Ein Neubau erfordert die Koordination zahlreicher Gewerke und die Einhaltung komplexer Vorgaben. Die Photovoltaik-Anlage wird in frühen Planungsphasen oft nachrangig behandelt oder als nachträgliche Installation vorgesehen. Diese Vorgehensweise kann jedoch zu vermeidbaren Kompromissen bei der Anlagengröße und zu signifikanten Mehrkosten bei der Installation führen.
Im Jahr 2025 ist eine PV-Anlage ein integraler Bestandteil der technischen Gebäudeausrüstung (TGA). Die frühzeitige Integration in der Bauphase ist der effizienteste und kostengünstigste Weg zur eigenen Stromerzeugung. Eine vorausschauende Planung legt den Grundstein für eine optimierte Energiebilanz und dauerhaft niedrige Betriebskosten.
Vorteile der frühzeitigen Integration im Neubau
Eine Nachrüstung stellt technisch und optisch fast immer einen Kompromiss dar. Beim Neubau hingegen kann die PV-Anlage als Teil des architektonischen und elektrischen Gesamtkonzepts geplant werden.
Der entscheidende Vorteil liegt in der Installation der Infrastruktur. Alle nötigen Kabelkanäle und Leitungen werden im Rohbau direkt unter Putz oder in Betondecken verlegt. Dies vermeidet optisch störende Kabelkanäle an der Außenfassade und eliminiert die Kosten für nachträgliche Kernbohrungen und Verputzarbeiten, bericht das Magazin derbauherr.de
Dachplanung als Grundlage der Anlageneffizienz
In der Planungsphase lässt sich die Effizienz der Anlage ohne wesentliche Mehrkosten maximieren.
Ausrichtung und Neigung: Obwohl eine reine Südausrichtung hohe Erträge liefert, ist sie kein Muss. Ost-West-Ausrichtungen generieren Strom gleichmäßiger über den Tag verteilt (Morgenspitze, Abendspitze), was oft besser zum typischen Verbrauchsprofil eines Haushalts passt und den Eigenverbrauch erhöht.
Dacheindeckung: Die Wahl der Dacheindeckung sollte mit dem geplanten PV-Montagesystem abgestimmt werden. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Dachdecker und Solarteur stellt die Kompatibilität und eine reibungslose Montage sicher.
Minimierung von Störfaktoren: Es ist essenziell, die Dachflächen mit der besten Sonneneinstrahlung frei zu halten. Alle notwendigen Dachaustritte (Lüftung, Schornstein, Antennen) sollten auf der Nordseite oder an den äußersten Rändern der Solarflächen gebündelt werden.
Technische Infrastruktur im Gebäude
Die Effizienz der Anlage hängt maßgeblich von der internen Hausinstallation ab.
Leerrohre: Es ist dringend anzuraten, ausreichend dimensionierte Leerrohre (z. B. DN50 oder größer) vom Dachstuhl direkt in den Hausanschluss- oder Technikraum zu planen. Diese nehmen später die DC-Leitungen der Module auf.
Zählerschrank: Eine PV-Anlage erfordert zusätzliche Komponenten (Smart Meter, Sicherungen, ggf. Steuereinheiten). Standard-Zählerschränke sind hierfür oft zu klein. Es muss von vornherein ein größerer Schrank nach aktueller VDE-Norm (VDE-AR-N 4100) eingeplant werden.
Standort der Komponenten: Der Wechselrichter sollte in einem kühlen, gut belüfteten Raum (z. B. Technikraum, Keller) und nicht auf dem Dachboden installiert werden, um Leistungsverluste durch Überhitzung zu vermeiden. Die Stellfläche für einen optionalen Batteriespeicher sollte ebenfalls frühzeitig festgelegt werden.
Ladeinfrastruktur (E-Mobilität): Auch wenn noch kein Elektrofahrzeug vorhanden ist, sollten die notwendigen Zuleitungen (Starkstromkabel) vom Zählerschrank zu potenziellen Stellplätzen (Garage, Carport) bereits im Rohbau verlegt werden.
Integration in das Gesamtenergiekonzept
Im Neubau wird die Energieversorgung als Gesamtsystem betrachtet. Die PV-Anlage ist dabei der zentrale Erzeuger.
Die heute übliche Kombination im Neubau ist die PV-Anlage in Verbindung mit einer Wärmepumpe. Die Anlage sollte so dimensioniert werden, dass sie einen relevanten Anteil des Strombedarfs der Wärmepumpe, insbesondere in den Übergangszeiten, decken kann.
Ein Home Energy Management System (HEMS) übernimmt die zentrale Steuerung. Dieses System optimiert den Eigenverbrauch, indem es Großverbraucher (Wärmepumpe, Wallbox) gezielt dann ansteuert, wenn ein Überschuss an Solarstrom vorhanden ist.
Fazit
Die Integration einer PV-Anlage ist für einen Neubau essenziell, um moderne Effizienzstandards und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Bauherrinnen und Bauherren, die die Solaranlage von der ersten Planungsphase an berücksichtigen, vermeiden teure Nachrüstungen, optimieren die Anlageneffizienz und reduzieren die Betriebskosten der Immobilie nachhaltig.





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