Perowskit-Solarzellen: Hohe Effizienz, geringe Systemreife

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Dieser Beitrag bietet eine kompakte Zusammenfassung der zentralen ingenieur- und systemtechnischen Argumente zur aktuellen Rolle der Perowskit-Technologie in der Photovoltaik. Die ausführliche Analyse zu Effizienz, Systemgrenzen und Marktreife ist im Originalbeitrag „Was ist Perowskit – und warum es bislang nicht in realen PV-Systemen eingesetzt wird?“ nachzulesen.

 

1. Die Attraktivität von Perowskit liegt im Forschungsumfeld

Perowskit bietet aus material- und zelltechnischer Sicht klare Vorteile: hohe Absorptionsfähigkeit, einstellbare Bandlücken und flexible Zellarchitekturen ermöglichen unter Laborbedingungen schnelle Wirkungsgradsteigerungen.

Entsprechend wurden bei kleinen Zellflächen und kontrollierten Tests – sowohl bei Einzelzellen als auch bei Perowskit-Silizium-Tandems – wiederholt Effizienzrekorde erzielt. Diese Ergebnisse beschreiben jedoch primär das Potenzial unter Forschungsbedingungen und sind nicht direkt auf reale PV-Systeme übertragbar.

2. Wirkungsgrad ist kein Maß für Systemreife

Auf Systemebene ist der Wirkungsgrad nur ein Faktor unter vielen. Für reale Projekte sind vielmehr langfristige Stabilität, Skalierbarkeit und Risikobewertbarkeit entscheidend, unter anderem:

  • Langzeitstabilität über 20–25 Jahre unter realen Umweltbedingungen

  • Reproduzierbarkeit bei großformatigen Modulen und Serienfertigung

  • Vorhersagbare Degradation über den Lebenszyklus

  • Bewertbare Systemrisiken für Technik, Versicherung und Finanzierung

Der schnelle Effizienzfortschritt bei Perowskit spiegelt daher vor allem die Flexibilität im Forschungsstadium wider, nicht den Abschluss einer systemtechnischen Validierung.

3. Systemische Hürden begrenzen den Praxiseinsatz

Der bislang geringe Einsatz von Perowskit in realen PV-Anlagen ist kein Einzelproblem, sondern das Ergebnis mehrerer gleichzeitig bestehender Einschränkungen:

  • fehlende belastbare Langzeitbetriebsdaten

  • begrenzte Validierung von Modulgröße und Massenfertigung

  • Markt- und Finanzierungsstrukturen, die auf Silizium ausgelegt sind

  • unzureichende Erfahrungswerte zur Lebenszyklusperformance

Daher stützt sich der Markt weiterhin auf reife siliziumbasierte Produktionslinien, um Lieferfähigkeit, kalkulierbare Risiken und langfristige Betriebssicherheit zu gewährleisten.

4. Systemkontrolle bleibt bis 2026 entscheidend

Aus Projektsicht ist die Technologieauswahl weniger eine Frage maximaler Effizienz als eine der Systemkontrolle.

Kurz- bis mittelfristig ist es sinnvoll, auf siliziumbasierte Technologien mit etablierter Lieferkette und Betriebserfahrung zu setzen und die Entwicklung von Perowskit aufmerksam zu beobachten. Bis zur vollständigen Systemvalidierung bleibt Perowskit primär ein Forschungs- und Entwicklungsthema, nicht die Basis für den regulären kommerziellen Einsatz.