Der Solarausbau in Deutschland fokussiert sich zunehmend auf Dächer des Gewerbe- und Industriesektors. Besonders Logistikhallen und ältere Zweckbauten bieten enorme Flächenpotenziale. Doch Planer und Installateure treffen hier oft auf eine große Herausforderung: Dächer, die statisch für minimale Lasten ausgelegt sind.
Eine weit verbreitete Bauform in diesem Segment ist das Leichtbau-Dach, oft abgedichtet mit Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Diese Dächer sind zwar witterungsbeständig und oft nahtlos, ihre Eignung für PV-Anlagen stellt jedoch höchste Anforderungen an die Planung.
Die Herausforderung: Geringe Lastreserven als Standard
GFK-Dächer werden oft auf Trapezblech-Konstruktionen oder Holzuntergründen aufgebracht. Sie bieten eine nahtlose, dauerhafte Abdichtung bei geringem Eigengewicht. Genau dieses geringe Eigengewicht ist jedoch ein Indikator dafür, dass die gesamte Gebäudestruktur – vom Träger bis zur Stütze – auf das Nötigste reduziert wurde.
Während ein Massivbau oft hohe Reserven für Schnee oder Kiesschüttungen aufweist, sind diese bei Leichtbauhallen minimal. Die Installation einer konventionellen PV-Anlage ist daher in der Regel ohne ein detailliertes statisches Gutachten undenkbar – und oft von vornherein ausgeschlossen.
Montageoptionen im kritischen Vergleich
Für die Installation auf GFK-Dächern kommen theoretisch drei Methoden infrage, die sich in der Praxis jedoch stark unterschiedlich bewähren.
1. Mechanische Verschraubung (Durchdringung)
Technisch ist dies die riskanteste Methode. GFK ist ein Verbundwerkstoff, der empfindlich auf Punktbelastungen und das Einbringen von Bohrungen reagiert. Jede Durchdringung, um die Unterkonstruktion im tragenden Untergrund zu verankern, schafft eine potenzielle Undichtigkeit. Das nachträgliche, dauerhafte Abdichten dieser Punkte am GFK-Material ist extrem schwierig und fehleranfällig.
2. Ballastierte Systeme
Die gängigste Methode auf Flachdächern ist die Ballastierung. Die Anlage wird durch Eigengewicht (Betonplatten, Kies) gegen Windsog gesichert. Diese Option scheitert bei GFK-Leichtdächern fast immer an der Statik. Die zusätzliche, oft flächige Belastung durch den Ballast übersteigt die geringen Tragreserven der Dachkonstruktion bei Weitem.
3. Geklebte Systeme
Als zukunftsweisende Lösung hat sich die Verklebung der Unterkonstruktion (oder teilweise ganzer Module) etabliert. Hierbei werden spezielle Montageschienen oder -füße mittels hochleistungsfähiger, dauerelastischer Klebstoffe direkt auf der GFK-Oberfläche fixiert.
Dieser Ansatz bietet entscheidende Vorteile:
- Die Dachhaut bleibt zu 100 % intakt und dicht.
- Es wird kein zusätzlicher Ballast benötigt; das Systemgewicht beschränkt sich auf Module und Unterkonstruktion (oft unter 12 kg/m²).
- Die Last wird flächig über die Klebepunkte in die Dachhaut eingeleitet, statt punktuell.
Hohe Anforderungen an Klebesysteme
Die Wahl der Klebelösung ist kein trivialer Akt. Der Prozess erfordert höchste Sorgfalt und die Abstimmung mehrerer Faktoren.
Zunächst muss die GFK-Oberfläche (meist ein UV-beständiges Topcoat) auf ihre Tragfähigkeit und Kompatibilität mit dem Klebstoff geprüft werden. Eine gründliche Reinigung und Vorbehandlung (Aktivierung) der Oberfläche ist unerlässlich.
Des Weiteren muss der Klebstoff selbst für die spezifische GFK-Art freigegeben sein und eine dauerhafte Verbindung unter Witterungseinfluss (UV-Strahlung, Temperaturzyklen, Feuchtigkeit) garantieren. Die Planung muss zudem aerodynamische Aspekte berücksichtigen, da die Klebeverbindung die gesamten Windlasten aufnehmen muss.
Modulwahl als Konsequenz der Statik
Die geringe Lastreserve diktiert oft auch die Wahl der Module. Wo selbst leichte Klebesysteme in Kombination mit Standard-Glas-Glas-Modulen die Grenzwerte erreichen, müssen Planer auf Leichtbaumodule (z. B. Glas-Folien-Module oder flexible Module) zurückgreifen, um die Gesamtlast pro Quadratmeter weiter zu reduzieren.
Fazit: Nur mit Spezialisten
Photovoltaik auf GFK-Dächern ist möglich und erschließt wichtige Flächenpotenziale im Gewerbebau. Sie ist jedoch kein Standardfall für den „Plug-and-Play“-Installateur.
Der Erfolg hängt von einer extrem engen Abstimmung zwischen dem Statiker, einem erfahrenen Dachdecker (spezialisiert auf GFK-Abdichtung) und dem PV-Planer ab. Nur wenn die statischen Grenzen exakt ermittelt und mit modernen, leichten Klebesystemen kombiniert werden, lässt sich die Solarenergie auf diesen Leichtbau-Dächern sicher und dauerhaft realisieren.





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