Anders als in der Energiewelt der Vergangenheit müssten in Zukunft sehr viele Akteure Energie produzieren, so Krasser weiter. Zusammen mit der Stadt Wunsiedel hat er bereits vor vielen Jahren den sogenannten Wunsiedler Weg konzipiert, mit dem konsequent auf erneuerbare und regionale Energiequellen gesetzt wird. Eines der neuesten Projekte ist der Bau einer Wasserstoff-Anlage in Wunsiedel, für den sich die SWW mit der Siemens Financial Services und der Rießner Gase GmbH zur WUN H2 GmbH zusammengetan hat. Siemens Energy wird den Elektrolyseur liefern, Siemens Smart Infrastructure ist der Generalunternehmer.
Klimaneutral ist der Wasserstoff, von dem rund 1.350 Tonnen pro Jahr produziert werden sollen, deshalb, weil für die Erzeugung ausschließlich Ökostrom aus der Region verwendet wird. Er wird daher als grüner Wasserstoff bezeichnet. Und auch um die Abnehmer hat man sich bereits gekümmert. Es sind vor allem Industriebetriebe in Oberfranken, der Oberpfalz, Thüringen, Sachsen sowie Westböhmen in Tschechien. Daneben soll der Wasserstoff auch dabei helfen, das Stromnetz zu stabilisieren. Weitere Option ist eine öffentliche H2-Tankstelle für LKW und Busse.
Von der Stahlerzeugung bis zum Flugverkehr
Wasserstoff wird vor allem deshalb eine bedeutende Rolle in einer nachhaltigen Energiewirtschaft zugeschrieben, weil das Gas fast universell einsetzbar ist. Bisher liefert es vor allem in der chemischen Industrie Energie – zum Beispiel bei der Herstellung von Stickstoffdünger oder synthetischen Kraftstoffen. Letztere gewinnt man, indem der Wasserstoff mit Kohlendioxid in Methanol überführt wird. Weil dabei aber viel Energie verloren geht, ist der Sinn umstritten.
In Wunsiedel und anderswo konzentriert man sich auf die Dekarbonisierung von Industrieprozessen mit Hilfe von grünem Wasserstoff. Für die Stahlerzeugung beispielsweise wird bisher hauptsächlich Kohle oder Erdgas genutzt, sie ist jedoch auch mit Wasserstoff möglich. Ein weiteres großes Feld, das sich mit dem farb- und geruchlosen Gas, in diesem Fall per Brennstoffzelle, klimaneutral stellen ließe, ist der Schwerlastverkehr. E-Betrieb sei hier kaum möglich, weil die dafür nötigen Batterien viel zu schwer sind, erläutert Krasser. Dasselbe gilt für den Schiffsverkehr, wo Wasserstoff das Schweröl ablösen könnte. Und auch Dieselloks, die auf Strecken ohne Oberspannungsleitungen unterwegs sind, ließen sich auf das Gas umstellen.
Politische Entscheidungen nötig
„Man darf gespannt sein, welchen Stellenwert die neue Regierung dem grünen Wasserstoff geben wird und wie es in der Folge mit der Nationalen Wasserstoffstrategie weitergehen wird“, sagt Krasser mit Blick auf die kommende Ampel-Koalition. Als einer der Vorreiter einer Transformation der Energieversorgung sieht der innovative Stadtwerke-Geschäftsführer die Politik in der Pflicht. „Wie überall müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen, damit mehr in die Wasserstofftechnologie investiert wird.“ Die Potenziale seien zumindest eindrucksvoll. Wasserstoff sei ein perfekter Speicher für Wind- und Sonnenstrom. Zudem könne er die Energiesektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie verbinden.





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