Wichtige Aspekte:
– Die Studie konzentriert sich auf die Sauerstoffreduktionsreaktion, den Schlüsselprozess, der die Effizienz von Brennstoffzellen begrenzt. Neue Erkenntnisse hierzu können zur Verbesserung dieser Energieumwandler beitragen.
– Das Forschungsteam untersucht systematisch und unter industriell relevanten Bedingungen, wie die Aktivität vier verschiedener Brennstoffzellenkatalysatoren von Spannung und Druck abhängt.
– Die Ergebnisse zeigen, dass die Katalysatoraktivität nicht auf einen einzigen limitierenden Reaktionsschritt zurückgeführt werden kann, sondern durch verschiedene reaktionsbestimmende Schritte in Abhängigkeit von der angelegten Spannung gesteuert wird.
– Die Studie verändert unser Verständnis der Kinetik mehrstufiger Elektrokatalysatoren und führt die Katalysatorforschung in eine neue Richtung.
Die Aktivität von Katalysatoren
Katalysatoren sind für unsere zukünftige Energieversorgung unverzichtbar. Sie werden beispielsweise in Brennstoffzellen eingesetzt, die Schwerlast- und Langstreckentransporte antreiben können. Ein tiefgreifendes Verständnis von Elektrokatalysatoren für Brennstoffzellen und deren kontinuierliche Weiterentwicklung sind unerlässlich, um diese Technologie für den täglichen Gebrauch fit zu machen.
Die Abteilung für Grenzflächenwissenschaft am Fritz-Haber-Institut hat bedeutende Fortschritte beim Verständnis der Funktionsweise von Brennstoffzellenkatalysatoren unter industriell relevanten Bedingungen erzielt. Diese Ergebnisse sind entscheidend für die Weiterentwicklung elektrochemischer Technologien und liefern grundlegende Erkenntnisse über mehrstufige elektrokatalytische Reaktionen.
Eine kinetische Kaskade
Die aktuelle Studie wurde von Dr. Silva und Jody Druce in der Gruppe um Dr. Öner von der Abteilung Grenzflächenwissenschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Beatriz Roldán Cuenya durchgeführt wurde und untersucht, wie die angelegte elektrische Überspannung und der O2-Druck die Kinetik der Sauerstoffreduktionsreaktion (oxygen reduction reaction, ORR) von vier verschiedenen Katalysatoren in einer Brennstoffzelle verändern. Sie entdeckten eine sehr ausgeprägte Abhängigkeit der Reaktionskinetik von der Überspannung, wobei die Katalysatoraktivität nicht durch einen einzigen geschwindigkeitsbestimmenden Schritt begrenzt wird, sondern durch verschiedene Reaktionsschritte an der Grenzfläche zwischen Katalysator und Lösung, die selbst spannungsabhängigen Veränderungen unterliegt.
Technische Erkenntnisse
Dr. Öner erklärt: „Die traditionelle Ansicht in der Fachwelt ist, dass mehrstufige Reaktionen in der Regel auf einen einzelnen geschwindigkeitsbestimmenden Zwischenschritt zurückgeführt werden können – oder, technisch ausgedrückt, dass der Grad der Geschwindigkeitskontrolle dieses Schritts gleich eins ist.“ Die Forschenden entdeckten nun aber, dass sich die geschwindigkeitsbestimmenden Schritte und somit die Geschwindigkeitskontrolle in Abhängigkeit von der Überspannung und dem Druck verändern. Dr. Öner betont, dass die Studie einen Paradigmenwechsel in der Forschung im Bereich der Elektrokatalyse anstößt. „In den letzten Jahrzehnten haben Forschende häufig Analysen und Theorien angewendet, die auf der Annahme basieren, dass es einen einzigen geschwindigkeitsbestimmenden Reaktionsschritt gibt. Unsere Arbeit bricht mit dieser Tradition. Wir bieten hier einen kinetischen Rahmen für die Analyse von Operando-Spektroskopie und -Mikroskopie, mit denen seit Jahrzehnten spannungsabhängige strukturelle und chemische Veränderungen untersucht werden. Eine zentrale Frage ist, wie die überpotential- und druckabhängigen dynamischen, mikroskopischen Eigenschaften das gesamte Ensemble beeinflussen, was letztlich die Aktivierungsparameter definiert. Unsere Ergebnisse setzen hier neue Impulse für die zukünftige Forschung.”
Schlussfolgerung und Ausblick
Prof. Dr. Beatriz Roldán Cuenya betont, wie wichtig es ist, die überspannungs- und druckabhängigen chemischen und strukturellen Veränderungen an der Grenzfläche zwischen Katalysator und Lösung mit den Aktivierungsparametern zu verknüpfen.
Die neuen Erkenntnisse verbessern nicht nur unser Verständnis der Katalysatoraktivität, sondern auch insgesamt die Perspektiven für die Weiterentwicklung von Technologien zur Energieumwandlung. Das Forschungsteam will seine Untersuchungen ausbauen, um weitere grundlegende Erkenntnisse im Bereich Energie- und Stoffumwandlung zu gewinnen.
Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41467-025-67494-x





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