Neuer Koalitionsvertrag boostert Speicher für CO2-freie, grüne Wärme

Teilen

Berlin – Industrie- und Immobilienunternehmen mit einem hohen Bedarf an Wärme müssen sich auf erhebliche Veränderungen im deutschen Energiemarkt einstellen.

Der Koalitionsvertrag der designierten Ampel-Bundesregierung sieht gleich mehrere Maßnahmen vor, mit denen konventionell erzeugte Wärme sich in den kommenden Jahren deutlich verteuern dürfte.

So wollen FDP, SPD und Grüne sich für die „Schaffung eines zweiten Emissionshandels für die Bereiche Wärme und Mobilität“ einsetzen. Wörtlich heißt es im Koalitionsvertrag: „Was gut ist fürs Klima, wird günstiger – was schlecht ist, teurer.“ (S. 62)

Gleichzeitig sieht der Koalitionsvertrag eine deutliche Stärkung von Speichern für regenerative, CO2-freie Wärme vor. So sollen Energiespeicher eine „eigenständige Säule des Energiesystems“ werden (S. 61). Bis 2030 will die Koalition zudem durchsetzen, dass die Hälfte der benötigten Wärme für Bauwerke klimaneutral erzeugt wird.

Peter Kordt, Geschäftsführer des Hochtemperaturherstellers LUMENION aus Berlin: „Der Passus hört sich vielleicht lapidar an, ist aber ein echter Durchbruch für Speichertechnologie aus Deutschland. Gleich zwei Faktoren machen die Speicherung von regenerativer Energie und spätere Nutzung als CO2-freie Wärme finanziell interessant. Erstens: Durch den Ausbau der Erneuerbaren nehmen die Zeiten zu, in denen das Netz den Strom nicht vollständig aufnehmen kann. In diesen Stunden sind die Energiepreise niedrig – und genau zu diesen Zeiten landen wir unseren Speicher mit dem günstigen Strom. Dadurch verlängern wir die Nutzungsdauer von Erneuerbaren, in dem wir diese günstige Energie dann zur Verfügung stellen, wenn die Börsenpreise hoch sind, also wenig Erneuerbare einspeisen. Ein klimapolitisch-wirtschaftliches Win-Win. Und zweitens: Durch den bereits heute deutlich verminderten und ab 2023 geplanten vollständigen Wegfall der EEG-Umlage auf den Strompreis wird das Einspeichern regenerativer Energie günstiger.“

Ein Anwendungsfall könnte laut dem Energiewende-Startup LUMENION so aussehen: Ein Bio-Gemüsebauer/ eine Brauerei/ ein Immobilienunternehmen bindet einen Hochtemperaturspeicher für grüne Wärme in seine bestehende Energieanlage ein. Der Speicher nimmt lokal erzeugten, fossilfreien Strom aus dem Netz ab, wenn der Wind besonders stark weht und die Sonne intensiv scheint und die Kilowattstunde günstig ist – dieser wird dann mit Zeitverzug ausspeichert und genutzt, wenn der Strom bei Dunkelflaute teuer ist.

„Wir sehen heute vielerorts, wie groß der Bedarf nach CO2-freier Wärme im industriellen Maßstab ist“, so LUMENION-Geschäftsführer Peter Kordt. „Offenbar hat auch die designierte Bundesregierung erkannt, dass Speicher die einzige Lösung sind, um schnell auch klimafreundlich erzeugter Wärme einen Boost zu geben.“ So werde heute noch rund die Hälfte der in Deutschland verwendeten Energie als Wärme genutzt – für Nah- und Fernwärme, aber eben auch in landwirtschaftlichen und industriellen Verarbeitungsprozessen.