt²gruppe und regionalen Landwirten

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Varel, März 2026. Mit der PV-Anlage in Varel haben WI Energy GmbH, die emt²gruppe sowie die Landwirte Andreas Rengstorf und Lars Kaper gemeinsam ein Innovationsprojekt realisiert, das bundesweit Maßstäbe setzt. Auf rund 40 Hektar im niedersächsischen Varel entstand 2025 ein Solarpark mit einer installierten Leistung von 38,8 Megawatt-Peak – als eine der ersten Anlagen Deutschlands, die Moor-PV, Agri-PV und klassische Freiflächennutzung auf einem zusammenhängenden Standort vereint.

Die ökologische wie wirtschaftliche Logik des Projekts ist dabei eng verknüpft: Entwässerte Moorflächen zählen zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen in Deutschland. Durch gezielte Wiedervernässung dieser Flächen und die gleichzeitige Installation von Photovoltaikanlagen entsteht ein doppelter Klimanutzen – Reduktion von CO₂-Emissionen und CO₂-freie Stromerzeugung. Auf einer Teilfläche von ca. einem Hektar wird zudem Agri-PV mit Rinderhaltung praktiziert: Die Module sind 2,10 Meter an der tiefsten Stelle hoch aufgeständert. Damit können neben Schafen auch Rinder unter den Modulen grasen und die Fläche kann ganzflächig bewirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Nutzung und Energieerzeugung ergänzen sich hier und sind kein Widerspruch.

Starke Partner, regionale Wertschöpfung

Das Projekt wurde vom Zusammenspiel regionaler Expertise und professioneller Projektentwicklung getragen. Die Projektpartner und Landwirte Andreas Rengstorf und Lars Kaper brachten ihre Flächen ein, sprachen weitere Grundeigentümer an und sicherten so mit ihrer Ortskenntnis die zusammenhängende Flächenkulisse. Pachtverträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren gewährleisten die langfristige Nutzung. Als Generalunternehmen für die bauliche Realisierung zeichnet sich die emt²gruppe verantwortlich. WI Energy verantwortet Planung, Finanzierung und laufendes Management des Standorts. „Von Beginn an wurde das Projekt gemeinsam entwickelt und hat vom engen Austausch aller Beteiligten profitiert“, sagt Andreas Rengstorf, Landwirt und Mitgestalter des Projekts.

Technisch anspruchsvoll, vorzeitiger Netzanschluss

Die technische Umsetzung stellte das Projektteam vor außergewöhnliche Herausforderungen: Der sehr saure Moorboden (pH-Wert ca. 4,2) machte Spezialbeschichtungen erforderlich; die Gründungen reichten bis zu 4,5 Meter tief. Achtzehn bis zu 25 Tonnen schwere Trafostationen mussten teilweise per Traktor auf das Gelände transportiert werden.

Trotz dieser Komplexität wurde der Netzanschluss im Dezember 2025 realisiert – mehr als sechs Monate früher als ursprünglich für das dritte Quartal 2026 geplant. Möglich wurde das durch parallele Bauabläufe: Während die Module installiert wurden, verlief der Bau der Kabeltrasse zeitgleich.

Auch bei der Modulwahl setzten die Partner auf Innovation: Bifaziale Module nutzen nicht nur direkte Sonneneinstrahlung, sondern zusätzlich das von der nassen Mooroberfläche reflektierte Licht – ein technischer Vorteil, der die spezifischen Bedingungen des Standorts gezielt in Mehrertrag überführt. „Trotz aller Herausforderungen hat dieses Gemeinschaftsprojekt Großes für Natur und Mensch geschaffen“, sagt Stefan Völlink, Geschäftsführer der emt²gruppe.

Ertrag und Bürgerbeteiligung

Mit einer erwarteten Jahresproduktion von rund 40 Millionen Kilowattstunden kann die Photovoltaikanlage Varel rechnerisch etwa 9.032 Haushalte mit grünem Strom versorgen. Die jährliche CO₂-Einsparung beläuft sich auf 23.333 Tonnen – die vermiedenen Emissionen aus dem vernässten Moorboden nicht mit eingerechnet. Die Stromvergütung ist über das EEG Ausschreibungsverfahren für 20 Jahre gesichert; ein zusätzlicher Schutzmechanismus des Direktvermarkters federt negative Strompreise ab.

Die Finanzierungsstruktur basiert auf dem Sharing-Economy-Modell von WI Energy: Bürgerinnen und Bürger sowie Landwirte der Region konnten sich in einer frühen Projektphase vorrangig beteiligen – über Realeigentum, Direktbeteiligungen oder Crowdfunding. Die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft, an der sich auch die Volksbank und die Stadt Varel beteiligt haben, ermöglichte die Beteiligung an der PV-Anlage auch mit kleineren Geldbeträgen. Durch einen eigenständigen Anlagenbetrieb werden in dem Modell Investoren zu Unternehmern. Ein Smart Metering-System erfasst die Stromproduktion jeder Einheit in Echtzeit und gewährleistet vollständige Transparenz für alle Beteiligten.

Unser Solarpark in Varel zeigt: Klimaschutz, wirtschaftliche Wertschöpfung und regionale Identität schließen sich nicht aus – sie verstärken sich gegenseitig“ sagt Michael Reichert, Geschäftsführer der WI Energy GmbH.