Tokio, 24. September 2019. Japan ordnet seinen Strommarkt neu und konkurrierende Energieversorger, Netzentkopplung und kompetitive Netzausgleichsmärkte sind die Folge. Die Digitalisierung kann es Netzbetreibern, Produzenten, Händlern, Verbrauchern und Speicheranbietern ermöglichen zusammenzuarbeiten und den erneuerbaren Strom zu nutzen, anstatt ihn zu verschwenden. Diese Hypothese ist der Hintergrund für eine Studie des Deutsch-Japanischen Kooperationsrates zur Energiewende (GJETC). Das Wuppertal Institut und das Institute of Energy Economics, Japan (IEEJ) als wissenschaftliche Sekretariate des GJETC analysierten Konzepte von virtuellen Kraftwerken und die zugrunde liegenden Geschäftsmodelle sowie den Einsatz von Blockchain-Technologie. Im Mittelpunkt standen Fallstudien wie das deutsche Unternehmen Next Kraftwerke und der US-amerikanische Energieversorger Pacific Gas & Electric. Erste Ergebnisse wurden auf der 7. Sitzung des GJETC diskutiert, die in diesen Tagen, von 23. – 24. September 2019, in Tokio stattfand.
Die Studie zeigt, dass Geschäftsmodelle von Virtuellen Kraftwerken (VPP) in hohem Maße von den regulatorischen Rahmenbedingungen, den erneuerbaren Energieressourcen, dem Stromversorgungssystem sowie dem Strommarktsystem abhängig sein können. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass beispielsweise der schrittweise Auslauf des FIT (Feed-in-Tarif), wie er auch für Japan gilt, ein günstiges Geschäftsumfeld für VPP schaffen kann. IT-Systeme und Marktstruktur hingegen scheinen die VPP-Modelle derzeit nicht wesentlich zu beeinflussen. Da Deutschland jedoch das bisher einzige Land mit voll kommerzialisierter VPP ist, könnte sich dies in Zukunft sehr wohl ändern, da die sich entwickelnden Märkte in anderen Ländern zu unterschiedlichen Trends und Ergebnissen führen könnten.
An der traditionellen GJETC-Outreach-Veranstaltung am 24. September nahmen Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt, stellvertretender Direktor der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission, Dr. Boris Rigault, Leiter des Bereichs Industrie-Dampfturbinen der Siemens AG und Steffen Riediger, Direktor European Power Derivatives an der European Energy Exchange (EEX) teil. Sie erläuterten ihre Bemühungen und Erfolge bei der Erreichung stabilisierter elektrischer Systeme unter wachsenden Anteilen erneuerbarer Energien.
„Die Erfahrungen in Europa zeigen, dass die Integration eines hohen Anteils der Energiegewinnung aus erneuerbaren Energieträgern in die Strommärkte Flexibilität auf der Erzeugungs- und Nachfrageseite sowie die Schaffung starker Preissignale bedeutet“, sagte Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt während des Treffens. Die Outreach-Veranstaltung soll sowohl strategische als auch vertiefte Einblicke in ausgewählte Themen im Zusammenhang mit den Strommärkten und dem wachsenden Anteil der Energieerzeugung aus erneuerbaren Ressourcen in beiden Ländern geben.
Die nächste geplante Ratssitzung findet am 18. und 19. März 2020 in Berlin statt. Ein Video über das Konzept und die Arbeit des GJETC sowie Studienergebnisse, Inputpapiere und ein Abschlussbericht der ersten Phase (in Englisch, Zusammenfassungen in Japanisch und Deutsch) können von der GJETC-Website heruntergeladen werden: www.gjetc.org
Über den GJETC
Der Deutsch-Japanische Kooperationsrat zur Energiewende ist ein internationales Modellprojekt zur Stärkung des Wissensaustauschs über Technologien, Politik und die Auswirkungen der Energiewende. In seiner Form, Kontinuität und Größe ist der GJETC das erste deutsch-japanische Kooperationsprojekt zur Energiewende. Der im Frühjahr 2016 gegründete Rat führt ein umfangreiches Studienprogramm zu Kernthemen der Energiewende durch, führt Stakeholderdialoge mit der Industrie und der Zivilgesellschaft und veröffentlichte bereits vier Studien, eine Reihe strategischer Inputpapiere und einen Bericht mit Schlüsselempfehlungen für eine erfolgreiche Energiewende im März 2018.
Das gemeinsam von Wuppertal Institut, ECOS Consult, hennicke.consult und dem Institute of Energy Economics Japan (IEEJ/Tokyo) im Frühjahr 2016 ins Leben gerufene Projekt wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Stiftung Mercator, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland und das Japanese Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) gefördert. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI), das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin (JDZB) unterstützen das Projekt. Auf deutscher Seite koordiniert das Wuppertal Institut zusammen mit ECOS Consult die Ratsarbeit als Sekretariat, auf japanischer Seite übernimmt diese Aufgabe das Institute of Energy Economics Japan (IEEJ).
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